Magdeburg l Die Sonne hatte sich längst zur Bettruhe begeben, als Marius Zobel in die Elbehalle geschlichen kam. Er war gerade von den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Berlin zurückgekehrt. Und sein Körper hatte dem Schwimmer vom SC Magdeburg befohlen: „Schultern hängen lassen, Kopf gesenkt halten und besonders müde schauen.“ Zobel folgte den Anweisungen mühelos.

Der 19-Jährige war am vergangenen Freitag aber nicht nur den physischen Beweis seiner Anstrengungen im Europa-Sportpark angetreten, sondern auch den statistischen: Über 100 Meter Freistil schlug er in 49,27 Sekunden an, über 200 Meter als Dritter des Finals in 1:45,16 Minuten – jeweils ein persönlicher Rekord.

Zunächst war er nicht zufrieden. Doch Zobel hat gelernt, aus einer Niederlage etwas Positives mitzunehmen. „Trotz eines suboptimalen Rennens bin ich Bestzeit geschwommen“, sagt er in der Gewissheit, dass es hätte viel schneller gehen können.

Start, Wende, Armzug

„Schwimmerisch war es gut, aber die Wenden haben nicht wie erhofft funktioniert“, erklärt der 2,05-Meter-Hüne. Die Wenden nicht, der Start nicht. Dinge, die er am Freitag und Sonnabend beim Salnikow-Cup in St. Petersburg (Russland) besser machen kann. Dinge, die er aber auch im Training weiter verbessern muss – neben der Länge seines Armzuges. Dinge also, die schon im vergangenen Winter im Trainingsplan standen. Trotz seiner Bestzeiten von Berlin „ist er im letzten halben Jahr nicht mehr den großen Entwicklungsschritt gegangen wie in den Monaten zuvor“, hat sein Trainer Bernd Berkhahn festgestellt.

Zobels nächsten Schritt wird ab dem 1. Januar Norbert Warnatzsch als Assistent von Berkhahn begleiten. Der Erfolgscoach und Zobel kennen sich bereits aus den Höhentrainingslagern in der Sierra Nevanda (Spanien). Der 71-jährige Warnatzsch hat Athleten nicht nur in Einzeldisziplinen groß gemacht. Auf seine Staffelschwimmer, die Medaillen bei internationalen Höhepunkten sammelten, ist er ebenso stolz.

Und diese Erfolge machen auch Zobel neugierig. „Ich denke, dass er nicht nur mir, sondern allen mit seiner Erfahrung helfen kann“, so Zobel. So sieht es auch Berkhahn: „Marius ist auf einem sehr guten Weg, aber ich hoffe, dass wir mit Norbert noch mehr aus ihm herausholen können.“ Denn Zobel will in der neuen Langbahn-Saison zur Weltmeisterschaft im Juli nach Gwangju (Südkorea). Zumindest als Staffelschwimmer.

Bestzeit: 1:47,92 Minuten

Als dieser hat er derzeit die größten Chancen, auch zu den Sommerspielen 2020 nach Tokio zu fahren. „Ich will in jedem Fall über 200 Meter Freistil schneller schwimmen als in diesem Jahr“, blickt er auf 2019 voraus. Seit den nationalen Titelkämpfen im Juli in Berlin, seit seinem ersten Meistertitel in der Elite, steht seine Bestzeit bei 1:47,92 Minuten.

1:46 Minuten oder 106 Sekunden will er nun angreifen. Eine Zeit, die nicht viele deutsche Athleten schwimmen. Genauer: In diesem Jahr war es tatsächlich nur einer. Jacob Heidtmann (Elmshorn) erzielte bei der Europameisterschaft im August in Glasgow (Schottland) 1:46,83 Minuten. „Der nächste Leistungssprung ist enorm, deshalb muss Marius aber keine Panik haben“, so Berkhahn.

Zobel hat also alle Möglichkeiten. Er muss nur seinem Körper befehlen: „Kopf hoch, Brust raus, Augen auf.“