Magdeburg l Im Grunde genommen hat Steffen Bernhardt eine Familientradition nicht nur in der heimischen Küche, sondern auch als aktiver Pendler fortgesetzt. Bereits sein Opa hatte eine Modelleisenbahn in seiner Wohnung zwischen Herd und Tisch zu stehen, bei Bernhardt ist es nun genauso. „Das ist nun mal der größte Raum in meiner Wohnung“, sagt er lächelnd. Doch als er vor 24 Jahren aus Magdeburg auszog, um für den Deutschen Schwimmverband (DSV) in Kassel zu arbeiten, gehörte auch das Eisenbahnoriginal zu seinem Lebensstandard. Denn Magdeburg hielt er in diesen Jahren – zumindest zeitweise – die Treue.

Nun ist er endgültig zurück in seiner Heimatstadt, in der er vor 52 Jahren und sechs Monaten geboren wurde. In der er als Vierjähriger erstmals ins Becken gesprungen ist, um dann die erste, zweite und dritte Schwimmstufe inklusive Kopfsprung zu absolvieren. Für die er als Rückenspezialist bei Motor Südost Bezirksmeister wurde und an den DDR-Meisterschaften der Betriebssportgemeinschaften teilnahm. Aber er kehrt nicht als Schwimmer zu seinen Wurzeln zurück – sondern als Bundesstützpunktleiter. Sein Arbeitsbeginn ist am 1. Mai.

Die Wehmut nach so langer Zeit beim DSV hat er inzwischen hinter sich gelassen. Auch wenn Bernhardt sagt: „Natürlich ist es ein zwiespältiges Gefühl, einerseits wirft man die Erinnerungen an die 24 Jahre in Kassel, wo ich in einem Apartment gewohnt habe, nicht einfach weg.“ Aber auf der anderen Seite steigt Bernhardt „mit einer hohen Motivation in die neue Aufgabe ein“, betont er, „weil wir hier die stärkste Trainingsgruppe und auch den stärksten Bundesstützpunkt in Deutschland haben. Deshalb hat mich der Posten schon sehr gereizt.“ Neben gewonnenen Titeln und Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften halten Franziska Hentke, Sarah Köhler, Aliena Schmidtke und Florian Wellbrock gemeinsam sechs nationale Langbahn-Rekorde.

Und Bernhardt gibt ein hehres Ziel vor: „Magdeburg ist eine Sportstadt. Und Magdeburg war historisch gesehen immer eine Schwimm-Hochburg. Deshalb wollen wir dahinkommen, neben anderen etablierten Sportarten wieder in der ersten Liga mitzuspielen.“

Region in Form bringen

Bernd Berkhahn, DSV-Teamchef, Stützpunkttrainer sowie Coach der SCM-Athleten, ist besonders froh über die Unterstützung: „Ich erhoffe mir durch Steffen eine große Erleichterung, allein schon, weil er mir viele Sitzungen abnimmt.“ Aber nicht nur das: „Wir wollen die Region in Form bringen. Dazu gehören auch die Landesverbände Thüringen und Sachsen“, betont Berkhahn. Mit diesen wurden bereits Kooperationsverträge vereinbart, mit diesen sollen Sichtungsmaßnahmen und ein Nachwuchskonzept entwickelt werden, so Bernhardt. Ein Zentrum Mitteldeutschland also.

Das wird auch nötig sein, um langfristig das zunächst kurzfristige Ziel zu erreichen: „In erster Linie geht es darum, den Stützpunkt über 2020 hinaus zu sichern“, sagt Bernhardt. So lange ist er nämlich befristet.

Es wäre natürlich ein großes Glück für Bernhardt, wenn ein Magdeburger auch eine olympische Medaille unter seiner Ägide gewinnen würde. Ebenso hatte er das große Glück, die beiden Gold-Rennen der Britta Steffen 2008 in Peking live und in Farbe zu sehen. „Das war der absolute Höhepunkt für mich als Teammanager der deutschen Nationalmannschaft“, erklärt er. Erinnerungen werden nun des Öfteren wach, zumal sich Bernhardt in China mit Norbert Warnatzsch, Steffens damaligem Coach und heute Trainer der SCM-Athleten, ein Zimmer im olympischen Dorf teilte.

Bernhardt wird sein Büro allerdings nicht in der Elbehalle, sondern im Olympia-Stützpunkt einrichten. Weil er dort direkt mit den Stützpunktleitern der anderen Sportarten arbeitet, weil es die perfekte Schnittstelle zum Landessportbund (LSB) und zum Land ist.

Das sind die Partner, bei denen er die Interessen der Schwimmer vertreten wird, zumal er als LSB-Angestellter für alle Stützpunkte im Land zuständig ist. Er wird nun viele Gespräche führen, sich Probleme anhören, seine Aufgaben im Detail sondieren.

Darauf freut er sich spürbar. Aber nicht nur darauf. Bernhardt sagt: „Unabhängig davon ist es auch schön, wieder in der Heimat zu sein.“