Völkermarkt/Magdeburg l Maximilian Planer jubelt immer noch mehr als alle anderen im Deutschland-Achter, er reißt noch immer nach einem Sieg die Arme hoch, um dann wieder für einen Moment den Körper nach vorne sacken zu lassen. Das hat einen Wiedererkennungswert. Aber nicht nur das: „Inzwischen ist mein Bart mein Markenzeichen“, sagt der Riemenruderer lächelnd.

Und deshalb ist der 27-Jährige vom Bernburger RC leicht zu finden im ansonsten ziemlich bartlosen Achter: Dritter von rechts in Fahrtrichtung, im „Maschinenraum“. Dort sitzt er in seiner dritten Saison, 2014 wurde er Vizeweltmeister, 2017 Weltmeister. Und 2018? „Gold ist drin“, sagt Planer. Was bei einem Mann aus einem Boot, das seit zwei Jahren ungeschlagen ist, irgendwie witzig klingt.

Aber das ist kein Witz. Denn was der Außenstehende nicht erkennt, ist die Erkenntnis Planers: „Die Konkurrenz ist in diesem Jahr wieder näher herangerückt. Sie hat unser Fahrverhalten adaptiert. Sonst waren wir schon nach 500 Metern so weit vorausgefahren, dass die anderen keine Chance mehr hatten.“ Doch nun geben auch die Gegner vom ersten Meter an Vollgas. Folge: „Es ist nicht immer so souverän, wie es aussieht.“

Damit erübrigt sich auch die Frage, ob das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bei der Weltmeisterschaft in Plovdiv (Bulgarien/9. bis 16. September) überhaupt jemanden fürchten muss. Es sind nicht alle, aber doch einige – wie die Briten, die Australier, die Niederlande. Wie die USA, die Vizeweltmeister 2017, „die keinen Weltcup bestreiten und plötzlich aus dem Nichts auftauchen“, sagt Planer. Kein Ruderer weiß, zu welcher Leistung dieses Team imstande ist.

Dass der Deutschland-Achter auch in diesem Jahr Gold holen kann, ist zugleich ein Vertrauensbonus, den Trainer Uwe Bender der Mannschaft gegeben hat. Denn die Besetzung hat sich zur Vorsaison nicht verändert. „Die Konstellation passt“, berichtet Planer und erklärt: „Uwe Bender setzt auf Harmonie in der Mannschaft, die Zusammenarbeit ist professionell und beruht auf Vertrauen.“ Bender ist der väterliche Trainer, sanft in der Ansage, hart in der Forderung. Einer, der dem Erfolg alles unterordnet. Und den der Mythos Achter zum Erfolg verpflichtet.

„Es ist schon eine Gratwanderung“, sagt Planer, der glücklich ist, ein Teil dieses vor 59 Jahren entstandenen Mythos von der Unschlagbarkeit zu sein. Vier Olympiasiege, elf WM-Titel hat das Boot in seiner Geschichte eingefahren, zuletzt in Glasgow den sechsten EM-Titel in Serie. Silber ist derweil nie ein Gewinn, sondern immer eine Niederlage. „Der Druck von außen ist immer da“, betont Planer, der zurzeit mit seiner Mannschaft im Trainingslager in Völkermarkt (Österreich) weilt.

Die persönliche Erfolgsgeschichte des 1,98-Meter-Hünen soll indes nicht bei der WM 2018 enden, er will sie bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio fortschreiben. Weiterhin mit Bart, seinem Markenzeichen: „Mir gefällt er, und das ist doch das Wichtigste.“