Magdeburg l Zum Bergfest sind sie in zwei Richtungen geschlichen. Die einen suchten Granada auf, 31 Kilometer vom Centro de Alto Rendimiento entfernt. Die anderen flüchteten ins riesige Einkaufszentrum, auch nur eine halbe Autostunde vom Trainingszentrum gelegen. So oder so wird es am Mittwoch ein müder Ausflug gewesen sein. So müde, wie es in den Gesichtern der SCM-Schwimmer nach dem Morgentraining zu lesen war. 80x100 Meter hatte der Coach der Magdeburger, Bernd Berkhahn, ihnen vorgegeben. Die gehen sie im Normalfall verhalten an, um dann „hintenraus zu eskalieren. Aber diesmal sind sie alle ruhig durchgeschwommen“, sagte Berkhahn lächelnd.

Kraft, Ausdauer, Athletik: Jeden Herbst legen Berkhahns Schützlinge in 2320 Metern Höhe in der Sierra Nevada die Grundlagen für die kommenden Saison. Über allem steht diesmal die Qualifikation für die Weltmeisterschaften 2019 in Gwangju (Südkorea/12. bis 28. Juli). „Ich möchte zur WM genauso viele Schwimmer schicken wie zur Europameisterschaft in diesem Jahr“, gab der 47-Jährige einen Einblick in seinen persönlichen Ausblick. Bei der EM waren immerhin sieben Magdeburger am Start.

Vier Wettkämpfe in vier Wochen

Auch Franziska Hentke. Sie springt noch im November ins neue Abenteuer. Kristiansand und Tokio heißen die Stationen, zwei Kurzbahn- sowie zwei Langbahn-Wettbewerbe, bei denen sie mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 zugleich die japanische Konkurrenz studieren kann. „Ich freue mich schon sehr auf Tokio“, sagte die 29-Jährige.

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Im Centro de Alto Rendimiento, kurz CAR, schwimmt sie 14 Kilometer täglich auf eine der sechs 50-Meter-Bahnen, für sie geht es dabei noch nicht um Intensität, sondern um Umfang. Dazu Krafttraining. Dazu eine halbe Stunde auf dem Rad oder im Laufschritt. „Die intensive Phase kommt mit meinen vier Wettkämpfen in vier Wochen“, erklärte Hentke. Aber müde genug ist auch sie nach den Einheiten. „Um 6 Uhr aufstehen, um 7 Uhr erstmals ins Becken, um 20 Uhr ist Abendbrot. Und danach fallen wir alle ins Bett“, sagte sie lächelnd.

Intensiv ist es dagegen für die Freiwasser-Athleten. Der Ernst ihrer Saison beginnt am 9. November in Abu Dhabi (Emirate), wenn Finnia Wunram, Marcus Herwig, Rob Muffels und Florian Wellbrock beim Weltcup über die zehn Kilometer zugleich ihr erstes von drei WM-Qualifikationsrennen schwimmen. „Nach einer Saison mit vielen Ausfällen absolviert Marcus ein wirklich gutes Trainingslager“, berichtete Berk- hahn über den 22-jährigen Herwig. Auch für ihn geht es nicht mehr um Grundlagen, sondern um Tempo und ums Endspurtverhalten – zuweilen in drei Einheiten am Tag mit je neun Kilometern.

Fünf neue Athleten

Daran wird der Trainer auch mit seinen Zugängen arbeiten. Gleich fünf neue Athleten zählt Berkhahn in seiner nunmehr 14-köpfigen Gruppe. Mit den beiden 18-jährigen Jasper Grünewald und Paul Gärtner fehlen in Spanien noch zwei Schützlinge. Grünewald „soll sich über die 1500 und im Freiwasser entwickeln“, Gärtner unter anderem auf den Rückenstrecken. Dabei sind bereits Sarah Köhler, die weiterhin für die SG Frankfurt startet, sowie Pia-Sophie Berndt und Charlotte Blanke.

Beide sind 16 Jahre jung. Beide trainierten zuletzt bei Marko Letz in Potsdam, der allerdings mittlerweile in den Modernen Fünfkampf gewechselt ist. Beide hatten sich im vergangenen Jahr bei Berkhahn vorgestellt. Und beide „haben einen guten Eindruck hinterlassen“.

Blanke ist mit 17:00,72 Minuten über 1500 Meter Freistil als Bestzeit nach Magdeburg gekommen, damit führte sie die deutsche Rangliste der 15-Jährigen in diesem Jahr an. „Damit lässt es sich gut arbeiten“, erklärte Berkhahn. Zudem sammelte Blanke bereits Erfahrung bei den letzten beiden Junioren-Europameisterschaften im Freiwasser.

Berndt ist Lagen- und Brustspezialistin. Bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann sie in neuer Bestzeit (4:59,03 min) die Silbermedaille über 400 Meter Lagen. Die jungen Damen, die die zehnte Klasse am Sportgymnasium besuchen, werden ihren Einstand beim North Swim Meet in Kristiansand (Norwegen) Anfang November geben.

Aber noch geht es für sie in der Sierra Nevada weiter. Für Berndt und Blanke ist es übrigens die Premiere in der spanischen Höhe. Für Hentke ist es indes der 17. Aufenthalt in der Sierra (der 30. in einem Höhentrainingslager insgesamt), weshalb sie das CAR auch ihr „zweites Wohnzimmer“ nennt. Was man vom SCM-„Schmetterling“ lernen kann: die eigene Bettdecke mitnehmen. Dann schläft es sich noch viel besser.