Wieder unter Norm

Franziska Hentke vom SCM ist erneut unter der WM-Norm geblieben. Die 29-Jährige gewann am Freitag zeitgleich mit Katinka Hosszu (Ungarn) über 200 Meter Schmetterling in 2:08,08 Minuten. Auch David Thomasberger hat die WM-Norm über diese Distanz geknackt: Er gewann in neuer Bestzeit von 1:56,01 Minuten. Florian Wellbrock (SCM) setzte sich über 1500 Meter Freistil in ganz starken 14:44,80 Minuten durch.(dh)

Magdeburg l Die Organisatoren des Swim Festivals in Bergen (Norwegen) bieten für die Freunde der Statistik einen besonderen Service. Auf der Meldeliste zu jedem Wettkampf werden als nützliche Zusatzinformationen der aktuelle Weltrekord sowie der Veranstaltungsrekord in der Alexander Dale Oen Arena notiert.

Dass über die 800 Meter Freistil ausgerechnet Katie Ledecky (USA) mit 8:04,79 und Sarah Köhler aus der Trainingsgruppe des SCM mit 8:20,53 Minuten jene Posten besetzen, ist ein schöner Zufall. Tatsächlich aber sind sie sich zumindest in der Wettkampfanalyse näher, als man bislang vermuten durfte.

Köhler hat ihren Meetingbestwert – zugleich ihr persönlicher Rekord – am Freitagabend zwar nicht unterboten, sie ist auch nicht an Ledeckys Weltbestzeit herangeschwommen, aber mit ihrem Sieg in 8:23,63 Minuten hat die 24-Jährige ihre zweite Norm für die WM in Gwangju (Südkorea/12. bis 28. Juli) geknackt – sechs Tage nach der Qualifikation über die 1500 Meter (16:08,43) beim „Gothaer and friends“-Pokal in der Elbehalle.

Manchmal fehlt die Geduld

In Bergen wird die Erleichterung bei Köhler weit größer gewesen sein als in Magdeburg. Denn in Magdeburg „war die Norm die Hauptsache“ – aber der Formknoten noch nicht endgültig geplatzt. Nicht allein, weil die Erholung fehlte. „Ich kann noch nicht einschätzen, wie ich das Training nach der Umstellung im Wettkampf umsetzen kann“, sagt sie.

Köhler fehlt zuweilen noch das Vertrauen in ihre Leistungen aus den Einheiten, in denen die Frankfurterin seit August 2018 von Trainer Bernd Berkhahn angeleitet wird. Und Köhler fehlt zuweilen die Geduld. „Geduld“, erklärt sie lächelnd, „ist nicht meine Stärke.“

Lange und harte Serien

Das neue Training zeigt sich nicht zuletzt in den Umfängen. Wie zuletzt im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien), als sie zwischenzeitlich mit 39 Grad Fieber und Magen-Darm-Virus komplett ausgefallen war und zugleich um vier Kilo Körpergewicht erleichtert wurde, dann aber eine 95- und eine 96-Kilometer-Woche hinterherschob. „Ich habe in den sieben Jahren zuvor in Heidelberg in einer Woche nie so viel trainiert wie bei Bernd“, erklärt Köhler. „Wir haben auch gleich nach der Rückkehr aus der Höhe viel mehr Intensitäten gemacht“, ergänzt sie. „Die Serien sind jetzt länger und härter, ich schwimme mit Rob Muffels oder Marcus Herwig mit.“ Der Effekt: Ihre Grundlagen haben sich verbessert. „Ich kann inzwischen leichter Zeiten schwimmen, für die ich früher richtig hart arbeiten musste.“

Und ist diese Basis erst einmal geschaffen, kommt die 22-jährige Ledecky, Weltmeisterin und Olympiasiegerin über 200, 400 und 800 Meter, ins Spiel. „Wir orientieren uns an ihrer Technik, an ihrer Frequenz, mit wie viel Tempo sie aus den Wenden kommt“, erzählt Köhler. Zudem arbeitet sie daran, auf den letzten Metern zur Wende die Geschwindigkeit hochzuhalten, um im Fluss zu bleiben. In der Vergangenheit hatte sie das Tempo allzu sehr gedrosselt.

Noch keine Ziele für die WM gesetzt

Über ihre Ziele in Gwangju mag Köhler indes noch nicht philosophieren: „Prinzipiell sagt man: Der Wechsel in eine neue Trainingsgruppe bringt sportlich erst einmal einen Rückschritt. Mal sehen, was bis zum Sommer passiert.“

Am Freitagabend in Bergen ist viel passiert. Viel Gutes mit dem Blick auf Gwangju. Und Sarah Köhler möchte diese Erkenntnis an diesem Sonntag gerne erweitern: mit der WM-Norm über 400 Meter Freistil.