Minsk/Mgdeburg l Morgen um 2 Uhr werden Jasmin Fritz und Yul Oeltze vom SC Magdeburg mit dem Busshuttle aus dem Hotel im weißrussischen Minsk abgeholt. Es geht dann zurück in die Heimat. Und es ist Oeltze egal, ob das Flugzeug wie bei der Anreise die umständliche Strecke nach Düsseldorf über die Zwischenlandung in Wien nehmen wird. Der Canadier-Fahrer sagt: „Ich bin einfach froh, wenn ich wieder in Deutschland bin.“

Oeltze und Fritz wollen sich endlich in die langfristige Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Szeged (Ungarn/21. bis 25. August) begeben. Wollen sich die Grundlagen für den Kampf um die sechs Quotenplätze in ihrer Disziplin für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio holen, die ihnen bei der EM in Minsk noch fehlten: Oeltze im C2 über 1000 Meter mit Peter Kretschmer, Fritz im Zweier-Kajak über 500 Meter mit Steffi Kriegerstein.

Denn wenn ein vierter Platz, den beide Magdeburger gestern bei den Europameisterschaften erreichten, etwas besonders Gutes hatte, dann dieses: Fritz hat die WM-Anforderung des Deutschen Kanuverbandes (DKV) über die olympische Strecke erfüllt. Und die sah für sie vor: ein Top-Fünf-Ergebnis.

Das normale Training hat gefehlt

Diese Anforderung hatte Oeltze schon vor der EM erfüllt. Wenngleich der Weg kein leichter war. Über zwei nationale und zwei internationale Qualifikationen führte er zur WM, während die Konkurrenz in Minsk – wie die Ukraine und die Russen – auf der bisherigen Weltcup-Tour gar nicht zu sehen war. „Sie haben sich explizit auf die EM vorbereitet, uns fehlte zuletzt das normale Training“, sagte der Schützling von Detlev Hummelt. Dennoch war er natürlich hörbar enttäuscht über Blech. „Wir sind schon ein bisschen angefressen“, so Oeltze. „Aber nun ist es halt so.“

Nach 3:43,427 Minuten erreichten er und Kretschmer das Ziel – 2,508 Sekunden hinter Sieger Rumänien, 1,735 Sekunden hinter dem Zweiten Ukraine, 0,8 Sekunden hinter dem Dritten Russland. Und trotzdem resümierte der 25-Jährige: „Für uns war es ein perfektes Rennen von der ganzen Struktur her. Uns hat eben nur die Geschwindigkeit gefehlt. Und bist du auf unserem Niveau ein Prozent schlechter als deine Konkurrenz, fehlen dir am Ende auch drei Sekunden.“

Die wollen sie nun aufholen bis zur WM. In Minsk, so Oeltze, „hatten wir allenfalls Normalform. Und mit der kriegen wir nichts geschenkt.“ Die nächsten Wochen werden sie die Spitze ihrer Fitness anstreben, um in Szeged nach ihrem dritten Titel in Folge zu greifen.

Fritz erfüllt Vorgabe des DKV

Das wird auch Fritz, die 2018 WM-Bronze im K2 gewann – ebenfalls mit Kriegerstein. Ob des Abstands zur Konkurrenz in Minsk konnte sie kaum traurig sein über das verpasste Podest. Obwohl: „Die Medaillen sehen hier schon sehr cool aus“, sagte Fritz lächelnd. Aber dafür waren die beiden am Start zu defensiv, um im Endspurt zu Edelmetall zu rauschen. Und zudem: „Die Bedingungen waren schlechter als am Dienstag. Der Wind kam sehr stark von links und halb von vorn.“

Am Vortag hatten Fritz und Kriegerstein auf der Regatta-Strecke Zaslavl noch eine neue Bestzeit aufgestellt mit 1:38,942 Minuten. Im Endlauf waren sie 5,09 Sekunden langsamer und fuhren um mehr als eine halbe Sekunde an der Medaille vorbei. Es gewann Weißrussland in 1:40,888 Minuten. „Trotzdem haben wir unser Ziel erreicht und hoffen jetzt, dass wir für Szeged nominiert sind“, sagte die 23-jährige Athletin von Coach Eckhard Leue. Dann kann der Kraft- und Konditionsaufbau für den Saisonhöhepunkt endlich beginnen.