Lyon (dpa) - "Captain America" schrieb die "Washington Post" zu einem Foto von Megan Rapinoe, auf dem die Superheldin des US-Frauenfußballteams die Arme im Triumph ausstreckt.

An diesem Freitag wird die Co-Kapitänin der US-Nationalmannschaft 34 Jahre alt, mit dem vierten WM-Titel des US-Teams am Sonntag (17.00 Uhr/ARD) würde sie sich selber das größte Geschenk machen. Ob Rapinoe im Finale gegen die Niederländerinnen überhaupt spielt, ist aber noch offen. Denn beim 2:1-Halbfinalsieg gegen England hatte sie wegen leichter Oberschenkelprobleme gefehlt. Trainerin Jill Ellis wollte kein unnötiges Risiko eingehen.

Für viele Amerikaner ist Megan Rapinoe, die Frau mit den gebleichten Haaren, schon jetzt der Star der Weltmeisterschaft - und das hat längst nicht nur mit ihren sportlichen Leistungen zu tun. Rapinoe macht aus ihren politischen Überzeugungen keinen Hehl, und sie scheut sich nicht, sich mit US-Präsident Donald Trump anzulegen. Die Fußball-Publikation "Eight by Eight" veröffentlichte am Dienstag vergangener Woche einen Clip mit Rapinoe, der sofort viral ging.

"Ich gehe nicht in das beschissene Weiße Haus", sagte Rapinoe eher beiläufig. Erwartungsgemäß schlug Trump per Twitter zurück. Trotzig lud er das Team nun erst recht ein, und zwar unabhängig davon, ob es den WM-Titel holt.

An die Adresse Rapinoes schrieb Trump: "Megan sollte erst GEWINNEN, bevor sie REDET!" Rapinoe ließ sich freilich weder vom Gewinnen noch vom Reden abbringen. Auf einer Pressekonferenz bei der WM betonte sie: "Ich stehe zu meinen Aussagen, nicht ins Weiße Haus gehen zu wollen, mit Ausnahme des Schimpfwortes - meine Mutter wird darüber sehr aufgebracht sein." Sie ermutigte auch ihre Teammitglieder, die Einladung nicht anzunehmen, um Trump keine Bühne zu bieten.

"Man kann dieses Mädchen einfach nicht erschüttern", schreibt Rapinoes Partnerin, die Basketballspielerin Sue Bird, in der "Players' Tribune". Rapinoe macht all das, was Trump und seine Anhänger auf die Palme bringt. So nahm sie sich 2016 ein Beispiel an Footballstar Colin Kaepernick und kniete bei der Nationalhymne, ein Protest gegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Auch wenn sie als Weiße diese Gewalt nicht erfahren habe, "kann ich nicht untätig daneben stehen", schrieb sie in der "Players' Tribune".

Der US-Fußballverband forderte die Spieler der Nationalmannschaften daraufhin unmissverständlich dazu auf, während der Hymne zu stehen "und unsere Flagge zu ehren". Rapinoe fügte sich zwar, sie beendete ihren Protest aber nicht. Inzwischen steht sie bei der Nationalhymne, aber weder singt sie mit, noch legt sie ihre Hand aufs Herz. Und sie hat sich in einer anderen Sache - gemeinsam mit ihrem Team - mit dem Fußballverband angelegt, den sie vor Gericht gezerrt hat.

Rapinoe und andere Nationalspielerinnen verklagen den Verband, dem sie absichtliche Diskriminierung vorwerfen - sie fordern die gleiche Bezahlung wie die Männer im Nationalteam. Tatsächlich haben die US-Frauen bislang drei WM-Titel geholt, wovon die Männer nur träumen können. Dennoch werden die Frauen viel schlechter bezahlt.

Trump hat Rapinoe aufgefordert, ihr Land, das Weiße Haus und die Flagge zu respektieren, "besonders, weil so viel für sie und das Team gemacht wurde". Rapinoe nennt Trump dagegen in einem ausführlichen Porträt des Internetdienstes Yahoo Sports "sexistisch", "frauenfeindlich", "kleingeistig", "rassistisch" und "keine gute Person". Auf die Frage, ob es sich nicht komisch anfühle, das Nationaltrikot anzuziehen, während Trump im Weißen Haus sitzt, antwortet die Spielerin: "Nicht wirklich." Und sie fügt hinzu: "Weil ich mich fühle, als wäre ich ein wandelnder Protest."

Auch wenn Rapinoe Trumps Einladung ausgeschlagen hat: eine andere hat sie bereits angenommen. Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez - politisch eine Art Gegenentwurf zu Trump - hat auf Twitter angeboten, Rapinoe und das Team jederzeit durch das Repräsentantenhaus zu führen. Rapinoe antwortete: "Abgemacht."