Magdeburg l Am Ende seines Kampfes gegen Ilja Mezencev ging Tom Schwarz in der Magdeburger Stadthalle doch noch zu Boden. Nachdem der Gegner zu Beginn der siebten Runde aufgab, fiel der SES-Schwergewichtler auf seine Knie und donnerte mit einem langen Schrei eine Mischung aus Freude und Frust in die Nacht. „Der Druck war riesengroß“, erzählte Schwarz noch im Ring.

Viele Tiefs in der Vorbereitung

Später im VIP-Raum rechnete er auch damit ab, dass er sich nach der Niederlage gegen Tyson Fury wohl auch mit einigen falschen Freunden abgegeben hatte. „Als ich aus Las Vegas zurückkam, hatte ich viele Schulterklopfer, und ich habe auch fast immer bezahlt. Aber nur ganz wenige waren auch da, wenn ich sie gebraucht habe“, schüttete der 25-Jährige seine Seele aus. Hinzu kam die Trennung von seiner langjährigen Freundin Tessa, was auch nicht spurlos an ihm vorbeiging. „Bei dieser emotionalen Reise war durch die vielen Tiefs natürlich auch das Training nicht optimal, und ich habe meinen Coach auch zum Verzweifeln gebracht.“

Insgeheim musste sogar überlegt werden, ob man den Kampf nicht sogar besser ausfallen lässt. Auch die Einlaufmusik sagte vieles über die aktuelle Gefühlslage des Magdeburger Kämpfers. Schwarz hatte sich für den Song „Hana“ der Rapperin Loredana Zefi entschieden. „Keine Ahnung, wo die Reise hingeht“ und „Jedesmal die gleichen Szenen, kann die Neider nicht mehr sehen. Hab‘ leider keine Zeit für Hate, es muss immer weiter gehen“, heißt es da und spricht Schwarz total aus dem Herzen.

Starke Führhand

Wenn man beim Einmarsch in seine Augen sah, dann musste man aber auch Sorge haben, dass nicht die Fäuste und der Kopf, sondern die Gefühle den Kampf bestimmen und Schwarz in seinem Zorn sogar ins Verderben rennt. Aber es kam anders. Schwarz blieb ruhig, ließ sich nicht provozieren, arbeitete und punktete viel mit seiner Führhand und pendelte sogar geschickt den einen oder anderen Schlag seines Gegners aus.

Entsprechend erleichtert waren deshalb auch Trainer René Friese und Promoter Ulf Steinforth. „Ich bin froh, dass er die Ruhe bewahrt hat und nicht gleich zuviel wollte“, meinte Friese. Und Steinforth ergänzte: „Der erste richtige Kampf nach einer Niederlage ist immer schwierig. Aber das hat Tom ganz gut gemacht und ist vor allem cool geblieben.“

Mezencev gab vorzeitig auf

Durch viele harte Treffer zermürbte Schwarz seinen Gegner und erzielte Wirkung. Als Mezencev nach der sechsten Runde deutlich angeschlagen in seine Ecke wankte, wurde entschieden, kein unnötiges Risiko einzugehen und den Kampf abzubrechen.

Dass Schwarz den IBF International Championship-Gürtel mit nach Hause nehmen konnte, war zweitrangig. Wichtiger war, dass er sich in den Ranglisten nach oben gearbeitet und für den nächsten großen Kampf in Stellung gebracht hat. Schwarz: „Jeder hat eine zweite Chance verdient. Und das war der erste Schritt.“