Köln (dpa) - Tausende Handys leuchten hell auf in der dunklen Arena. Das Publikum stimmt immer lauter ein Lied an, das vermutlich jeder Darts-Fan bereits gehört hat. Es ist das Lied vom "Taylor-Wonderland".

"There is only one Phil Taylor" schallt es von den Rängen. Genau dieser eine Phil Taylor gibt sich vor deutschem Publikum die Ehre, obwohl er eigentlich gar nicht mehr spielt.

Das Ergebnis des Spaß-Turniers in Köln ist zweitrangig an diesem Abend, Taylor repräsentiert den Sport mittlerweile als eine Art Botschafter. Nach jahrzehntelangen Erfolgen zog sich Phil "The Power" Taylor vor rund einem Jahr zurück. In seiner aktiven Zeit hat er alles erreicht. 16 Mal wurde der Engländer Weltmeister. Ein Pokal wurde bereits nach ihm benannt, der von seinem Lieblingsturnier, dem World Matchplay. Seit seinem Rückzug hat sich der Rekordchampion kaum verändert, ein paar Haare sind es weniger geworden beim 58-Jährigen. Man merkt ihm noch immer den Spaß bei seinem Sport an.

Von Ruhestand kann nicht die Rede sein. 170 Show-Wettkämpfe wird er Ende des Jahres gespielt haben. "Ich bin viel gereist in diesem Jahr, habe viel gespielt und auch viel Zeit mit meiner Familie verbringen können", erzählt er. "Ich genieße das", sagt ein sichtlich ausgeglichener Mann, der immer für einen Spaß zu haben ist. Beim Betreten der Bühne gibt es eine Grimasse für den Moderator, bei der Pressekonferenz zerreißt er einen Zettel mit Fragen und flachst dabei herum wie ein kleines Kind.

Sein erstes Match an diesem Abend wird immer wieder lautstark begleitet vom "Taylor-Wonderland". Der fokussierte Blick wirkt wie früher, noch immer will er die Darts in dem ohnehin schon kleinen Dreifachfeld übereinander platzieren. Die ersten drei Würfe auf das Doppelfeld sitzen, er gewinnt 3:0. Bei der Veranstaltung in Köln ist Taylor wenigstens anwesend, um sein Wonderland auch zu hören.

Das war vor wenigen Tagen in Dortmund bei der Europameisterschaft noch anders. Tausende Fans sind in der Dortmunder Westfalenhalle. Die obligatorischen Kostüme und große Mengen Bier sind natürlich auch dabei. Es weht ein Hauch von Karneval durch das Ruhrgebiet. Bei den Spielen um den Europameistertitel wird ein Spieler immer wieder lautstark besungen, der aber gar nicht auf der Bühne steht. "There is only one Phil Taylor", schallt es aus der Menge.

Die Bedeutung des Rekordchampions ist noch immer enorm für den Sport. "Phil Taylor hat Darts natürlich erstmal auf die Karte gebracht. Er hat jeden aufmerksam gemacht. Er ist die Legende unserer Sportart", sagt Deutschlands bester Darts-Spieler Max Hopp über Taylor. "Phil ist absolut der beste Spieler in der Welt. Ich habe so viele Matches gegen diesen Mann gespielt. Ich war der Erste der sich gefreut hat, als er sagte, ich höre auf", erzählt Raymond van Barneveld mit einem Grinsen im Gesicht.

Die Duelle zwischen dem Niederländer, immerhin fünfmaliger Weltmeister und Taylor waren früher etwas Besonderes. Etwa wie der Clásico im Fußball zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Das WM-Finale 2007 zwischen den beiden gilt bis heute als eine der besten Partien in der Darts-Geschichte. Der Engländer und sein "Wonderland" sind auch nach dem Karriereende weiterhin ein fester Bestandteil der Darts-Welt. Taylor muss nicht mehr bei den großen Turnieren der wachsenden Sportart mitspielen und wird trotzdem gefeiert vom Publikum als sei er auf der Bühne.

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