Magdeburg l Norimasa Hirai ist 53 Jahre alt und hat eine große Aufgabe: Der Mann soll Japans Schwimmer bei den Sommerspielen 2020 in Tokio in die Medaillenränge führen. „Ich habe einen guten Kontakt zu ihm“, berichtete Bernd Berkhahn, der Hirai zum Beispiel aus den Höhentrainingslagern in der Sierra Nevada (Spanien) kennt. „Sie legen in Japan noch viel Wert auf Technik und nicht nur auf Kraft und Ausdauer.“ Im sauberen Stil sollen die Athleten aus dem Land der aufgehenden Sonne aufs Podest gleiten. „Es ist zu erwarten, das dort bis 2020 noch richtig viel passiert“, ist sich Berkhahn, der Trainer der SCM-Athleten, sicher.

Es ist ja schon einiges passiert, das lässt sich von den Weltranglisten ableiten. Berkhahns Schützling Franziska Hentke beispielsweise darf sich dort als Sandwich auf Japanisch fühlen. Sie ist 2017 die Zweitschnellste in der Welt über die 200 Meter Schmetterling mit 2:06,84 Minuten, die sie bei den Swim Open in Stockholm im April erzielte. Schneller war bislang nur Suzuka Hasegawa (2:06,29), etwas langsamer Hiroko Makino (2:06,92). „Über Tokio sagt das noch nichts aus“, sagte Hentke. „Japan hatte aber schon immer gute Schwimmerinnen über 200 Meter Schmetterling. Das wird sich bis 2020 nicht ändern.“

Hentke schickt derzeit per Facebook die schönsten Bilder aus dem Trainingslager in der Sierra Nevada in die Welt. Dort hat sie wie auch Freistil-Spezialist Florian Wellbrock mit der SCM-Gruppe die Zelte aufgeschlagen, um ihre speziellen Einheiten in Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften in Berlin (15. bis 18. Juni) zu absolvieren. In den Wochen vor Stockholm hatten sie eher allgemeines Grundlagen-Training. „Bislang waren die Einheiten noch nicht individuell abgestimmt, das hat sich jetzt in Spanien geändert“, sagte Berkhahn. Und das gibt der 27-jährigen Hentke auch die Hoffnung, bei den nationalen Titelkämpfen „noch einen draufzupacken“ im Vergleich zur aktuellen Saisonbestleistung, mit der sie die Norm (2:07,22) für die Weltmeisterschaft in Budapest (15. bis 30. Juli) bereits unterboten hat. Das hat übrigens auch Wellbrock, dessen Jahresbestzeit über 1500 Meter – ebenfalls in Stockholm erzielt – bei 15:02,91 Minuten steht.

Grundtempo verbessert

Der 19-Jährige muss im Juni im Europa-Sportpark zumindest die U-23-Norm (15:12,79) nachweisen und wie Hentke Gold oder Silber holen, um von Bundestrainer Henning Lambertz für Budapest nominiert zu werden. „Ich bin optimistisch, dass der WM-Qualifikation nichts im Wege steht“, erklärte Wellbrock. Aber das Ticket will er sich lieber mit der A-Norm (14:55,40) sichern, die neun Hundertstel unter seiner Bestzeit liegt. Deshalb: „Wichtig ist, dass ich gesund bleibe.“

Gesund ist er auch in Spanien bislang geblieben. An Selbstvertrauen mangelt es ihm ebenso wenig. Wellbrock steht 2017 auf Platz eins im nationalen Vergleich und ist mit Rang neun in der Welt auf die Überholspur gewechselt. Die Konkurrenz vor ihm krault in greifbarer Nähe. Lediglich Europarekordler Gregorio Paltrinieri (Italien/14:37,08) schwimmt derzeit in seiner eigenen Liga. „Florians Ziel muss es sein, sich künftig in der Top-Acht zu etablieren“, erklärte Berkhahn.

Wellbrock hat sein Grund-tempo verbessert, was Berkhahn nicht zuletzt auf „eine stärkere Beinarbeit“ zurückführt. Das zeigen seine Leistungssprünge auf kürzeren Distanzen. Er ist in diesem Jahr erstmals unter 3:50 Minuten über 400 Meter (3:48,38) und unter 1:50 über 200 Meter (1:49,91) geblieben. Mit dem Bestwert auf der längeren Strecke steht er in der nationalen Rangliste sogar auf Rang zwei. „Jetzt muss ich an meiner Ausdauer arbeiten, um das Tempo auch über die längste Beckendistanz halten zu können“, erklärte Wellbrock. Aber wären 400 Meter nicht eine dauerhafte Option? „Alles macht Spaß, wenn man Erfolg hat“, meinte er lächelnd. Berkhahn (46) weiß: „Für Florian stehen perspektivisch viele Türen offen.“