Handball / SCM

Jurecki warnt SCM vor Plock

Für die SCM-Handballer steht am Pfingstwochenende mit dem Final Four in der European Handball League das große Saison-Highlight an. Im Halbfinale wartet Wisla Plock, eine Mannschaft aus Polen, die SCM-Legende Bartosz Jurecki sehr gut kennt.

Von René Miller
Im Mai 2020 rückte Bartosz Jurecki in den Trainerstab der polnischen Nationalmannschaft auf. Hier sitzt er beim 27:26-Sieg in der EM-Qualifikation vor drei Wochen gegen Slowenien als Co-Trainer auf der Bank und sorgt mit seinem sympathischen Lächeln  für gute Laune bei den Spielern.
Im Mai 2020 rückte Bartosz Jurecki in den Trainerstab der polnischen Nationalmannschaft auf. Hier sitzt er beim 27:26-Sieg in der EM-Qualifikation vor drei Wochen gegen Slowenien als Co-Trainer auf der Bank und sorgt mit seinem sympathischen Lächeln für gute Laune bei den Spielern. Foto: imago images

Magdeburg l Bei Wisla wird das l zum w und bei Plock auch noch das c zum tz – so wird der Gegner des SC Magdeburg im Halbfinale des Final-Four-Turniers der European Handball League am Sonnabend in Mannheim (18 Uhr, DAZN) auf Polnisch korrekt ausgesprochen. Für Bartosz Jurecki ist das „Wiswa Pwotzk“ natürlich kein Problem. Und die SCM-Legende freut sich auch schon riesig darauf, wenn seine Magdeburger auf ein Team aus seiner Heimat treffen. „Unentschieden“, sagt der 42-Jährige deshalb laut lachend auf die Frage nach einem Tipp – wohl wissend, dass dann notfalls vom Siebenmeterpunkt eine Entscheidung fallen müsste.

Zwei Herzen in der Brust

Für Jurecki schlagen bei so einem Duell nun einmal zwei Herzen in seiner Brust. „Der SCM war und bleibt mein Verein. Aber Wisla Plock ist ein Team aus meinem Heimatland. Und für den polnischen Handball ist es wichtig, international erfolgreich zu sein. Deshalb muss ich da schon neutral bleiben“, erklärt der frühere Kreisläufer, dessen Trikot mit der Nummer 31 einen Ehrenplatz unter dem Dach der Getec-Arena hat. Mit seinen 702 Toren in 242 Bundesligaspielen hat Jurecki von 2006 bis 2015 das Spiel der Grün-Roten geprägt.

Jurecki: „Über das Internet und auch gelegentlich im Fernsehen verfolge ich meinen SCM natürlich weiterhin. Da hat Bennet Wiegert gute Arbeit geleistet und ein richtig gutes Team zusammengestellt. Was die Jungs für ein Tempo machen, ist beeindruckend. Auch die individuelle Klasse ist top. Marko Bezjak, Christian O’Sullivan, Omar Ingi Magnusson und und und – da sind unglaublich viele gute Spieler im Kader.“

Nationaltorwart zwischen den Pfosten

Und wie stark ist Wisla Plock? Viele Fans sehen den SCM ja schon so gut wie im Finale. „Vor solchen Einschätzungen kann ich nur warnen. Denn ich sehe Wisla Plock durchaus auf einem ähnlichen Niveau. Die wollen unbedingt diesen Titel gewinnen und zeigen, dass sie auch das Niveau haben, um Champions League zu spielen. Als Bundesligist ist der SCM zwar Favorit. Aber die Magdeburger erwartet ein schweres Spiel, bei dem sie ans Optimum gehen müssen“, weiß Jurecki, der in der polnischen Super League das Team von Piotrkowianin Piotrków Trybunalski trainiert und dabei erst vor knapp vier Wochen gegen Plock gespielt hat. Die Partie endete 23:29.

Besonders warnt Jurecki, der mit Polen 2007 Vizeweltmeister wurde, vor dem Spanier Niko Mindegia. Jurecki: „Das ist der absolute Playmaker im Team. Er bedient sehr gut den Kreis, spielt gute Pässe, wirft aber auch selbst Tore.“ Auch im Tor ist Plock gut besetzt. Jurecki: „Wie gut Adam Morawski ist, konnten die deutschen Fans bei der letzten WM sehen. Da stand er beim 23:23 im Tor. Mit Michal Daszek hat Wisla einen weiteren guten polnischen Spieler. Der spielt normalerweise auf Rechtsaußen, wird aber aktuell im rechten Rückraum eingesetzt. Er hat einen sehr guten Wurf und ist auch stark im Eins-gegen-Eins.“ Und das ist nicht die einzige Gefahr, die den Magdeburgern aus der Distanz droht. Jurecki: „Im linken Rückraum spielt mit Zoltan Szita ein Ungar. Der macht viele Tore aus zehn Metern und war ebenfalls bei der WM sehr auffällig.“

Wisla mit starker Abwehr

Auffällig ist auch, dass Plock im laufenden Euro-Wettbewerb bisher wenige Gegentore kassiert hat. In den zehn Gruppenspielen und der K.o.-Runde waren es durchschnittlich nur 25 Gegentreffer. Jurecki: „Die Abwehr ist sehr aggressiv und steht kompakt. Da wird es für den SCM wichtig sein, richtig ins Tempospiel und in die Eins-gegen-Eins-Duelle zu kommen.“

Dass am Wochenende keine Zuschauer in die Halle dürfen, bedauert Jurecki sehr. „Was die SCM-Fans bewegen können, habe ich viele Jahre selbst erlebt. Deshalb wird es Zeit, dass die Zuschauer wieder in die Hallen dürfen. Sonst ist das wie Sparring. Auch für uns als Trainer sind die leeren Hallen komisch. Man muss immer aufpassen, was man sagt. So habe ich bei unserem Spiel in Plock mit nicht so schönen Worten auf den Schiedsrichter geschimpft. Der kam dann zu mir und gab mir den Tipp, dass ich das doch bitte unterlassen soll, weil man das alles in einer leeren Halle genau hören kann“, erinnert sich Jurecki, der auch Co-Trainer der polnischen Nationalmannschaft ist.

Mit seinem Klub steht er in der Liga aktuell nur auf dem letzten Tabellenplatz und kämpft um den Klassenerhalt. Jurecki: „Wir hatten viele Verletzungssorgen, sind aber sehr optimistisch, noch Vorletzter zu werden. Dann könnten wir in einer Relegation die Klasse halten.“