Harare (dpa) - Robert Mugabe war einer der umstrittensten afrikanischen Herrscher. In fast vier Jahrzehnten an der Macht in Simbabwe entwickelte er sich vom weltweit respektierten Hoffnungsträger und Freiheitskämpfer zum geächteten Despoten.

Kaum ein anderer afrikanischer Politiker polarisierte so wie er. Die Beschreibungen für ihn reichten von Hoffnungsträger und Freiheitsheld bis zu brutaler Despot. Ein Militärputsch bereitete Ende 2017 seiner Herrschaft ein Ende, nachdem er Simbabwe - einst die Kornkammer des südlichen Afrikas - in ein verarmtes, hungriges Land verwandelt hatte. Am Freitag starb er im Alter von 95 Jahren.

Mugabe engagierte sich schon in den 1960er Jahren im politischen Kampf gegen das weiße Siedlerregime und saß deswegen zehn Jahre in Haft. Danach ging er in den Untergrund und wurde einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime. Nach jahrelangem Guerillakampf mit schätzungsweise mehr als 20.000 Toten gewann seine Partei 1980 die ersten Parlamentswahlen im Land.

Der stets elegant gekleidete Intellektuelle und brillante Rhetoriker wurde Premierminister und verblüffte Freund und Feind zunächst mit einem auf Ausgleich zielenden Versöhnungskurs. Die Wirtschaft wuchs, die Regierung investierte erfolgreich ins Gesundheits- und Bildungswesen. Die Alphabetisierungsrate stieg rasant. Mugabe sorgte für ein - bis heute anhaltendes - Klima, in dem gute Bildung von allen Familien als Priorität betrachtet wird. Damit war er für viele der Urtyp des modernen, erfolgreichen afrikanischen Regierungschefs.

Doch Machtkämpfe focht der studierte Lehrer skrupellos aus. Zudem setzte er bald das Militär gegen die Minderheit der Ndebele ein. Bei Massakern wurden von 1982 bis 1987 Tausende getötet. Der Mann mit dem kuriosen Bärtchen und den großen Brillengestellen durchlief eine bemerkenswerte Karriere. Dann stand er allerdings plötzlich in der zweiten Reihe, als im Nachbarland Südafrika der erste schwarze Präsident Nelson Mandela wie ein Popstar nach dem Ende der Apartheid-Regierung gefeiert wurde.

Der am 21. Februar 1924 geborene Mugabe klammerte sich immer skrupelloser an die Macht - zur Enttäuschung früherer Bewunderer. Pressefreiheit und Opposition ließ er nach Kräften unterdrücken. Auf Regierungsgegner ließt er seine Schlägertrupps los.

"Er hatte ein völliges Desinteresse am Wohl seiner Bevölkerung", meint sein deutscher Biograf Christoph Marx von der Uni Duisburg-Essen. Er sieht in Mugabes Lebensweg die Geschichte des Kolonialismus widergespiegelt, mit all der Brutalität und Machtgier. "Seine Verdienste im Bildungs- und Gesundheitswesen hat er gnadenlos geopfert, als sein Stuhl wackelte", sagt Marx, der auch Mugabes linke Rhetorik in den 1970er Jahren lediglich als Tarnung ansieht. "Mugabe war kein gewandelter Revolutionär, er war nur an der Macht interessiert", ist er überzeugt. Andere äußerten sich enttäuschter.

"Er war ein strahlender Stern an unserem Firmament, jemand, auf den wir stolz waren", sagte der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu bereits 2002. Mugabe sei zur Karikatur eines afrikanischen Despoten geworden: "Der Zerfall seiner Persönlichkeit ist schwer zu verstehen. Er ist machthungrig."

Per Verfassungsänderung schaffte sich Mugabe 1987 ein machtvolles Präsidentenamt - und wurde immer machthungriger. Mit einem Beschluss zur Enteignung weißer Landwirte brach er mit der Versöhnungspolitik. Der einstige Jesuitenschüler Mugabe setzte nun auf Hass gegen Weiße und ermahnte die Bevölkerung, die "Endphase des Freiheitskampfes" zu unterstützen. 1999 wurden mehr als 800 Großfarmer entschädigungslos enteignet. Kurz darauf besetzten Mugabes Anhänger weitere Tausend Farmen. Viele weiße Landwirte und Familienmitglieder wurden getötet.

Die Farmen gingen oft an Verbündete ohne Erfahrung in der Landwirtschaft. Auch schwarze Kleinbauern waren mangels Ausbildung oft überfordert. Die Produktion von Mais und Tabak brach ein. Das Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft. Auch das Gesundheitssystem brach zusammen. Mehr als 3000 Menschen fielen bis Anfang 2009 einer Choleraepidemie zum Opfer. Die Infrastruktur verfiel, die Währung kollabierte, die Simbabwer flohen in Scharen.

Als gewiefter Taktiker bemühte Mugabe immer wieder das (weiße) Ausland, um einen Schuldigen für die magere Bilanz seiner Regierung zu finden. Eigenes Versagen verdeckte er nicht nur mit Populismus, sondern auch mit Gewalt, Personenkult und Korruption, während er politische Rivalen und Kronprinzen immer wieder kaltstellte.

Als sich die Zeichen mehrten, dass Mugabe seine unbeliebte Frau Grace - 41 Jahre jünger als er selbst - als Nachfolgerin sah, baute sich Widerstand auf. Ende 2017 stellte das Militär Mugabe unter Hausarrest und riss in einem unblutigen Putsch die Macht an sich. Schnell wandten sich Weggefährten und Parteifreunde von dem Mann ab, der einst fabulierte: "Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können." Mugabe beugte sich schließlich dem Druck und trat zurück. Nachfolger wurde sein zuvor von ihm geschasster Vize, Emmerson Mnangagwa.

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