Montemor-o-Velho/Magdeburg l Seine Backen plusterten sich im Rhythmus auf, sein Blick ging immer wieder nach links. Yul Oeltze sah die Gefahr aus der Tiefe des High Permonace Centres in Montemor-o-Velho (Portugal) nahen, die Gefahr namens Serguey Madrigal/Fernando Enrique aus Kuba. Doch im verzweifelten Kampf der Konkurrenz hielten der 24-Jährige vom SC Magdeburg und sein Leipziger Partner Peter Kretschmer die Frequenz scheinbar mühelos auf maximaler Stufe – und gewannen bei der Kanu-WM das Finale der Canadier-Zweier über die olympischen 1000 Meter in 3:38,207 Minuten und mit 1,255 Sekunden vor den Kubanern.

Die erste Handy-Nachricht, die dann die Volksstimme erreichte, kam nur wenige Augenblicke nach der Zieldurchfahrt von Oeltzes Heimtrainer Detlef Hummelt. Wortlaut: „Sensationell! Der blanke Wahnsinn! Die Jungs sind unglaublich! Respekt!“ Später sagte der Coach am Telefon: „Sie waren die Gejagten. Und es ist beim zweiten Mal immer schwerer, den Titel zu gewinnen als beim ersten Mal.“ Vor einem Jahr in Racice (Tschechien) war es noch ein Herzschlagfinale. „Diesmal haben sie relativ deutlich gewonnen.“ Es war ein souveräner Start-Ziel-Sieg, mit dem sie ihren Titel verteidigten.

Danach haben sich womöglich alle beim Deutschen Kanuverband (DKV) gesehnt. Auch Kretschmer sagte im Siegerinterview direkt nach der Zieldurchfahrt: „Es ist so lange her, dass ein Team seinen Titel verteidigt hat.“ Im C2 waren das Ulrich Papke/Ingo Spelly, die 1990 für die DDR und 1991 für Deutschland gewannen. „Hut ab, dass sie das geschafft haben“, sagte Hummelt zur Leistung von Oeltze/Kretschmer. Und versprach: „Wir haben eine schöne Poolbar in unserem Hotel Sotto Mayor. Da werden wir am Abend noch ein gepflegtes Bier trinken.“

Längst keine Routine

Das trinkt Yul Oeltze gerne mit. Denn ein zweiter WM-Titel ist keine Routine, wenngleich der Text zur deutschen Nationalhymne längst sitzt. „Die Emotionen potenzieren sich von Rennen zu Rennen“, sagte der Magdeburger, „da fällt so viel Druck ab.“ So emotional sprach er dann gar nicht über das Rennen selbst. „Wir sind gleich am Start nach vorne gefahren, konnten mit unseren Kräften haushalten und mit der Konkurrenz spielen. Den Endspurt haben wir diesmal sogar relativ spät angezogen, aber dann natürlich mit vollem Tempo.“ Das Feld schaute den Deutschen ehrfürchtig hinterher.

Die Weltmeisterschaft sollte damit eigentlich vorbei sein für Oeltze/Kretschmer. Da der SCM-Schlagmann seit dem Trainingslager in Duisburg an Schmerzen in der rechten Schulter laboriert, hatten sie überlegt, ihren Start über die 500 Meter abzumelden. „Die Schulter hält aber und wir sind so gut drauf“, erklärte Oeltze: „Jetzt wollen wir auch über 500 Meter einen schönen Wettbewerb fahren.“