Magdeburg l Der Boxer schlägt und der Trainer kommt ins Staunen. Bis zu 430 Kilogramm werden gemessen, wenn die rechte Faust von Adam Deines auf das Polster des Messgerätes kracht. „Mit dieser Schlagkraft muss er sich selbst hinter Schwergewichtlern nicht verstecken“, lobt SES-Trainer Dirk Dzemski seinen Schützling.

Niederlage sitzt tief

Doch bei solchen Vergleichen ist auch die Erinnerung an den Juni 2019 wieder da. Da hatte Deines im Duell mit dem Chinesen Meng Fanlong die große Chance auf das Ticket für einen WM-Kampf – und warf es im fernen Macau förmlich weg. In Runde acht war sein Gegner sogar am Ringboden, aber Deines blieb selbst da wie in den Runden zuvor gehemmt. Deines: „Dass ich da versagt habe, werde ich nie vergessen.“

Schließlich wäre das auch der Schlüssel zur ersten Mega-Börse seiner Karriere gewesen. Für Fanlong sollen beim Ende März ausgefallenen WM-Duell gegen IBF-Champion Artur Beterbijew rund 1,9 Millionen Euro im Gespräch gewesen sein. Deines: „Allein dadurch tut die Niederlage noch mal richtig weh. Aber trotzdem darf ich nur nach vorne schauen.“

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Schlagkraft wie ein Schwergewichtler

Wenn er nicht mit seinen Söhnen Devin (3) und Aron (14 Monate) lange Fahrradtouren macht, dann schwitzt er bei Liegestützen und anderen Übungen in seinem Häuschen bei Gifhorn. Und weil Tatzentraining aufgrund der Abstandsregelung derzeit verboten ist, arbeitet Deines anderweitig an seiner Schlagkraft und Technik. Deines: „Ich bin präziser geworden. Das ist auch ganz wichtig. Denn für meine zweite Chance will ich bereit sein und werde dann auch alles geben.“

Ohne die Corona-Pandemie wäre es für den in Sibirien geborenen Boxer in gut zwei Wochen zumindest schon mal wieder um einen Titel gegangen. Da stand in Riesa gegen den Franzosen Nadjib Mohammedi ein Duell um den Interconti-Titel der IBF auf dem Plan. Doch der von SES-Promoter Ulf Steinforth geplante Kampfabend fällt ja leider aus.

Kein Problem mit Geisterkämpfen

„Schade, denn gegen diesen Gegner hätte ich zeigen können, dass ich aus der Niederlage im letzten Sommer gelernt habe“, so Deines, der kein Problem hätte, demnächst auch erst einmal ohne Zuschauer in den Ring zu klettern. Deines: „Es wird wohl kaum eine andere Alternative geben. Außerdem muss ich bis zum September noch mal geboxt haben, weil ich sonst Probleme mit der Rangliste bekomme.“

September deshalb, weil er da vor einem Jahr seinen letzten Fight bestritten hatte. Nach nur 54 Sekunden der zweiten Runde schlug er den Ukrainer Yevgenii Makhteienko K.o. Ein Sieg, der dem 29-Jährigen zwar wieder ein W für seinen Kampfrekord brachte, aber gewiss nicht überzubewerten ist.

Rückschläge gehören dazu

„Adam wird zurückkommen. Da bin ich mir ganz sicher. Er macht eine gute Entwicklung und weiß, dass er kein zweites Mal so eine Chance liegen lassen darf“, sagt Dzemski. Auf psychologische Hilfe haben die beiden aber verzichtet. Dzemski: „Wir haben diese Niederlage selbst aufgearbeitet. Als Boxtrainer muss ich schließlich auch in bestimmten Situationen ein Psychologe sein. Außerdem weiß er selbst, dass er nicht hundert Prozent gegeben hat. Doch diese Erfahrungen haben alle Boxer schon einmal gemacht. Auf dem Weg nach oben brauchst du auch mal eine schlimme Erfahrung.“

So wie Dominic Bösel mit der Niederlage gegen Karo Murat. Was kann Deines von seinem Stallkollegen lernen? Dzemski: „Kein Überraschungsei mehr zu sein, sondern im entscheidenden Moment zu liefern. Und die Schlaghärte auch in der richtigen Situation clever einzusetzen.“