Belgrad l (vs) Dass Sebastian Brendel nach dem Zieleinlauf kenterte, passte irgendwie ins Bild. Nicht nur der dreimalige Canadier-Olympiasieger aus Potsdam, dessen goldene Serie bei der EM der Rennsport-Kanuten in Belgrad riss, auch der Rest des Teams des erfolgsverwöhnten Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) hat vor der WM in Portugal (23. bis 26. August) noch viel Arbeit vor sich.

Im Glanz des Goldes durften sich indes auf dem Regattakurs Ada Ciganlija nur die Canadier-Zweier Peter Kretschmer und Yul Oeltze (Leipzig/Magdeburg) sonnen. Die Weltmeister und Titelverteidiger holten nicht nur den einzigen deutschen Sieg in den olympischen Klassen, sie untermauerten ihre WM-Ansprüche zudem mit einem inoffiziellen Weltrekord.

In 3:25,041 Minuten verwiesen sie die Rumänen Leonid Carp/Victor Mihalachi um gut vier Zehntel auf Platz zwei. „Wir haben vorher bei dem Wind und dem Wasser hier ein bisschen geliebäugelt, dass es möglich wäre“, sagte Oeltze, der „Vertrauen in die eigene Stärke“ als den Unterpfand ihres Erfolges nannte: „Wir wissen, was jeder von uns kann, und verstehen uns auch im Wettkampf ohne viele Worte. Uns beiden war klar, dass wir hier 100 Prozent Vollgas geben müssen, mit Rumänien, aber auch mit Russland und der Ukraine waren schließlich starke Boote im Finale, auf die wir dieses Jahr noch nicht getroffen sind.“ Über 500 Meter lief es am Sonntag nicht mehr optimal – Platz fünf stand für das Duo zu Buche.

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Neben einmal Gold gab es für den DKV bei den Olympiabooten noch dreimal Silber und zweimal Bronze. Ferner gewann in den nichtolympischen Klassen die Magdeburgerin Nina Krankemann Gold im Kajak-Einer über 1000 Meter. „Schon mit dem Erreichen beider Finals über 1000 und 500 Meter war es ein guter Tag für mich, dieses Gefühl wollte ich mit in das Finale nehmen. Das hat funktioniert, ich war auch nicht so aufgeregt wie noch beim Weltcup in Duisburg. Unser Bundestrainer Kay Vesely hat mir noch Mut gemacht und gesagt, dass ich vorn mitfahren kann – das ist voll aufgegangen. Und dass ich am Ende nun gar Gold gewonnen habe, ist umso schöner“, sagte die 22-Jährige. Über die halbe Distanz belegte die SCM-Athletin am Sonntag Platz acht.

Unglücklich

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten Jasmin Fritz (Magdeburg) und Steffi Kriegerstein (Dresden) nach dem K2-Finale der Damen über 500 Meter. Sie saßen, nachdem sie zunächst auf Rang vier hinter den Siegerinnen Hostens/Guyot (Frankreich) sowie Medveczky/Csipes (Ungarn) und Peters/Broekx (Belgien) geführt wurden, etwas niedergeschlagen auf dem Anlegesteg der Bootskontrolle, als das offizielle Ergebnis dann kundtat, dass Belgien und Deutschland zeitgleich Rang drei belegt hatten. Die Niedergeschlagenheit wandelte sich im Nu in Freude über Bronze um: „Ich hatte schon mit mir gehadert, dass es meine Schuld ist, weil ich nach unserem offensiven Rennbeginn am Ende etwas fest gegangen war. Es ist unser bislang bestes Rennen gewesen. Wir haben gesehen, dass wir vorn mitfahren können“, so die Magdeburgerin Fritz. Michael Müller, Vierter SCM-Athlet in Belgrad, belegte mit dem Canadier-Vierer über 500 Meter beim Sieg Russlands Platz sechs.

Nach zuletzt vier Siegen beim Weltcup im „Kanu-Wimbledon“ Duisburg sprach DKV-Sportdirektor und Chefbundestrainer Jens Kahl von „Ergebnissen im Bereich des Erwarteten“. In Duisburg habe es viel Licht, aber auch Schatten gegeben. „Der Schatten hat sich nun ein bisschen gelichtet, wir hoffen, dass wir ihn bis zur WM ganz wegkriegen“, sagte Kahl.

Dabei dachte Kahl an die üblichen Verdächtigen. Allen voran eben Sebastian Brendel. Nach seiner krachenden Niederlage in Duisburg gegen seinen Dauerrivalen Martin Fuksa hatte der 30-Jährige den Tschechen in Belgrad am Rande einer Niederlage. Ganze 87 Hundertstelsekunden betrug sein Rückstand gegenüber knapp 3,5 Sekunden zwei Wochen zuvor auf der Wedau. „Ich habe alles gegeben, mit dem Zielsprung wollte ich das Letzte nach vorn werfen, um Martin noch abzufangen. Es ist für mich dennoch ein gutes Ergebnis, mit Silber kann ich gut leben“, resümierte Brendel, der auch über 500 Meter im Einer-Canadier dem Tschechen Martin Fuksa unterlag.

Auch für Kajakfahrer Max Rendschmidt (Essen) reichte es gleich zweimal nicht für den ganz großen Wurf. Nach Platz drei bei seiner internationalen Einer-Premiere musste sich der Doppel-Olympiasieger von Rio (K2 und K4) am Sonntag als Schlagmann im Vierer Spanien um ganze 14 Hundertstel geschlagen geben. Wie Brendel wurden im K2 auch Max Hoff/Marcus Groß (Essen/Berlin) entthront.