Staßfurt/Schönebeck l Der private Klinikbetreiber Ameos hat im Zuge der laufenden unbefristeten Streiks an den Standorten Aschersleben, Bernburg, Haldensleben, Schönebeck und Staßfurt ein erstes Signal an die Gewerkschaften abgegeben. „Unter gewissen Voraussetzungen sind wir zu Gesprächen mit den Gewerkschaften bereit“, sagt Frank-Ulrich Wiener, Regionalgeschäftsführer bei Ameos Ost. Er ließ allerdings offen, welche Voraussetzungen das sein könnten.

Zuerst kommuniziert hatte das der Landrat des Salzlandkreises Markus Bauer (SPD) unter der Überschrift „Landrat erzielt Durchbruch“. Bauer teilte mit: „Ich habe seine Zusage zur Bereitschaft für ein Sondierungsgespräch mit der Gewerkschaft Verdi.“ Die Verhandlungsparteien wären nun gefordert, die Möglichkeit der Gespräche zu nutzen.

Verdi weiß von nichts

Offenbar kam der Landrat mit seiner Kommunikationsoffensive den Gesprächen aber zuvor. Denn: Die Gewerkschaften wissen noch gar nichts von dem Signal, das Ameos aussenden möchte. „Ich bin sehr verwundert darüber, was der Landrat kommuniziert. Bei uns hat sich noch keiner gemeldet. Ich kann das nicht bestätigen“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Bernd Becker. „Nach aktuellem Stand werden die Streiks fortgesetzt. Wir sind gerne gesprächsbereit, der Arbeitgeber muss sich an uns wenden.“

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„Wir werden zu gegebener Zeit mit den Gewerkschaften in Kontakt treten“, sagt Frank-Ulrich Wiener. „In welcher Form das geschieht und wann, ist noch offen.“

Landrat glaubt an Gesprächsbereitschaft

Landrat Bauer hatte Mittwochabend mit Wiener gesprochen. Das Gespräch sei „echt fair und zielorientiert“ gewesen, erklärte er gestern auf Volksstimme-Nachfrage. „Jetzt ist die Tür offen. Jetzt müssen alle miteinander reden“, so Bauer. Gestern morgen hatte Bauer die Ameos-Betriebsräte im Streiklokal informiert.

Er erwarte, dass es in den Sondierungsgesprächen darum geht, „wie man miteinander umgeht. Wenn es um eine historische Aufarbeitung geht, was passiert ist, sind die Gespräche gestorben“, mahnte er Ameos und Verdi, den Blick nach vorn zu richten. „Gesundheitsvorsorge ist Daseinsvorsorge. Das steht für mich ganz oben an. Es geht um die Patienten, es geht um die Mitarbeiter und es geht um Menschen, die mal Patienten werden können.“

Bisher hatte sich Ameos jeglichen Gesprächen mit den Gewerkschaften verweigert. Im November gab es erste Warnstreiks. Die Beschäftigten fordern eine Angleichung der Löhne auf Tarifniveau. Im Schnitt verdienen Ameos-Angestellte 500 Euro weniger als in anderen Krankenhäusern. Seit dem 27. Januar laufen unbefristete Streiks, am Mittwoch hatte es eine Großdemonstration in Magdeburg gegeben.

Sollte es zu Sondierungsgesprächen zwischen den Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund mit Ameos kommen, bedeutet das allerdings nicht, dass die Streiks automatisch ausgesetzt werden. „Ich lasse mich nicht erpressen. Es kommt auf die Bedingungen an“, so Bernd Becker. Streiks aussetzen könnten auch nur die Tarifkommissionen vor Ort.

Die Betriebsräte hatten gestern gegenüber Wiener betont, dass sie für Tarifverhandlungen nicht zur Verfügung stehen. „Wir haben Herrn Wiener dazu aufgefordert, sich mit Verdi in Verbindung zu setzen“, sagt Andreas Rossa, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums Aschersleben-Staßfurt. „Wir begrüßen das Gesprächsangebot von Ameos.“ Wiener sprach von einem „sehr guten Ergebnis“ des Gesprächs mit den Betriebsräten. Das Zukunftspaket sei nicht Teil des Gesprächs gewesen. Das Angebot gelte aber nach wie vor.