Stendal l Bei der Skandalwahl von 2014 erreichte die CDU 16 Sitze im Stendaler Stadtrat. Mit der Wahl am Sonntag wurde dieses Ergebnis halbiert. „Die gute Nachricht ist: Wir sind trotz aller Widrigkeiten im Stadtrat die stärkste Kraft geblieben“, sagte der bisherige Fraktionsvorsitzende Hardy Peter Güssau.

Er zeigte sich zerknirscht übers eigene Ergebnis. Mit 1283 Stimmen hatte er zwar den Sprung in den Stadtrat geschafft, für den Kreistag reichte es mit 453 Stimmen allerdings nicht (siehe nächste Seite).

Katrin Kunert war wieder die Stimmen-Queen

Das beste Ergebnis holte wiederum Katrin Kunert von den Linken. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete konnte 4104 Stimmen verbuchen und damit 51,7 Prozent aller Stimmen für die Linken. „Die Arbeit im neuen Stadtrat wird schwierig“, sagte Linken-Fraktionschef Joachim Röxe.

Es werde sicherlich wechselnde Mehrheiten geben. Bei der Linken war die Freude groß, dass die Partei noch knapp vor der AfD landete.

Die AfD selbst bietet Gespräche an. „Wir werden anders agieren“, sagt Matthias Büttner, der im bisherigen Stadtrat allein vertreten war und keine Akzente gesetzte hatte – weder durch Anträge noch durch Redebeiträge. Er selbst sehe sich nicht als Fraktionsvorsitzender der neuen siebenköpfigen Gruppe, sagte er.

Mit sieben Sitzen – wie AfD und Linke – wäre die SPD auch liebend gerne vertreten gewesen. „Es fehlten nur etwa 20 bis 25 Stimmen“, bedauerte Spitzenkandidat Herbert Wollmann, der mit 3611 Stimmen ein sehr gutes persönliches Ergebnis erzielte.

Obwohl die SPD zwei Sitze einbüßte, war Wollmann noch froh über das Ergebnis. „Es hätte schlimmer kommen können, wir mussten gegen den Landes- und Bundestrend unserer Partei kämpfen.“ Für ihn ist völlig unklar, welche möglichen Fraktionen sich im neuen Stadtrat bilden werden.

Wolfgang Eckhardt (Bürger für Stendal) kann der neuen Situation einiges abgewinnen. „Es muss miteinander geredet werden“, sagt der Ortsbürgermeister aus Heeren, der bislang zur Fraktion CDU/Landgemeinden gehörte.

Spannend werde sicherlich das neue Kräfteverhältnis im Rat, allein schon die Frage, wer Stadtratsvorsitzender werde. Normalerweise stehe dies der größten Fraktion zu. „Doch es kann sich noch eine Fraktion bilden, die größer als die CDU ist“, so Eckhardt.

Grüne profitierten von Parteitrend

Aus seiner Freude über das Wahlergebnis machte Björn Eckhard Dahlke (Bündnis 90/Grüne) keinen Hehl. „Sowohl persönlich als auch für die Partei ist es wirklich sehr gut gelaufen“, bilanzierte er einen Tag nach dem Urnengang. Um satte 2166 Stimmen steigerte sich die Partei im Vergleich zur Wiederholungswahl von 2015.

Insgesamt holte die Partei 2854 Stimmen und kam damit auf 6,1 Prozent. Neben Björn Eckhard Dahlke zog mit Anette Lenkeit (parteilos) außerdem eine zweite Kandidatin von der Liste der Grünen in den Stadtrat ein. „Die Arbeit im Stadtrat wird auf jeden Fall komplexer werden“, sagte Dahlke.

Das sieht Marcus Faber (FDP) ganz ähnlich. „Es ist wahrscheinlich nicht leichter geworden, konstruktiv zusammenzuarbeiten“, schätzt der Anführer der FDP-Liste ein. Für seine Partei war es dabei ein bitterer Ausgang. Lange Zeit sah es so aus, als ob Astrid Bleißner als zweite Kandidatin für die Freidemokraten in den Stadtrat einziehen würde, ehe sie nach Auszählung des letzten Wahllokals doch noch rausflog.

Die Ergebnisse im Überblick

in Prozent (Gewinn und Verluste zur Wiederholungswahl 2015)

CDU 19,1 (-17,3)

Die Linke 17,0 (-9,6)

AfD 16,4 (+14,4)

SPD 16,3 (-4,2)

Freie Stadträte 9,2

Bürger für Stendal 6,4

Grüne 6,1 (+3,9)

FDP 3,9 (+0,7)

EB Radtke 1,9 (-1,4)

EB Kloft 1,5

EB Seidel 1,1

EB Rittmann 0,6

EB Roske 0,5