Magdeburg l Max Appel ließ die Handykamera durch das Zimmer gleiten, er legte den Fokus für einen kurzen Augenblick auf die Aussicht in die portugiesische Natur. Dieser Augenblick reichte, um sich ein Bild vom Wetter am Lago Azul zu malen. Alles grau in grau. Ständig Regen. Der Ruderer vom SC Magdeburg hat die vergangenen eineinhalb Wochen zumeist zwischen Tropfen und bei Tagesdunkelheit verbracht. Und natürlich im Boot.

Nach Portugal hatte es nämlich den Doppelvierer des Deutschen Ruderverbandes (DRV) verschlagen. Ins Trainingslager zur Olympia-Vorbereitung. Und das ganz planmäßig. Ebenso planmäßig hatte Appel seine vorzeitige Rückkehr aus dem Skuller-Camp gebucht. Schon morgen reist der 24-Jährige zurück nach Deutschland, allerdings nicht in die Wahlheimat Hamburg, wo seine frisch angetraute Lena auf ihn wartet. Sondern nach München, wo ihm am Freitag eine Operation am linken Knie bevorsteht. „Ich hatte seit zwei Monaten Probleme und weiß auch nicht, woher es gekommen ist. Aber die Diagnose hat ergeben, dass es sich um einen leichten Einriss im Meniskus handelt, deshalb muss ich mich dem kleinen Eingriff unterziehen. Ich kann aber schon am Sonnabend wieder das Krankenhaus verlassen“, berichtet Appel.

Rückkehr auf dem Ergometer

Krankenhaus ist auch ein ganz gutes Stichwort für den Doppelvierer, denn die Zeit am Lago Azul wurde von einigen Ausfällen begleitet. Tim Ole Naske klagte zwischenzeitlich über Schulterprobleme. Hans Gruhne und Karl Schulze mussten krankheitsbedingt passen. „Wir haben individuell trainiert, saßen aber auch im Zweier und später Vierer. Es ging ja in erster Linie darum, Kilometer zu sammeln“, erklärt Appel. Die wird er nun wieder nach Weihnachten sammeln. „Ab dem zweiten Feiertag darf ich wieder aufs Ergometer“, haben ihm die Ärzte mitgeteilt. Dann greift Appel wieder an.

Und der Angriff beginnt in Hamburg, er wird in den heimischen vier Wänden ähnliche Bedingungen auf dem Ergometer vorfinden wie auf dem See in Portugal: „Trotz des grauen Wetters hatten wir 15, 16 Grad Celsius, keinen Wind – also wirklich sehr schöne Bedingungen“, so Appel. Diese hätten vielleicht auch am zweiten Oktober-Wochenende in Poznan (Polen) auf dem Maltasee gutgetan – bei der Europameisterschaft, beim einzigen Höhepunkt des Corona-Jahres 2020.

Schlechte Laune nach der EM

Appel und Co. waren dorthin alles andere als vorbereitet gereist, der DRV hatte seinen Athleten ja noch drei Wochen Urlaub zuvor gegönnt. „Deshalb war abzusehen, dass es nichts wird mit einer Medaille“, resümiert Appel. „Dabei wäre es ein guter Zwischenschritt in Richtung Olympia gewesen.“ Eine Standortbestimmung auf dem Weg nach Tokio also. Stattdessen stand also Platz sechs für das DRV-Boot im Ergebnisbuch. Unglaubliche 16 Sekunden betrug ihr Rückstand auf Sieger Niederlande. „Wir sind zwar ins Finale gefahren, haben dort aber kein Licht gesehen“, so Appel. Das Einzige, was die EM der Crew gebracht hatte: schlechte Laune.

Gut gelaunt wollen sich die vier Skuller spätestens zum Start ins neue Jahr auf ihrem Weg nach Tokio machen. Gut gelaunt, allerdings längst nicht olympiareif. Aber in der Hauptsache gesund.