Magdeburg l Trainer Bernd Berkhahn hat seinen Schützling natürlich in Schutz genommen. Er sagte, ihre Zeit ist kein Mist. Er erklärte, technisch ist sie sehr gut geschwommen. Und er resümierte: „Es gibt deshalb keinen Grund, unzufrieden zu sein.“ Für ihn nicht, für Franziska Hentke nicht. Zufrieden ist sie aber eben auch nicht. „Wenn ich das wäre, würde etwas falsch laufen“, betonte die Schwimmerin vom SCM.

Beim Wettkampf des Magdeburger Bundesstützpunktes am letzten Juli-Wochenende in der Elbehalle absolvierte sie die 200 Meter Schmetterling am Vormittag in 2:11,20 und am Nachmittag in 2:10,64 Minuten. Immer konkurrenzlos. Die Zeit allein machte nun keinen großen Unterschied zwischen den beiden Läufen. Aber derzeit geht es für Hentke gar nicht um die Zeit. „Es war mein erster richtiger Wettkampf nach der Corona-Pause, da muss man erst einmal wieder in den Rhythmus kommen“, erklärte die 31-Jährige. Und ergänzte: „Am Vormittag bin ich technisch schlecht geschwommen, dafür lief es am Nachmittag schon sehr gut, auch in der Einteilung.“

An Ausdauer verloren

200 Meter Schmetterling sind eine äußerst kraftraubende Disziplin, in der dem Athleten bei schlechter Taktik schnell mal die Puste ausgehen kann. Und die Puste, der längere Atem, ist auch das derzeitige Problem der Franziska Hentke. „Wir haben in Testserien festgestellt, dass ich in den vergangenen ein, zwei Jahren an Grundlagen Ausdauer verloren habe“, berichtete Hentke. „Aber das ist nun mal die Basis, auf der sich alles andere aufbaut.“

Ein Zeitenziel hatte sie deshalb auch nicht bei jenem Wettkampf, ein Zeitenziel setzt sie sich auch nicht für die deutschen Meisterschaften, die vom 29. Oktober bis 1. November im Berliner Europa-Sportpark ausgetragen werden. Erst recht verschwendet sie derzeit keinen Gedanken an ihren deutschen Rekord (2:05,26). „Wir haben den Trainingsplan umgestellt, ich trainiere wieder in höheren Umfängen, ich laufe oder fahre Fahrrad.“ Letzteres zumeist auf dem Ergometer, dabei fährt Franziska Hentke auch in freier Natur sehr gerne Rad.

Raus aufs Land mit dem Fahrrad

Während der Corona-Pause galt für sie nämlich: Immer wieder sonntags Magdeburg neu entdecken. „Ich bin immer am Morgen losgefahren, wenn es noch ruhig in der Stadt gewesen ist, bin raus ins Umland“, berichtete sie. 60 Kilometer war sie dann unterwegs. Gar nicht zu Trainingszwecken, allein „aus Spaß an der Freude“, sagte sie lächelnd. Mehr als diese 60 Kilometer schwimmt sie nun wieder im Training und pro Woche, wenn sie aus dem Urlaub an der Ostsee zurückgekehrt ist.

„Trainingstechnisch bleibt es dabei, dass wir viel Grundlagen machen“, erklärte sie. Natürlich auch im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien), wohin es die SCM-Trainingsgruppe ab dem 5. September für vier Wochen zieht. Kraft, Ausdauer: „Das ist der springende Punkt, warum ich nicht da bin, wo ich sein sollte“, betonte Hentke.

Dorthin will sie zurückkehren. Auch bei den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in Tokio, für die sie ihr Karriereende extra verschoben hat. Und bei den Sommerspielen in Japan soll ihr nun wirklich nicht die Puste ausgehen.