Magdeburg/Halle l Der Tagesplan von Dirk Dzemski hat auch in der Corona-Krise feste Strukturen. „Ich muss täglich nach Halle fahren, um mich an meinem rechten Knie behandeln zu lassen“, erzählt der Box-Trainer aus dem SES-Stall. Verletzt hatte er sich ausgerechnet bei einer der letzten Trainingseinheiten vor dem für den 28. März geplanten WM-Kampf von Dominic Bösel. Dzemski: „Da habe ich mir das Knie unglücklich verdreht und habe seitdem Schmerzen. Gerissen ist zwar zum Glück nichts. Aber wahrscheinlich komme ich um eine Arthroskopie nicht herum.“

Boxer arbeiten ihre Trainingspläne ab

Weil auch die Boxer nicht in die Trainingshallen dürfen, ist an gemeinsames Training mit seinen Schützlingen eh nicht zu denken. So kann der 47-Jährige die Verletzung in Ruhe auskurieren. Dzemski: „Meine Jungs haben alle Trainingspläne bekommen. Und ich kann mich da eigentlich auch darauf verlassen, dass jeder sich daran hält.“ Im Gegensatz zu den Mannschaftssportarten sind es die Boxer ja auch gewohnt, sich regelmäßig alleine zu schinden. Dzemski: „Wir laufen ja nicht in großen Gruppen durch die Gegend. Bei uns müssen sich auch nicht ganze Mannschaftsteile taktisch abstimmen. Insofern ist es derzeit schon von Vorteil, dass Boxen eine Einzelsportart ist. Dominic Bösel beispielsweise macht auch sonst viele Sachen in Freyburg oder Leipzig ohne mich.“

Trotzdem wird alles von Dzemski genau notiert. Das SES-Urgestein kann heute noch genau sagen, welcher Boxer vor vielen Jahren was in den Trainingseinheiten gemacht hat. Dzemski: „Darüber habe ich genau Buch geführt und habe jetzt auch endlich mal die Zeit, das alles ein bisschen zu ordnen und auch mal nachzuschauen, was wir damals so alles gemacht haben.“

Kampf von 2011 ärgert Dzemski immer noch

Und wenn Dzemski sein Knie kühlt, schiebt er auch mal die eine oder andere DVD in den Recorder und schaut sich frühere Kämpfe an. Dzemski: „Zuletzt habe ich mir das Duell von Jan Zaveck gegen Andre Berto aus dem Jahr 2011 angeschaut und mich noch einmal geärgert, dass ich da einen taktischen Fehler gemacht habe. Ich hätte Jan weiter schicken sollen, habe aber vor der fünften Runde gesagt, er soll eine Runde lang mal den Dampf rausnehmen. Und genau in der Runde bekam er einen so schlimmen Kopfstoß, woraufhin der Kampf abgebrochen werden musste. Weil der US-Amerikaner bis dahin nach Punkten vorne lag, war der WM-Titel im Weltergewicht weg.“

Corona-Pause sorgt für finanzielle Probleme

Wenn Dzemski so erzählt, würde er am liebsten schon am Wochenende wieder in der Ecke stehen. Dzemski: „Man darf auch nicht vergessen, dass wir alle nicht fest angestellt, sondern selbständig sind. Wir schreiben Rechnungen fürs Training und bekommen bei Kämpfern Anteile der Börsen. Das fällt jetzt alles weg und sorgt auch für finanzielle Probleme, weil bestimmte Kosten ja weiterlaufen. Denn dicke Rücklagen haben die wenigsten Boxer. Deshalb wäre es schon schön, wenn es bald wieder los geht.“ Und gerade der ausgefallene Kampf von Bösel gegen Zac Dunn hätte sich allein durch die Übertragung in der ARD finanziell gelohnt.

Mögliche „Geister-Kämpfe“ kann sich Dzemski allerdings schwer vorstellen. Dzemski: „Klar kann man einen Ring in eine leere Halle stellen und den Kampf im Fernsehen übertragen. Aber zum Boxen gehört doch ein gewisses Flair. Wenn du mit einem Schlag triffst, dann willst du die Fans jubeln hören. Nur dann kann man sich im Ring auch richtig pushen. Außerdem würde da auch ein Heimvorteil wegfallen.“