Blankenburg (dpa) - Glassplitter liegen auf der Straße, zahlreiche Autoscheiben sind zerstört, die Fenster auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben Risse und Löcher.

Gegen 8.50 Uhr werden die Anwohner der Bertolt-Brecht-Straße in Blankenburg am Freitag dem 13. aus ihrem Alltag gerissen. Eine Explosion - ausgelöst womöglich durch 11 Kilogramm schwere Gasflaschen, berichten Feuerwehr und Polizei - erschüttert die Anwohner in der 20.000-Einwohner-Stadt im Harz.

Drei Menschen liegen bewusstlos auf der Straße, als die ersten Einsatzkräfte am Unglücksort eintreffen, in einer Wohnung finden sie eine Leiche. Von einem "Bild der Verwüstung" spricht Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU).

"Ich zittere jetzt noch", sagt eine 63 Jahre alte Frau von ihrem Balkon aus rund zweieinhalb Stunden nach der Explosion. Sie habe die Erschütterung gespürt. "Da kam lauter schwarzer Qualm. Es hat auch nicht lange gedauert, da kamen die Stichflammen", so die Augenzeugin. "Helfen Sie mir, retten Sie mich", habe sie einen älteren Mann rufen hören.

Das Haus, in dem es zur Explosion kam, ist schwer beschädigt. Über mehrere Stockwerke zieht sich Ruß an der Außenfassade des Mehrfamilienhauses. Auch auf der Rückseite sind die Schäden gravierend. Noch am Nachmittag ziehen Einsatzkräfte dort einen Fensterrahmen aus einem Baum. Das Technische Hilfswerk (THW) hat Holzbalken herangeschafft, um die Innenräume zu stabilisieren.

Zunächst war von einem Toten und 25 Verletzten die Rede, später korrigiert die Polizei die Verletztenzahl nach unten. "Die einzige gute Nachricht an diesem Tag", sagt ein Polizeisprecher. Am frühen Nachmittag hieß es von den Beamten, zwei Bewohner seien mit Brandverletzungen in das Spezialkrankenhaus Bergmannstrost nach Halle geflogen worden. Zudem erlitten demnach drei Bewohner schwere und zehn leichte Verletzungen. Vier Polizisten zogen sich beim Rettungseinsatz Rauchvergiftungen zu, die aber nur mit etwas Sauerstoff hätten behandelt werden müssen.

Warum die Gasflaschen in der Wohnung waren, ist unklar. Thomas Kempf, der Geschäftsführer der Blankenburger Wohnungsgesellschaft, betont, es sei ausdrücklich untersagt, zusätzliche Heizkörper in den Wohnungen aufzustellen. Eigentlich werde das Gebäude durch Fernwärme geheizt.

Für die Betroffenen der Explosion in einem Mehrfamilienhaus in Blankenburg soll ein Spendenkonto eingerichtet werden. Der Einsatz wird nach Einschätzung der Behörden bis in die Nacht andauern. Von den etwa 50 betroffenen Bewohnern des Gebäudes seien fast alle bei Angehörigen untergekommen, erklärte Breithaupt. Nur eine Familie müsse in einer Notunterkunft untergebracht werden. Dieser werde eine Wohnung zur Verfügung gestellt.

Am Nachmittag sitzen viele Betroffene noch in einer nahegelegenen Grundschule beisammen, heiße Getränke und Snacks stehen bereit. In einer roten Kiste liegt Stollen nach Thüringer Art. In kleinen Gruppen tauschen sie sich aus, Helfer stehen bereit.

Gegen 16.30 Uhr verkündet Breithaupt, dass die ersten Bewohner wieder kurzzeitig zurück in ihre Wohnungen dürfen. Mit Taschen bepackt ziehen sie los. Wer in den Hausnummern fünf und sechs lebt, darf ohne Begleitung der Einsatzkräfte gehen. Die Nummern eins und vier dürfen nur mit der Polizei zusammen betreten werden. Wer in den Wohnungen in unmittelbarer Nähe der Explosion lebt, muss noch warten.

Doch selbst wer gehen darf, bleibt nur kurz. Bewohnbar ist das Gebäude vorerst nicht. Es werde voraussichtlich mehrere Wochen dauern, bis die Fernwärme wieder hergestellt sei, sagt Kempf.

"Man hat sich jahrelang etwas aufgebaut und innerhalb von fünf Minuten ist das weg", sagt Manuela Brüst. Die 53-Jährige lebt in einer der unmittelbar betroffenen Wohnungen. Sie habe drei Kinder alleine großgezogen, wisse nicht wie es nun weitergehe. Auch am frühen Abend war unklar, wann sie die wichtigsten Sachen aus ihrer Wohnung holen darf.

Für den Abend kündigte Eckehart Winde, Pfarrer der
evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, eine Gedenkminute auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt an. Der Einsatz laufe voraussichtlich noch bis in die Nacht, hieß es am Abend. Die Kinder der Grundschule und einer Kita in der Nähe sind bei der Explosion nicht verletzt worden. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landesinnenminister Holger Stahlknecht sprachen den Opfern ihr Beileid aus. Sie dankten den mehr als 200 Einsatzkräften.