Magdeburg l Felix Gebhardt scheut keinen Weg zum Erfolg, selbst wenn dieser finanzielle Einbußen bedeutet. Gebhardt arbeitet bei der Bundesnetzagentur. Dort hat er Geräte- und System-Elektroniker gelernt, dort hat er seinen Ausbilderschein erworben, dort kümmert er sich um die Lehrlinge. Soweit er sich kümmern kann.

„Durch meine häufigen Reisen haben wir inzwischen einen Arbeitsvertrag auf Teilzeit vereinbart. Dafür kriege ich weniger Geld, habe aber die Möglichkeit, meinen Sport so professionell wie möglich zu betreiben“, sagt der Canadier-Fahrer vom SC Magdeburg. Weil er zudem nicht zum A- und B-Kader des Deutschen Kanuverbandes (DKV) gehört und damit keine Sporthilfe erhält, ist die nun reduzierte auch seine einzige Einnahmequelle.

Die Schulter schmerzt

Und Gebhardt hätte nach der ersten Qualifikation fürs Nationalteam am vergangenen Wochenende in Duisburg gerne erzählt, dass sich dieser Schritt sofort ausgezahlt hat. Hat er aber nicht. Weil ihm seine linke Schulter in die Quere gekommen war. Mit einer schmerzhaften Zerrung beim Training am Dienstag zuvor. „Ich bin dann nur laufen gegangen, um mich irgendwie fit zu halten. Ich habe versucht, das alles an mir abprallen zu lassen“, erklärt er die mentale Belastung. Er dachte: „Jetzt fahre ich nur hinterher.“

Fuhr er nicht. Er fuhr aber auch nicht voran. Er wurde Zwölfter über 200, Siebter über 250 und Neunter über 1000 Meter. „Ich habe das Beste draus gemacht“, sagt der 22-Jährige. Aber nach einer Vorbereitung ohne Ausfall entsprach das Beste nicht seinem Anspruch.

Es fehlt noch die Spritzigkeit

Nach dem jüngsten Trainingslager zuvor in Mertóla (Portugal) war die Erwartung noch eine andere. Mit Heimcoach Detlef Hummelt bastelte er an seinem technischen Manko. „Ich richte mich zu spät auf im Boot, das hat sich über Jahre eingeschlichen, ist aber schon besser geworden.“ Die Trainingszeiten gaben ihm außerdem Mut, den Schritt in den A-Kader des DKV zu gehen. Doch dann kam der Schulterschmerz. Folge: „Im Sprint fehlte mir die Spritzigkeit.“

Trotzdem will er an die Tür zum DKV-Team klopfen, für die zweite Qualifikation am letzten April-Wochenende hat er sich entsprechend viel vorgenommen im C1 über 250, 500 und 1000 Meter. „Über die lange Distanz will ich das A-Finale erreichen“, erklärt Gebhardt. Seit Donnerstag trainiert er wieder für sein Vorhaben. Sollte es dafür aber nicht reichen, dann hat sich Gebhardt die U-23-WM in Pitesti (Rumänien/1. bis 4. August) zum Ziel gesetzt. „Dort würde ich das Projekt Einer angehen“, sagt er. Oder den C2 wie in den letzten Jahren. Hauptsache eine olympische Distanz.