Magdeburg l Zum Abschluss der Saison hat Franziska Hentke doch noch zwei internationale Medaillen gewonnen. Sie schwamm auf ihrer Paradedistanz 200 Meter Schmetterling in 2:07,97 Minuten zu Silber und auf der Nebenstrecke 800 Meter Freistil in 8:45,92 Minuten zu Bronze. Ereignet hat sich die Jagd nach Edelmetall in der vergangenen Woche in Samara (Russland), Hentke war bei den Militär-Weltmeisterschaften am Start. Aber bei allem Respekt vor Gefreiten, Oberfeldwebeln oder Offizieren: Es ist der wohl unwichtigste Wettbewerb, der alljährlich irgendwo in der Welt abgehalten wird.

Und nun? Nach Luxemburg, Stockholm, Sierra Nevada, Glasgow oder eben Samara – endlich ist sie in der Heimat angekommen. Nach acht Monaten des Fliegens, Schwimmens und auch der Enttäuschung kommt Hentke zur Ruhe.

Hentke plant keinen Urlaub

„Ich werde auch nicht großartig verreisen“, sagte die 29-Jährige vom SCM zum zweiwöchigen Urlaub, den sie gerade bei ihrer Familie in Zschepkau bei Wolfen angetreten hat. „Ich habe keine Lust, wieder wegzufahren. Ich möchte einfach mal in meiner gewohnten Umgebung entspannen.“ Und diese genießen. In den nächsten zwei Jahren heißen die Ziele Gwangju in Südkorea oder Tokio in Japan. Einmal bei der Weltmeisterschaft, einmal bei den Sommerspielen.

Hentke hat ihre schwächste Saison erlebt, seitdem sie Trainer Bernd Berkhahn im September 2012 übernommen hat. Sie verlieh ihr das Prädikat: „durchwachsen“. Eine Stagnation wider Willen. „Mich hat geärgert, dass ich in dieser Saison kein einziges Schmetterling-Rennen geschwommen bin, mit dem ich komplett zufrieden war“, sagte sie.

Trotzdem gab es auch Grund zum Lächeln. „Ich habe mich gefreut, dass ich im letzten Dezember in Kopenhagen gewonnen habe.“ Dort wurde sie Kurzbahn-Europameisterin. Zudem gewann sie Ende Januar beim Euromeet in Luxemburg in 2:08,18 Minuten, so schnell war sie noch nie zu diesem Zeitpunkt der Saison.

Doch viel schneller wurde es nicht mehr, 2:07,21 Minuten steht als Bestleistung 2018. Hentke begann zu zweifeln, Hentke ging durch die Hölle – im Kopf und im Becken.

Enttäuschung bei der EM in Glasgow

„Ich kann es nicht erklären“, sagte die 1,72 Meter große Athletin, die Auswertung der Saison wird sie Berkhahn erst nach dem Urlaub vornehmen. Gewurmt hat sie, „dass meine beste Zeit des Jahres nun aus dem April ist und ich mich nicht mehr bis zur EM steigern konnte, obwohl mehr drin war.“ Platz vier bei der Europameisterschaft in Glasgow außerdem. Aber vor allem, dass sie nicht annähernd den deutschen Rekord gefährden konnte: Den hält sie mit 2:05,26 Minuten nämlich selbst.

Aus der Hölle geht es bald wieder zurück in den Alltag. Denn Hentke hat noch längst nicht genug von der Elbeschwimmhalle und dem Wanderzirkus von Becken zu Becken durch die Welt. Hentke greift ab Mitte September langsam, aber sicher die Ziele der neuen Saison an. „Natürlich möchte ich bei der WM eine Medaille gewinnen, aber vorrangig ist für mich, dass ich wieder an meinen deutschen Rekord heranschwimme und in allem stabiler werde.“

Sie will das Vertrauen in ihre Leistung und ihre Taktik zurückgewinnen, sie will sich in der Technik steigern. Hentke wird alles im November austesten, dann ist Kurzbahn-Weltcup in Tokio. Und vermutlich wird sie zudem an Veranstaltungen auf der langen Bahn in Japan teilnehmen, um sich mit jenen Damen zu messen, die ihr sonst allenfalls bei einer WM oder Olympia begegnen.

Etwas Gutes hatte indes die Saison auch. Vor allem die EM. Nämlich die Erkenntnis, dass zwar in Europa neue und junge Damen auftauchen, für die aber keine Spitzenzeiten gestoppt werden. Gold gewann Boglarka Kapas (Ungarn) in 2:07,13 Minuten. „Das ist nicht schnell“, weiß Hentke. Das ist nicht ihr Niveau. Aber genau das will sie alsbald wieder erreichen.