Düsseldorf (dpa) - Erstmals sind in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus gestorben. Beide Todesfälle wurden in Nordrhein-Westfalen bekanntgegeben.

Das erste Todesopfer ist eine 89-jährige Frau aus Essen, die seit Anfang März in der dortigen Universitätsklinik behandelt wurde. Sie sei am Montagmittag um 12.44 Uhr an einer Lungenentzündung in Folge der Coronavirus-Infektion gestorben, wie die Stadt Essen am Montag mitteilte.

Gut eine Stunde später starb ein 78-jähriger Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg. Er habe sich vergangenen Freitag in einem Krankenhaus in Geilenkirchen gemeldet und sei am Montag um 14 Uhr an Herzversagen gestorben, sagte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am Abend. Der Mann habe unter Vorerkrankungen wie Herzproblemen und Diabetes gelitten. Er habe vorher eine Karnevalssitzung besucht. Bereits am Sonntag war ein 60-jähriger Feuerwehrmann aus Hamburg in Ägypten am Coronavirus gestorben.

Pusch berichtete, dass im besonders betroffenen Kreis Heinsberg bereits 323 Infektionen nachgewiesen seien. 15 Menschen würden in Krankenhäusern behandelt, darunter aber keine Kinder oder Jugendliche. Betroffen seien vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Die ersten beiden Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Deutschland zeigen nach Ansicht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): "Wir müssen die Situation sehr ernst nehmen." Mit Bestürzung habe er vom Tod der beiden Patienten erfahren.

Am Montagmorgen hatte das Robert-Koch-Institut 1112 nachgewiesene Infektionen in Deutschland aufgelistet. Am stärksten betroffen ist Nordrhein-Westfalen. Nach Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der bestätigten Fälle am Montag (Stand 16.15 Uhr) auf 524. Weltweit gibt es laut RKI über 110.000 infizierte Menschen.

In Nordrhein-Westfalen wurde der erste bestätigte Fall am 25. Februar bekannt. Nachgewiesen wurde es zuerst bei einem 47-Jährigen Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg und seiner 46-jährigen Frau. Beide hatten zuvor eine Karnevalssitzung in ihrem Heimatort besucht. Die Ehefrau ist außerdem Erzieherin in einem örtlichen Kindergarten.

Um das Virus einzudämmen, standen Hunderte Karnevalisten und ihre Familien vorübergehend und vorsorglich unter häuslicher Quarantäne, außerdem Kinder und Personal des betroffenen Kindergartens - insgesamt waren es rund 1000 Menschen.

Im Kampf gegen das Virus sieht der Chef des Weltärztebundes Deutschland aktuell gut aufgestellt. "Unser Gesundheitswesen, unsere Prävention, unsere Erkennung dieser Maßnahmen funktioniert. Das deutsche Gesundheitswesen ist hervorragend ausgerichtet", sagte Frank Ulrich Montgomery am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Wir kriegen das hin!"

Nach der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vom Sonntag sollten alle Veranstaltungen in Deutschland mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt werden. Damit werden auch Spiele ohne Zuschauer etwa in der Fußball-Bundesliga wahrscheinlicher. Derartige Entscheidungen müssten jedoch die lokalen Gesundheitsbehörden treffen.

Es gibt bislang weder eine schützende Impfung noch eine spezielle Therapie zur Behandlung der durch das neue Coronavirus verursachten Erkrankung Covid-19. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen, die binnen weniger Tage verschwindet, oder gar keine Symptome. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer.

Mitteilung Uniklinik Essen

Mitteilung Stadt Essen