Halle l Zwischen lärmenden VIP-Gästen musste Dominic Bösel am Sonnabend zu mitternächtlicher Stunde in der Hallenser Erdgas-Arena noch einmal seinen EM-Kampf erklären. Weil dabei auch noch die Tonanlage dem Event nicht gewachsen war, holperten die Sätze des 29-Jährigen in etwa durch den Raum wie vorher seine Taktik beim Sieg gegen Timy Shala.

K.o. in Runde acht

Bösel hatte den Kampf zwar vorzeitig in der achten Runde durch technischen K.o. beendet, hätte den Kosovo-Albaner aber schon viel früher ausknocken können. „Besonders gut geboxt habe ich nicht“, gab sich sogar Bösel selbst sehr selbstkritisch.

WM-Plan in der Schublade

Trotzdem bekam Ulf Stein-forth das Lächeln kaum aus seinem Gesicht. Denn der SES-Promoter hat offenbar längst einen WM-Plan für Bösel in der Schublade. „Er hat sich eine WM-Chance verdient. Verraten kann ich noch nichts. Aber wir werden demnächst etwas Interessantes verkünden“, erklärte Steinforth. Auch Bösel selbst und sein Trainer Dirk Dzemski kamen angesprochen auf einen WM-Kampf ins Schmunzeln, wichen aber einer konkreten Antwort aus. Man musste also kein Gedankenleser sein, um zu wissen, dass für Bösel schon bald ein großer Kampf ansteht.

Training statt Urlaub

Dafür spricht auch ein weiteres Indiz. Normalerweise fliegen Boxer nach ihren Kämpfen gerne in den Urlaub, um sich zu erholen. Der Freyburger hat aber andere Pläne. „Ich ziehe jetzt durch. Schon am Montag beginne ich wieder mit dem Training. Ich habe endlich mal keine körperlichen Probleme. Das will ich nutzen“, verriet der 29-Jährige nach seinem Kampf.

Nach zwei Operationen endlich fit

Seit einem Jahr ist Bösel ja vom Verletzungspech verfolgt. Im letzten Sommer musste er sich an der Achillessehne operieren lassen und deshalb den Kampf gegen Enrico Kölling von Juni auf Oktober verschieben. Dann folgte im November eine Operation an der Schulter. Bösel: „Konstantes Training war deshalb kaum möglich.“ Sieht auch Trainer Dirk Dzemski so: „Er hat körperlich viel nachzuholen. Im Fitnessbereich fehlen da bestimmt noch 20 Prozent. Auch die Beinarbeit muss er weiter verbessern.“

Kritik vom Trainer

Nicht die einzige Kritik, die Dzemski bei der Auswertung des Kampfes seinem Schützling für künftige Aufgaben mit auf den Weg geben wird. „Er hat sich in vielen Sachen verbessert, wie Beweglichkeit und Koordination. Aber er war taktisch nicht clever.“

Damit meinte Dzemski vor allem die vierte Runde, als er Shala munter auf seine Deckung schlagen ließ. Bösel: „Er sollte sich müde boxen. Das ging ja im Nachhinein auf. Aber ich weiß natürlich, was der Trainer meint.“

Neuer Gegner über Nacht

Auch Bösels Vater konnte Dzemskis Kritik verstehen. „Wir wollen auf eine andere Stufe kommen. Da kann sich Dominic solche Ruhephasen im Ring nicht leisten“, sagte Bernd Bösel. Und Dzemski ergänzte: „Wenn er gegen die Top-Leute der Welt stehen bleibt, hauen die durch seine Deckung durch. Da muss er immer in Bewegung sein. Aber das weiß er selbst. Und es war ja auch nicht so einfach, sich über Nacht auf einen neuen Gegner einstellen zu müssen.“

Ursprünglich war der Kampf nämlich gegen den Italiener Orial Kolaj angesetzt. Aber der meldete sich plötzlich mit Rippenbeschwerden ab. Bösel: „Kurz vor Mitternacht habe ich Freitag vom neuen Gegner erfahren und mir noch schnell ein paar Videos von ihm angeschaut. Mit 30 Profikämpfen hat man auch genug Erfahrung für solche Situationen.“