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Olympische Winterspiele Straßers Abrechnung mit Olympia in Bormio: „Für'n Arsch“

Linus Straßer hat beim olympischen Slalom keine Chance auf einen Podestplatz. Nach dem Rennen zieht er ein Resümee der Spiele - und findet kein gutes Haar an Olympia 2026.

Von Manuel Schwarz, dpa Aktualisiert: 16.02.2026, 16:05
Linus Straßer nach seinem letzten Olympia-Rennen.
Linus Straßer nach seinem letzten Olympia-Rennen. Michael Kappeler/dpa

Bormio - Der neunte Platz im Slalom und das verpasste Happy End seiner Olympia-Karriere schienen Linus Straßer sportlich kaum zu interessieren. Der Routinier verließ noch während des finalen Torlaufs das Zielstadion und fällte ein vernichtendes Fazit über die Winterspiele in Mailand und Cortina mit ihrem Ski-Ableger in Bormio. „Es ist für'n Arsch. Sagen wir, wie es ist.“

Und damit meinte der 33-Jährige nicht den Slalom als Abschluss der Männer-Wettkämpfe von Bormio. Diesen gewann Loic Meillard aus der Schweiz vor dem Österreicher Fabio Gstrein und Henrik Kristoffersen aus Norwegen. Der Eidgenosse holte seine dritte Medaille und unterstrich nach WM-Gold vor einem Jahr, dass er im Torlauf derzeit der Mann für die wichtigen Rennen ist.

Straßer kritisiert Olympia als „steriles Ding“

Rivale Straßer hatte aber schon lange vor dem teils chaotischen und Schneefall geprägten Wettkampf erkannt, dass dieses Rennen kein Höhepunkt seiner Karriere sein wird. Mit Tribünen in großer Entfernung und einer Trennung der Athleten von den Fans und Freunden sei Olympia deutlich weniger emotional als etwa die Weltcup-Klassiker von Kitzbühel, Adelboden oder Schladming. „Das willst du doch erleben und nicht so ein steriles Ding“, sagte Straßer. 

In Bormio, wo bei diesen auf ganz Norditalien verteilten Winterspielen nur die alpinen Ski-Männer - und erst nach deren Abreise die Skibergsteiger - im Einsatz waren, sei kein olympisches Flair oder Miteinander zu spüren gewesen.

Menschen verbinden? „Container neben dem Friedhof“

Das hatte Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbandes sowie erfahrener Trainer und Funktionär, auch bemängelt. „Bei der Eröffnungsfeier hat man gezeigt, wie man die olympischen Ringe zusammenführt und wie man Menschen verbindet über den Sport“, sagte er. „Und jetzt sind wir hier in der Enklave und die Container stehen knapp neben dem Friedhof.“ Das Zielstadion, daneben die Presse- und Funktionärszelte sowie weitere Technik-Container wurden in Bormio tatsächlich direkt neben einem Friedhof aufgebaut.

In just jene Richtung lief Straßer mit den Skiern über der Schulter, um nach dem Rennen seine Frau, die beiden Kinder und andere Verwandte und Freunde zu treffen. Als er kurz davor über die Ziellinie gefahren war, warteten diese etwa nicht in Sichtweite, sondern waren irgendwo im Pulk mit anderen Fans neben der Strecke. Wo genau, das konnte Straßer nicht sagen. 

Straßer-Rückblick: „Peking gar nicht so schlecht“

Der Athlet des TSV 1860 München fällte auch deswegen ein bemerkenswertes Resümee. „Bormio zeigt mir eigentlich, dass Peking gar nicht so schlecht war“, sagte er. „Das zwar mit Corona, das war ein bisschen anstrengend alles, aber wir waren in einem olympischen Dorf, Eiskanal-Athleten waren dabei, es war ein Riesen-Speisesaal, es war ein Miteinander.“ 2022 in China waren wegen der Pandemie keine Zuschauer zugelassen. Doch selbst das sei im Vergleich mit Bormio - in einer Wintersport-Kernregion - nicht so schlimm gewesen.

Dass die Skirennfahrer in Bormio sogar von den mehr als fünf Autostunden entfernten Skirennfahrerinnen in Cortina getrennt waren, wurmte Straßer. „Wie gern hätte ich mit der Emma die Medaille gefeiert“, haderte Straßer mit Verweis auf die Silbermedaille der derzeit besten deutschen Alpin-Athletin in der Abfahrt. „Mit der einmal anstoßen, das wäre cool gewesen.“

Keine emotionale Geste für Weggefährte Ginnis

Man merkte Straßer bei seinen Analysen an, dass er einfach nur weg wollte aus Bormio. Schon im ersten Durchgang hatte er sich Straßer über die Olympia-Organisation geärgert, als ihm verboten wurde, im Ziel seinen guten Freund AJ Ginnis nach dessen letztem Rennen gebührend zu empfangen. „Das ist typisch Olympia, oder?“, sagte er. „Lasst doch einmal irgendwas... aber gut, alles für die Show, für die sterile.“

Im Skirennsport ist es Usus, dass Athleten nach ihren letzten Fahrten im Ziel von Weggefährten in Empfang genommen werden. „Nicht würdig“ gegenüber den Sportlern sei solch ein Verhalten der Olympia-Macher, kritisierte Straßer. 

Deutsche Medaillenflaute seit 1994 hält an

Durch die verpasste Medaille - Straßer fehlte mehr als eine Sekunde auf Platz drei - hält die Durststrecke deutscher Ski-Männer bei Olympia an. Markus Wasmeiers Doppel-Gold 1994 waren die bis dato letzten Medaillen eines männlichen deutschen Skirennfahrers bei Winterspielen. Aber auch solch eine Statistik war Linus Straßer an diesem Montag herzlich egal.