Gwangju/Magdeburg l Nur für das Finale ist Franziska Hentke vom SC Magdeburg nun nicht nach Gwangju gereist. Immerhin ist die 30-Jährige amtierende Vizeweltmeisterin. Das Gefühl hätte sie bei der WM in Südkorea gerne noch einmal. In dem schönen kalten Wasser, wie sie berichtet. Ihrem Clubgefährten Marius Zobel bleibt hingegen die Zuschauerrolle. Nach einem Ausschwimmen für die 4x200-Meter-Freistilstaffel ist er der fünfte Mann im Team.

Hentke: Druck auf der Hand

Dass die deutschen Beckenschwimmer am vergangenen Donnerstag gut in Gwangju angekommen sind, war tatsächlich eine Nachricht wert. Immerhin elf Stunden dauerte die Anreise aus Kumamoto (Japan), wo sie sich auf die WM vorbereitet haben und wo sie sich im nächsten Jahr unmittelbar vor den Sommerspielen vorbereiten werden. Sechs Stunden legten sie davon per Bus zurück, eineinhalb mit dem Flugzeug, die restliche Zeit mussten die Athleten von Teamchef Bernd Berkhahn einfach nur warten. Auch Franziska Hentke vom SCM, die als erste Erkenntnis aus Gwangju mitteilte: „Hier gibt es keine Messer.“

Messerscharf will Hentke allerdings durch das Becken im Nambu University Municipal Aquatics Center vor 11 000 Zuschauern „schmettern“. Und die Qualität des Wassers darin ist ebenfalls eine Nachricht wert. Zunächst verkündete Hentke nämlich lächelnd und in ihrem eigenen Humor: „Das Wasser ist nass.“ Das macht sich grundsätzlich gut für Schwimmer. Aber wichtiger ist: „Es fühlt sich sehr gut an und ist schön kalt.“ 26,5 Grad kalt.

Womit wir beim Thema Wassergefühl wären. Erklären Sie doch mal, Franziska Hentke, so grundsätzlich, wann es gut und wann es schlecht ist?

„Jedes Wasser ist anders“, sagte Hentke so grundsätzlich. Und vieles, referierte sie weiter, „hängt davon ab, ob es warm oder kalt ist. Wenn es kalt ist, ist es auch härter. Und ich bekomme mehr Druck auf die Hand.“ Verstanden: mehr Druck, mehr Tempo, mehr Erfolg.

Man muss womöglich erst eine Leistungsschwimmerin werden, um einen halben Grad mehr oder weniger von Becken zu Becken tatsächlich zu spüren. „Wir Schwimmer sind da sehr feinfühlig“, bestätigte sie. In Budapest vor zwei Jahren war das Gefühl großartig in der Duna Arena. Hentke ist damals Vizeweltmeisterin über 200 Meter Schmetterling geworden. Ihre erste WM-Medaille überhaupt. Und es soll nicht die letzte bleiben.

Was soll sie denn einem Journalisten sonst erzählen? Soll sie jetzt etwa, da sie in die Gemeinschaft der 30-Jährigen aufgenommen wurde, um Altersmilde bitten? Wo sie sich doch noch ein Olympia-Finale 2020 zum Ziel gesetzt hat? Und bevor ihre Karriere sich dem Ende zuneigt im gleichen Jahr? Nein. Also sagte die deutsche Rekordhalterin (2:05,26), die als Vierte der Jahresweltrangliste mit 2:07,16 Minuten im zweiten von vier Vorläufen am Mittwoch antritt: „Ich will in Gwangju schnell schwimmen, denn ich habe etwas zu verteidigen. Ich fahre jedenfalls nicht nach Südkorea, um ins Finale zu kommen. Das kann nicht mein Ziel als Vizeweltmeisterin sein.“ Punkt.

Zobel: Lernen von den Stars

Um selbst eines Tages vielleicht mal Geschichte zu schreiben, hat sich Marius Zobel am Sportgymnasium in Magdeburg ein schönes Unterrichtsfach ausgesucht: Geschichte. Da kann man allerhand lernen, was in der Historie der Menschheit alles schief- und gutgegangen ist. „Da Geschichte für mich gut gelaufen ist, habe ich es als mündliche Abitur-Prüfung gewählt“, sagte der 19-Jährige. Abitur ist nun Geschichte. Zum Glück im Jahr vor den Olympischen Spielen. Denn dass der Freistil-Schwimmer vom SC Magdeburg in dieser Saison über 1:49,34 Minuten auf 200 Meter nicht hinausgekommen ist, lag nicht zuletzt am Abiturstress, der sich – wenn auch in seinem Unterbewusstsein – aufgebaut hatte.

Trotzdem ist er nun bei der WM am Start, wenngleich nicht als Aktiver, sondern als Zuschauer auf Abruf. Denn Zobel gehört nicht zu den vier Schnellsten in Deutschland über seine Paradedistanz in diesem Jahr und musste sich am Montag zudem in einem Ausschwimmen gegen die interne Konkurrenz geschlagen geben, weshalb er der Ersatzmann für die 4x200-Meter-Freistilstaffel bleiben wird.

Die vier Männer in jenem Team tragen dann eine gewisse Verantwortung für die sportliche Geschichte des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) bei dieser WM: Sie müssen wenigstens Platz zwölf erreichen, um auch den Startplatz für Tokio zu sichern. Zobel weiß aber auch: „Wenn das in Gwangju nicht klappt, haben wir noch eine Chance bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr.“

Trotz seiner wohl passiven Rolle freut er sich auf die WM. „Weil dort einige Stars dabei sind, von denen ich mir etwas abschauen kann“, begründete Zobel. Und weil er auch das Flair dieser Titelkämpfe spüren will, denn es ist ja seine erste WM in der Elite.

Und dann kommen ja noch die deutschen Meisterschaften in Berlin (1. bis 4. August). „Da habe ich mehrere Starts“, blickte Zobel voraus. Und dort ist er im vergangenen Jahr erstmals Meister über 200 Meter Freistil geworden. Das war schon mal eine sehr schöne Geschichte.