Magdeburg l Als kurz nach 20.30 Uhr das letzte von zehn Rennen absolviert und der Gesamtumsatz ermittelt war, ging Präsident Heinz Baltus durch die Reihen und präsentierte stolz den Zettel mit den Zahlen: „254.444,94 Euro bedeuten für uns einen neuen Rekord. Allein rund 20.000 Euro, vorrangig aus den USA, kamen aus dem Ausland. Damit hätte ich nie gerechnet.“

Insgesamt betrug beim Renntag am Freitag der Anteil von außen 219.478,44 Euro (85 Prozent), der Umsatz im Herrenkrug 34.966,50 Euro. Auch Toto-Chef Torsten Meyer geriet ins Schwärmen: „Ein Wahnsinnsergebnis, was es bestimmt die letzten 30 Jahre nicht gab!“ Nicht zuletzt aufgrund der üppigen Rennpreise – mehr als 60.000 Euro wurden ausgelobt – stand Magdeburg im Fokus des Galopprennsports.

Startmaschine streikt zu Beginn

Dabei verlief der Anfang alles andere als wunschgemäß. Denn schon vor dem ersten Rennen „streikte“ die neue für 100.000 Euro erworbene Startmaschine, die 15 statt wie das Vorgängermodell zwölf Boxen hat. Grund waren Probleme mit der Hydraulik, die zunächst noch behoben werden konnten. Beim zweiten Rennen ging dann aber nichts mehr, ein Flaggenstart musste her. Danach funktionierte die Technik zwar wieder, doch der sichtlich aufgebrachte Baltus kündigte bereits an: „Darüber ist das letzte Wort mit der Firma aus Süddeutschland noch nicht gesprochen.“ Der technische Leiter Jens Hitzeroth räumte ein: „Wir haben alle ganz schön gezittert.“ Und: „Das ist manchmal wie bei einem neuen Auto, das auch seine Kinderkrankheiten haben kann.“

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Ein weiterer bitterer Moment war im dritten Rennen ein Zwischenfall auf der Bahn, den viele der 1000 Zuschauer – wegen Corona war die Anzahl der Besucher auf 800 und die der Gäste im VIP-Zelt auf 200 begrenzt – gar nicht richtig registriert hatten.

Wallach schwer verletzt

Der achtjährige Wallach „Flirt“ mit Sarah Biessey im Sattel hatte soeben den Ausgleich IV über 2050 Meter gewonnen, als sich das Tier nach dem Zieleinlauf schwer verletzte. Das Team aus München um Trainer Werner Glanz hatte daraufhin seine Pläne geändert, in Magdeburg übernachtet und erst einen Tag später den Rückweg angetreten.

„‚Flirt‘ lebt. Ein Fesselträger am vorderen linken Bein ist gerissen. Wir haben die Stelle gegipst und werden keine Kosten und Mühen scheuen, das Pferd zu retten. Die Renn-Karriere ist natürlich beendet“, sagte Glanz gestern und hob zugleich Heinz Baltus hervor: „Ein einmaliger Einsatz! Er hat uns sofort eine Unterkunft besorgt und uns tatkräftig unterstützt. Welcher Präsident macht so etwas?“ Ohnehin war Glanz voll des Lobes: „Eine tolle Anlage. Ich war das erste Mal in Magdeburg und total begeistert. Wir haben uns richtig wohlgefühlt. Nächstes Jahr gerne wieder.“

Woodburn sorgt für Begeisterung

Für Begeisterung sorgte indes auch der Altmeister unter den Jockeys. Kevin Woodburn, zweifacher Derbygewinner, immerhin stolze 63 Jahre alt und nun bei den Amateuren am Start, setzte sich beim Lauf um die Sport-Welt-Amateur-Trophy souverän durch und feierte im Herrenkrug mit „Kölner Kimberley“ unter großem Beifall seinen mittlerweile 1513. Sieg.

Der britische Ex-Champion, lange Zeit das Maß aller Dinge im Rennsattel, blieb wie immer bescheiden: „Es war kein optimaler Start für mich, doch man muss ruhig bleiben und im richtigen Moment seine Chance nutzen. Am Ende kommt es sowieso vor allem auf ein gutes Pferd an.“ Auf die Frage, wie er sich körperlich fühlt, antwortete „Woody“: „Ich laufe jeden Tag 17 Kilometer, bin topfit.“

Fuhrmann bleibt ohne Sieg

Das Hauptrennen, den Preis der Ottostadt Magdeburg, ein Ausgleich III über 2050 Meter und dotiert mit 7200 Euro, gewann „Sporting Hunter“ mit Bauyrzhan Murzabayev.

Nicht nach Wunsch lief es dagegen für Lokal-Matador Frank Fuhrmann aus Möser, der mit zahlreichen Nennungen vor allem im Kampf um den Trainer-Champion 2020 Boden gutmachen wollte. Am Ende reichte es aber zu keinem Sieg: „Das ist ein bisschen schade, weil ich immer gerne im Herrenkrug starte und guter Dinge war. Aber ich gebe noch nicht auf“, zeigte sich der 58-Jährige kämpferisch. Fuhrmann, zu Beginn des Jahres lange Zeit ganz vorn, liegt derzeit auf Rang vier.

Das Fazit von Präsident Baltus nach einem für alle ungewöhnlichen Renntag fiel so aus: „Ich denke, es war trotz Corona eine gelungene Veranstaltung. Am Anfang ein wenig ärgerlich, auch die Verletzung war tragisch, aber unterm Strich können wir sehr zufrieden sein.“ Der zweite und gleichzeitig letzte Renntag in diesem Jahr findet am 12. September statt.