New York (dpa) - So richtig in Plauderlaune war Serena Williams vor ihren Jubiläums-US-Open nicht. Es sei ein "chaotisches Jahr", sagte die 38 Jahre alte US-Amerikanerin vor einem der bislang wohl ungewöhnlichsten Grand-Slam-Turniere der Tennis-Historie.

Über die von Novak Djokovic geplante revolutionäre Gründung einer neuen Spielervereinigung wisse sie zu wenig, um sich darüber zu äußern. Dass Naomi Osaka zuletzt zu ihrem Halbfinale zunächst nicht angetreten war, um damit gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren, sei deren Entscheidung gewesen, sagte Williams.

Am Dienstag wird die in Saginaw im US-Bundesstaat Michigan geborene Ausnahmeathletin zum 20. Mal im Flushing Meadows Corona Park aufschlagen. Und erneut einen Angriff auf den Grand-Slam-Rekord und Titel Nummer 24 bei einem der vier bedeutendsten Turniere starten. Sicher im Arthur-Ashe-Stadium, der größten Arena, die ihr Sport zu bieten hat. Aber ohne das Popcorn-Geraschel der viel zu lauten Fans, ohne Video-Clips von sich unter Sponsoren-Logos küssenden Menschen auf den Tribünen und auch ohne lärmende Klatschpappen-Aufmunterung.

Wegen der Coronavirus-Pandemie werden die US Open ohne Zuschauer und unter strengen Hygiene- und Sicherheitsauflagen ausgetragen. Dass sie überhaupt stattfinden, schien vor einigen Wochen noch undenkbar. Doch nun steht Serena Williams zum 20. Mal in der US-Open-Meldeliste. Gleich in ihrem zweiten Jahr 1999 schnappte sie sich die Trophäe, es folgten weitere fünf US-Open-Titel, sieben Wimbledon-Triumphe, sieben Australian-Open-Gewinne und drei French-Open-Krönungen.

Bei 23 Grand-Slam-Turnieren hat es Serena Williams bislang geschafft, kein Match zu verlieren. Für die jüngere der beiden Williams-Schwestern gilt die zuweilen inflationär gebrauchte Phrase "Sie hat in ihrer Sportart alles erreicht, was es zu erreichen gibt" wie für nur wenige Profis. Und doch kann und will Serena Williams nicht ruhen, nicht aufhören. Die Sehnsucht nach diesem vermaledeiten 24. Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere treibt sie an.

"Offensichtlich bin ich nie zufrieden. Das ist die Geschichte meiner Karriere", sagte Williams kurz vor Turnierstart in einer dieser zur Gewohnheit gewordenen Video-Pressekonferenzen. In der Weltrangliste wird sie momentan auf Position acht geführt, sechs der Top-Ten-Spielerinnen sind in New York nicht dabei, darunter die Nummer eins Ashleigh Barty (Australien), die Nummer zwei Simona Halep (Rumänien) und die Titelverteidigerin Bianca Andreescu (Kanada).

Gegen Andreescu verlor Williams vor einem Jahr im Endspiel von New York, 2018 unterlag sie Osaka an gleicher Stelle. Seit mehr als drei Jahren wartet sie nun auf ihren nächsten Grand-Slam-Triumph, letztmals triumphierte sie 2017 bei den Australian Open - damals bereits schwanger. Seit der Rückkehr nach der Geburt ihrer Tochter Olympia stand sie vier Mal in einem Grand-Slam-Finale, doch der 24. Titel wollte bislang einfach nicht gelingen. Mit diesem würde sie mit der umstrittenen Australierin Margaret Court gleichziehen.

Doch wenngleich die Aussichten durch die zahlreichen prominenten Absagen so vielversprechend wie lange nicht erscheinen, scheint Williams nach dem Turnierneustart nach der Corona-Pause noch auf der Suche nach ihrer Bestform. Beim von Cincinnati nach New York verlegten Turnier verlor sie im Achtelfinale körperlich geschwächt gegen die Griechin Maria Sakkari. Für die deutsche Damentennis-Chefin Barbara Rittner ist daher auch Osaka "eine Top-Favoritin, sogar vor Serena Williams, weil ich denke, dass sie körperlich stärker ist".

Sie wisse selbst nicht so recht, wie sie ihre physische Verfassung einschätzen solle, räumte sogar Williams ein. Was sie aber nur zu genau wisse, formulierte sie so: "Ich werde nie zufrieden sein, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich aufhöre. Das ist einfach meine Persönlichkeit. So habe ich es bis dahin geschafft, wo ich bin."

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