Magdeburg l Neulich hat Jasmin Fritz die Brücke, die Kobra, den Hund oder auch den Krieger gemacht. Eine Krankenkasse nutzte den verabredeten Yoga-Moment im Stadtpark, um einen Werbefilm zu drehen. Fritz musste nichts ablesen, sich nicht nach Schablone bewegen. Sie macht sowieso Yoga, „wenn ich gestresst oder kaputt bin, dann geht es nach 20 Minuten wieder“, erklärt sie. Ein mentaler wie körperlicher Ausgleich zur harten Trainingsarbeit, die sie täglich absolviert.

Die 22-Jährige vom SC Magdeburg ist als Kanutin womöglich recht oft ziemlich kaputt, wenn sie die Elbe nach der Einheit verlässt. Oder wenn sie gerade eine Bronzemedaille errungen hat – weinend und jubelnd zugleich. Wie bei der Europameisterschaft im Juni in Belgrad, „als es eine Weile gedauert hat, bis das Ergebnis durch war“, berichtet sie. Das Ergebnis lautete: Rang drei im Zweier-Kajak über die olympischen 500 Meter mit Steffi Kriegerstein (Dresden), zeitgleich mit Belgien. Es war ihre erste Medaille bei einem Großevent der Elite, nachdem sie in den vergangenen Jahren im K4 bei U-23-Weltmeisterschaften mit Gold und Silber geglänzt hatte. Der Deutsche Kanuverband (DKV) schrieb danach auf seiner Facebook-Seite: „Es war die überraschendste Medaille bei diesen Europameisterschaften.“

Überraschend kam der Erfolg auch für Fritz und Kriegerstein – fast jedenfalls. „Unser Vorlauf war sehr gut, deshalb hatten wir schon mit einer Medaille geliebäugelt“, sagt Fritz.

Zwei Wochen zuvor hatten sie beim Weltcup in Duisburg noch Platz fünf belegt. Nach lediglich drei gemeinsamen Trainingsfahrten im Vorfeld. „Aber wir haben uns danach von Einheit zu Einheit gesteigert“ und Fahrt aufgenommen. erklärt der Schützling von Trainer Eckhard Leue, der 2009 aus Halle zum SCM kam, um die Weltspitze zu erobern.

Alles eine Rhythmusfrage

Nun könnte der Bronzemedaille weiteres Edelmetall bei der Weltmeisterschaft in Montemor-o-Velho (Portugal/23. bis 26. August) folgen. Zumindest lautet das primäre Ziel: „Wir wollen unter den ersten Fünf mitmischen.“ Und das an jenem Ort, wo sie in der U 23 vor drei Jahren erstmals Weltmeisterin (K4) wurde.

Im derzeitigen DKV-Trainingslager in Duisburg haben sie weiter an ihren Defiziten gefeilt. „Jeder muss ein Gefühl für den Schlag des anderen bekommen. Das ist einfach eine Rhythmusfrage“, sagt Fritz, die sich mit der 25-jährigen Kriegerstein auch an Land sehr gut versteht: „Wir sind sehr ehrlich zueinander.“

Sie selbst kann sich am Start steigern, der kommt nämlich gleich einer „Lokomotive: Tschuk, Tschuk, Tschuk“, erklärt sie lächelnd. „Ich bin nicht so sprintstark. Steffi ist genau das Gegenteil.“ Und auch ihr Durchhaltevermögen kann Fritz noch verbessern. „Im EM-Finale bin ich hinten raus ziemlich krachen gegangen.“

Womöglich hat sie gleich nach der Siegerehrung Yoga gemacht. Figur: Lachende Dritte.