New York (dpa) - Seit Frühjahr 2016 führt Friedrich Merz den Aufsichtsrat der Deutschland-Tochter des US-Investmentriesen Blackrock. Seine Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz rückt die diskrete New Yorker Finanzfirma nun einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.

Angesichts der enormen Summe an Anlegergeldern und des Imperiums an Finanzbeteiligungen, das Blackrock aufgebaut hat, wird das Unternehmen von Kritikern mit Argwohn betrachtet.

Wer ist Blackrock - eine "Heuschrecke"? Eine Geldmacht, die ohne demokratische Kontrolle im Hintergrund agiert? Oder ein ganz normaler Finanzkonzern? Aus der Sicht von Friedrich Merz sind die Dinge klar: Blackrock sei keine "Heuschrecke", sondern verwalte treuhänderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden, sagte er am Mittwoch in Berlin.

Fest steht: Mit zuletzt rund 6,4 Billionen Dollar (etwa 5,7 Bio Euro) an Anlegergeldern ist Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt. Die Firma ist über diverse Branchen und Sektoren hinweg einer der wichtigsten Investoren rund um den Globus und hält auch Aktienpakete an etlichen deutschen Großkonzernen.

Laut Daten der Finanzaufsicht Bafin ist Blackrock an mindestens 67 deutschen Aktiengesellschaften beteiligt. Der Aktionärsvereinigung DSW zufolge ist der US-Finanzkonzern bei 20 der 30 Dax-Unternehmen größter Einzelaktionär, bei 19 Dax-Konzernen hält er mehr als fünf Prozent der Anteile.

Durch Stimmrechte hat Blackrock erheblichen Einfluss bei vielen Unternehmen und durch das enorme Volumen seiner Investmentfonds große Marktmacht in verschiedenen Bereichen der Finanzwelt. Kritiker halten dies für gefährlich. Ein Buch der Journalistin Heike Buchter ("Die Zeit") von 2015 etwa trägt den Titel: "Blackrock - Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld".

Blackrocks Rolle in der Finanzwirtschaft wird allerdings bei Weitem nicht von allen Experten so kritisch gesehen. Bislang ist das Unternehmen, das 1988 von Gründer Larry Fink als kleines Nebengeschäft der Beteiligungsgesellschaft Blackstone gestartet wurde, eher als stiller Beobachter im Hintergrund aufgetreten, der Firmen nicht groß ins Geschäft redet. Eine "Heuschrecke" im Sinne des 2004 vom damaligen SPD-Chef Franz Müntefering geprägten Begriffs für Finanzinvestoren, die übernommene Unternehmen rücksichtslos unter Druck setzen und ausschlachten, ist Blackrock nicht.