Schwimmen

Olympia: Die Powerpaare des SC Magdeburg

Sarah Köhler und Florian Wellbrock, Isabel Gose und Lukas Märtens: Die Powerpaare des SC Magdeburg haben bei der letzten Olympia-Qualifikation überzeugt.

Von Daniel Hübner

Berlin. Dieses Paar hat Power. Dabei hat es sich gefunden, als es wirklich gar nichts zum Erleben gab – mitten im Corona-Lockdown. „Wir waren noch nicht einmal gemeinsam irgendwo Essen oder im Kino“, berichtete Isabel Gose. „Aber gerade im Alltag lernt man sich am besten kennen.“ Im Alltag hat ihr Lukas sie in den vergangenen Monaten nie enttäuscht. Und im Becken sowieso nicht.

Es ist keinesfalls selbstverständlich, wenn sich zwei junge Menschen in der ersten großen Romantik ihrer Beziehung vom Fokus ihres täglichen Schaffens abwenden und sich anderen Themen zuwenden können. Denn Isabel Gose und Lukas Märtens schwimmen nicht nur gemeinsam für den SC Magdeburg, sie haben spätestens seit dem Start in die Olympia-Saison im September jeden Tag für ihren Traum von der Teilnahme an den Sommerspielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) gearbeitet.

Drei Einzelstarts in Tokio

Und sie haben ihn am Wochenende bei den German Open in Berlin endgültig wahr gemacht: Gose und Märtens sicherten sich im finalen Akt der nationalen Olympia-Qualifikation ihren zweiten und dritten Einzelstart in Japan. Als Bonus verdienten sie sich einen Platz in der langen Freistil-Staffel.

Gose ist erst 18 Jahre, Märtens ist 19. Und womöglich war es ein Geheimnis ihres Erfolges, „dass wir relativ wenig übers Schwimmen gesprochen haben“, sagte Märtens, bestätigte seine Freundin: „Es war nicht zu viel und nicht zu wenig.“ Für den permanenten Fokus und für den freien Kopf gleichermaßen.

Schlecht am Start, schnell im Wasser

Das Thema Wenden und Start haben sie dann entweder ausgespart oder besonders intensiv diskutiert. Es ist das Thema, das insbesondere Märtens beschäftigt. „Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, erklärte der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn zum Beispiel nach dem Vorlauf über 200 Meter Freistil am Freitag. Im Finale fiel trotzdem die Norm: mit 1:46,41 Minuten. „Er ist einfach schnell im Wasser“, hat sein Trainer Bernd Berkhahn mal erklärt. Schneller als andere, weshalb er seinen Rückstand nach dem Sprung vom Startblock und nach jedem Richtungswechsel in der Bahn augenscheinlich leicht kompensieren kann.

Märtens legte mit 3:44,86 Minuten über 400 Meter Freistil das dritte Einzel-Ticket am Sonnabend nach. „Wir sind entspannt losgeschwommen, ich wollte mich zunächst einordnen und dann im richtigen Moment zünden“, berichtete er. „Das hat gut geklappt. Aber die Zeit hat mich trotzdem überrascht.“ Er wurde Zweiter hinter Florian Wellbrock (3:44,36) und vor Henning Mühlleitner (3:45,36), der ebenfalls die Norm geschafft hat und nach Verzicht von Wellbrock, über diese Distanz in Tokio zu starten, zu den Sommerspielen reisen darf.

Wellbrock kratzt am Rekord

Nur über die 1500 Meter, da lag Märtens’ Fokus ganz auf dem Teamgefährten: „Ich möchte auf den ersten 800 Metern ein gutes Tempo vorgeben und Florian zu einer schnellen Zeit pushen“, hatte er im Vorfeld angekündigt. Für Wellbrock ist die Taktik aufgegangen: Mit 14:36,45 Minuten – zugleich die Weltjahresbestleistung – blieb der 23-Jährige nur drei Zehntelsekunden über seinem deutschen Rekord. „Ich bin tierisch glücklich über die Zeit“, sagte der Doppelweltmeister. „Es ist etwas schade, dass er seinen Rekord nicht geknackt hat bei all der Mühe“, meinte Berkhahn. Märtens, der die Norm bereits eine Woche zuvor in Magdeburgerfüllt hatte, wurde mit 15:05,36 Minuten Zweiter. „Er war einfach zu müde“, so Berkhahn.

Gose schwamm letztlich über 200, 400 und 800 Meter zu den Olympischen Spielen: Mit den Bestzeiten von 1:56,93 und 4:05,19 in Berlin und von 8:26,37 Minuten in Magdeburg. Scheinbar spielend. Aber so spielend ist es bei ihr nicht. „Ich bin ein Typ, bei dem die Aufregung vor dem Start immer da ist“, sagte sie. „Wer es eben einmal erreicht hat, der kann nicht genug bekommen“, ergänzte Isabel Gose lächelnd. Sie hat viel bekommen in Berlin: „Ich bin total happy.“

Gemeinsames Ziel gemeinsam erreicht

So fährt also das Powerpaar nach Tokio – wie das erste Powerpaar der Magdeburger Riege: Sarah Köhler und Wellbrock, die bereits gesetzt waren für die Sommerspiele aufgrund ihrer Medaillengewinne bei der WM 2019. Wie ihr Verlobter präsentierte sich auch die 26-jährige Köhler in sehr starker Form: Mit 4:05,99 Minuten schaffte sie ebenfalls die Tokio-Norm über 400 Meter Freistil. Zudem verpasste sie ihren eigenen deutschen Rekord über die längste Distanz mit 15:52,20 Minuten nur um 3,37 Sekunden.

In gewisser Weise sind die beiden Ausnahmeathleten in jeglicher Hinsicht auch ein Vorbild für Gose und Märtens. „Wir unterstützen uns gegenseitig, motivieren uns“, sagte Lukas Märtens. Und seine Isabel ergänzte: „Es gibt nicht viele Paare, die ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Und es gemeinsam erreichen können.“ Powerpaar eben.