Kailua-Kona (dpa) - Mehr oder weniger acht Stunden körperliche Höchstleistung bei Temperaturen über 30 Grad und über 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. Und dazu ein Profi-Feld, das der legendären Ironman-WM ein erst recht denkwürdiges Rennen bescheren kann.

"Das Schöne und Faszinierende am Ironman ist, nach allen Vorhersagen einfach an den Start zu gehen und zu sehen, was passiert", betont Top-Herausforderer Jan Frodeno.

EIN LANGER TAG: Der Start für die Profi-Männer erfolgt um 6.25 Uhr Ortszeit (18.25 Uhr MESZ). Etwa drei Stunden schätzungsweise vorher wird aufgestanden. Der Körper muss rechtzeitig auf die erforderliche Betriebstemperatur gebracht werden - 26 bis 28 Grad Wassertemperatur beim 3,86 Kilometer langen Schwimmen im Pazifik hin oder her. Die Abläufe sind automatisiert, bevor es zum Schwimmstart geht, wird der Luftdruck der Reifen an den High-Tech-Rädern noch mal gecheckt. Letzte Trinkflaschen am Rad angebracht. Zielschluss für alle Teilnehmer ist 17 Stunden nach Rennbeginn. Und aus guter Tradition empfangen auch die Ersten immer die Letzten um Mitternacht.

DIE HAUPTDARSTELLER: Patrick Lange, Champion 2017 und 2018, erster Triathlet, der die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen in unter acht Stunden bewältigte. Saisonverlauf eher mäßig. Jan Frodeno, Champion 2015 und 2016. 2017 im Rennen durch eine Verletzung gebremst, 2018 durch eine Verletzung nur als Zuschauer und TV-Experte vor Ort. Saisonverlauf: Siege bei jedem Start. Sebastian Kienle, Champion 2014. Saisonverlauf: Nach einem Trainerwechsel so stark wie lange nicht mehr.

Es sind aber noch mehr als die drei deutschen Weltmeister, die seit fünf Jahren die Titel unter sich ausmachen: Unter anderem der Australier Cameron Wurf oder der Kanadier Lionel Sanders. Der WM-Zweite von 2018, Bart Aernouts aus Belgien, und der WM-Dritte des Vorjahres, David McNamee aus Großbritannien. Und dessen bereits hoch dekorierter Landsmann: Alistair Brownlee, zweimaliger Olympiasieger aus Großbritannien. "Ein Tier", meint Frodeno. Die Frage ist, wie Brownlee mit den Bedingungen bei seinem Hawaii-Debüt klarkommt.

DIE STRATEGIE: Wer Superläufer Lange schlagen will, muss den Abstand beim Schwimmen und Radfahren so groß wie möglich machen, sonst wird er vom 33-Jährigen Marathon-Bestzeit-Mann von Hawaii und Streckenrekordzeitinhaber - Lange blieb als Erster unter den magischen acht Stunden beim WM-Rennen - auf den finalen 42,2 Kilometern überholt.

Lange gilt allerdings weder als brillanter Schwimmer im Gegensatz zu Frodeno, noch als brillanter Radfahrer wie Kienle und auch Frodeno, geschweige denn Wurf - ein ehemaliger Radprofi. Windschattenfahren ist verboten, eine gute Gruppe sollte Lange dennoch erwischen, die ihn mitziehen kann. Im vergangenen Jahr konnte sich Lange auf seinen Teamkollegen Andreas Dreitz verlassen, der auch diesmal wieder mit dabei ist von insgesamt 13 für die WM qualifizierten Deutschen.

EISENFRAUEN: Bei den Frauen kann und will die Daniela Ryf ihren fünften Titel in Folge holen. Die Schweizerin war vor einem Jahr trotz einer Quallen-Attacke unmittelbar vor dem Schwimmstart nach einer famosen Aufholjagd einmal mehr als Erste ins Ziel gerannt. Erneut Medaillenhoffnungen hat die Vorjahresdritte Anne Haug. Seit acht distanzübergreifenden Rennen ist Laura Philipp ungeschlagen und darf trotz einer längeren Verletzungspause auch auf die vorderen Ränge schielen.

ZITATE:

Titelverteidiger Patrick Lange: "Kona ist das Rennen, für das ich gemacht bin."

Herausforderer Jan Frodeno: "Wenn ich Patrick Lange sehe, sehe ich zwei Typen, einen von November bis September und einen Patrick Lange im Oktober. Im Oktober ist Patrick eine Waffe."

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