Magdeburg l Ulli Kaden nippt an seiner Kaffeetasse und lacht. Denn an sein erstes Duell mit dem legendären kubanischen Boxer Teófilo Stevenson kann er sich erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre. „Als 18-Jähriger durfte ich damals bei einem Turnier in Usti nad Labem ran. Kaum angekommen, hat man mir gesagt, dass nur noch ein anderer aus meiner Gewichtsklasse angereist ist. Der Teófilo aus Kuba“, erinnert sich Kaden.

Stevenson kletterte als Weltmeister und Doppel-Olympiasieger der damals bei den Amateuren Superschwergewicht genannten Klasse in den Ring. „Da habe ich natürlich ordentlich Lehrgeld gezahlt. Mit so jungen Jahren hat man in dieser Gewichtsklasse auch kaum eine Chance.“

Kaden ist neu bei SES

Doch wer in seiner Karriere viel gelernt hat, kann es später auch weitergeben. Kaden hat jüngst als Trainer angeheuert beim Magdeburger Profiboxstall SES. Kommende Woche betreut er erstmals Tom Schwarz im Ring. Der soll von Kaden großen Erfahrungsschatz profitieren. Ein Erfahrungsschatz, den er sich unter anderem in den Duellen mit Stevenson geholt hat.

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Die 2012 im Alter von 60 Jahren verstorbene kubanische Box-Legende traf Kaden nämlich noch einige Male wieder – und er besiegte sie auch. Unvergessen ist vor allem der Triumph beim Chemiepokal 1986. „Insgesamt habe ich Teófilo dreimal schlagen können. Aber den wichtigsten Kampf, den bei der WM 1986, verlor ich leider nach Punkten.“

Kampf gegen Lennox Lewis

Zwei Jahre später war Kaden bei den Olympischen Spielen in Seoul dabei. „Da wurde ich gleich in der ersten Runde ausgerechnet Lennox Lewis zugelost. Den hatte ich zwar ein Jahr zuvor beim Weltcup geschlagen. Aber bei Olympia habe ich verloren. Und Lewis holte sich Gold. Schade, denn diesen Kampf hätte ich gerne erst im Finale gemacht.“

Während Lennox Lewis sich später auch noch bei den Profis die Schwergewichts-Krone aufsetzte, trat Kaden mit zwei Europameistertiteln aus den Jahren 1987 und 1989 nach der deutschen Wiedervereinigung von der ganz großen Box-Bühne ab.

Schluss nach rund 300 Kämpfen

Nachdem er mit einer Box-Staffel aus Frankfurt/Main 1992 noch mal deutscher Mannschaftsmeister wurde, flogen die Handschuhe nach rund 300 Kämpfen in 20 Jahren in die Ecke. Auch eine immer noch mögliche Profi-Karriere war kein Thema. Kaden: „Selbst zu DDR-Zeiten habe ich nie darüber nachgedacht, im Westen zu bleiben, um Profi werden zu können. Ich war zufrieden in der DDR, konnte durch meinen Sport ja oft in der Welt herumreisen. Und die Trainingsmöglichkeiten im Osten waren top.“

Als Elfjähriger fing er in Schwarzenberg bei Siegfried Beyer, dem Vater des später Supermittelgewichts-Weltmeister Markus, mit dem Boxen an. Kaden: „Ihm und unserem Verbandstrainer Günter Debert habe ich viel zu verdanken. Debert hat auch immer so ein bisschen die Hand über mich gehalten.“

Was allein schon durch Kadens Geburtsort München in der DDR nicht unwichtig war. „Meine Mutter war aus dem Erzgebirge nach München übergesiedelt und lernte dort meinen Vater kennen. Aber als es meiner Oma schlecht ging, zog sie zurück nach Schwarzenberg. Als dann die Grenzen zugemacht wurden, waren beide nicht verheiratet, mein Vater auch noch bei der Bundeswehr. So blieben meine Mutter und ich im Osten, mein Vater im Westen. Kennengelernt habe ich ihn auch später nie.“

Leben ohne Leistungssport

Dafür lernte der inzwischen 59-Jährige das normale Leben ohne Leistungssport kennen. Über einen Bekannten kam er zu einem Job als Lkw-Fahrer auf einer Baustelle in Frankfurt/Main. Kaden: „Ich hatte ja zum Glück einst für 85 DDR-Mark einen Lkw-Führerschein gemacht. Statt in den Ring kletterte ich dann morgens 6 Uhr auf den Bock. Aber das hat mir nichts ausgemacht.“

Dann verdiente er sein Geld als Mitarbeiter einer Hausverwaltung und trainierte nach ein paar Jahren Box-Pause nebenbei ein paar Jungs in einem Gym. Kaden: „Als jetzt der Anruf von SES kam, musste ich nicht lange überlegen. So eine Chance bekommt man ja nicht jeden Tag.“