Magdeburg l Yara steht durchweg für die schönen Dinge in dieser Welt. Ins Griechische übersetzt bedeutet der Name nichts Geringeres als „Frieden“. Und ins Persische übersetzt heißt Yara „Mut und Kraft“. Mit dem Mut und der Kraft einer selbstbewussten 16-Jährigen strebt Yara Hierath nun nach den höheren Zielen in Magdeburg. Die Schwimmerin ist nämlich ein Neuzugang beim SCM. Sie ist Lagen-Spezialistin, könnte aber auch auf Freistil-Strecken durchstarten. Sie will in jedem Fall zur Junioren-Europameisterschaft im nächsten Jahr nach Helsinki (Finnland). Und dies unter Anleitung von Trainer Bernd Berkhahn.

Seit zwei Jahren wollte Hierath das heimische Bremerhaven verlassen, um der Karriere einen Schub zu geben. „Die Bedingungen mit der Schule haben nicht mehr so gepasst, wie ich es gerne wollte“, sagt sie. In diesem Jahr nun stellte sie sich erst in Magdeburg vor, dann in Hamburg. Die Entscheidung fiel ihr letztlich leicht, denn erstens „hatte ich zwar einige Vorurteile gegenüber Magdeburg, aber das hat sich alles zum Positiven gedreht“. Und zweitens: „Ich wollte schon immer bei Bernd trainieren, zumal meine Mutter und er sich schon lange kennen“, berichtet Hierath. Mama Miriam hatte sie bis zuletzt bei der SGS Bremerhaven trainiert. Nun ist die Tochter erstmals ausgezogen, um selbstständig ihren Weg nach oben zu gehen.

Sie hat dann nach wenigen Trainingswochen gleich gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt. „Die ersten Tests sind exorbitant gut gewesen“, berichtet Berkhahn. So schwamm Hierath die 1500 Meter Freistil in 16:52 Minuten. Die Athletin sagt: „Das hat mich selbst überrascht, aber es hat sich gut angefühlt.“ Der Trainer sagt: „Das hat in ihrer Altersklasse hier noch keine geschafft.“

Ihr Fokus liegt aber zunächst auf Lagen. Ihre Bestzeit auf der langen Bahn steht bei 2:17,22 über 200 und bei 4:53,73 Minuten über 400 Meter – zwei und sechs Sekunden von der JEM-Norm entfernt. Ihre Spezialitäten sind Rücken und Kraul. „Delfin ist für mich bis 100 Meter auch okay“, sagt Hierath lächelnd. Nur Brustschwimmen „mag ich überhaupt nicht“, daran arbeitet sie mit Berkhahn besonders intensiv. „Ich kann vor allem aus meiner Beinarbeit viel mehr rausholen“, erklärt sie. „Und ich tauche noch zu weit nach unten, deshalb kommt zu viel Widerstand.“

Hierath hat sich in jüngster Vergangenheit bereits tapfer im Feld der Elite gewehrt, bei der deutschen Meisterschaft im Juni wurde sie Sechste über 200 Meter Lagen, bei den Kurzbahn-Titelkämpfen 2016 belegte sie Rang vier über 400 Meter. „In diesem Jahr will ich aufs Podest“, blickt sie bereits auf die Wettbewerbe vom 13. bis 17. Dezember in Berlin voraus.

Hierath geht also Schritt für Schritt, vor allem träumt sie nicht. „Natürlich habe ich große Ziele, deshalb bin ich nach Magdeburg gekommen“, sagt sie. „Aber so weit will ich nicht vorausschauen. Ich konzentriere mich erstmal auf das nächste Jahr.“ Das ist ein guter Anfang für eine selbstbewusste 16-Jährige, deren Name ja viel mehr bedeutet als Frieden, Mut und Kraft. Denn in der Sprache des südamerikanischen Indianervolkes Tupi übersetzt, ist sie eine „Wassergöttin“. Wenn das kein gutes Omen ist.