Yeosu/Magdeburg l Nein, eine Last ist nicht von seinen Schultern gefallen. Es war einfach die pure Freude, die durch Körper und Kopf von Bernd Berkhahn drang, als erst Finnia Wunram mit WM-Platz acht und dann Florian Wellbrock mit Gold und Rob Muffels mit Bronze über die zehn Kilometer im Yeosu Ocean Park zugleich die Freiwasser-Tickets für die Olympischen Spiele 2020 sicherten. „Das Schwierigste ist doch die Qualifikation dafür, das ist der härteste Schritt“, sagte Trainer Berkhahn. Der ist nun gegangen, weshalb seine drei Schwimmer vom SC Magdeburg ihren Fokus nach der WM sogleich ganz auf Tokio legen können.

Berkhahn möchte nicht verhehlen, dass gerade vor einer Weltmeisterschaft immer auch ein bisschen Unsicherheit darüber bleibt, ob die Vorbereitung, das Training, die letzten Reize vor dem Saisonhöhepunkt fruchten würden. Die Antwort in Südkorea lautet: Sie haben gefruchtet. Bei den Magdeburgern, aber auch bei Leonie Beck aus Würzburg, die ihrem neunten Rang über zehn noch Bronze über die nichtolympischen fünf Kilometer folgen ließ. Und nicht zuletzt in der 4x1,25-Kilometer-Staffel mit Lea Boy, Sarah Köhler, Sören Meißner und Rob Muffels, die am Donnerstagmorgen zum Titel schwamm.

Muffels bringt den Sieg nach Hause

"Einfach der Hammer", jubelte die 25-jährige Köhler aus der SCM-Trainingsgruppe. "Besser hätte ich nicht in die WM starten können." In 53:58,7 Minuten siegte das deutsche Team vor Italien und den USA. Der Würzburger Meißner hatte als Führender den imaginären Staffelstab an Schlussschwimmer Muffels übergeben. Der 24-jährige Magdeburger schlug nach einem spannenden Endspurt knapp vor Gregorio Paltrinieri (Italien) und Michael Brinegar (USA) an.

"Alle vier haben einen Hammer-Job erledigt, ich bin unglaublich stolz", sagte Bundestrainer Stefan Lurz, der einmal mehr jubelte: "Die Woche ist der Wahnsinn." Nach dem medaillenlosen Auftritt vor zwei Jahren in Budapest ist Deutschland wieder Weltspitze. Zumindest im Freiwasser.

Letzter Einsatz für Wunram

Ganz so wahnsinnig waren die funf Kilometer am Vortag für Finnia Wunram nicht verlaufen, aber damit hatten sie und Coach Berkhahn auch nicht gerechnet. Beim Sieg der Brasilianerin Ana Marcela Cunha in 57:56,0 Minuten kam die 23-Jährige als 15. ins Ziel (58:12,0). Glatt 14 Sekunden fehlten Wunram zum dritten Rang, den sich Beck und Hannah Moore (USA) teilten. „Ich bin zwar nicht ganz zufrieden, aber das Ergebnis geht in Ordnung“, sagte Wunram. „Ich konnte nicht ganz das abliefern, was ich mir vorgenommen hatte.“

Berkhahn begründete: „Es ging sehr ruppig zu, sie hat viele Schläge kassiert.“ Wunram führte zwischenzeitlich sogar das Feld an, konnte letztlich aber ihr Leistungsniveau nicht ausreizen, weil die Bandagen, mit denen gegen sie gekämpft wurde, immer härter wurden.

So hart wird es für sie am Freitag nicht werden. Dann wird im Ocean Park der letzte Wettbewerb über 25 Kilometer gestartet. Und darauf lag sowieso Wunrams Konzentration. „Sie lässt nicht locker, sie bleibt sehr fokussiert“, berichtete Berkhahn, der seinem Schützling einen Platz in der Top Sechs zutraut.

Auftakt im Becken am Sonntag

Der 48-Jährige selbst wird das Rennen nicht mehr sehen. Nach dem Staffelrennen ist der Bundestrainer der Beckenschwimmer nach Gwangju aufgebrochen, wo am Sonntag um 3 Uhr (MESZ) im Nambu University Municipal Aquatics Center vor 11 000 Zuschauern die ersten Vorläufe gestartet werden.

Berkhahn wird dort alleinverantwortlich agieren, weil Teamcoach Hannes Vitense gesundheitsbedingt passen muss. Dafür hat der DSV mit Frank Embacher den Leipziger Coach nachnominiert. Der 55-Jährige wird sich mit dem Trainerteam um die Sportler kümmern.

Und womöglich wird sich Bernd Berkhahn auch in Gwangju hinsichtlich der DSV- und seiner Magdeburger Schwimmer Franziska Hentke, Florian Wellbrock, Sarah Köhler und Marius Zobel die Frage stellen, ob „man alles richtig gemacht hat“. Die Antwort steht am Ende des Tages auf der Anzeigetafel.