Schönebeck l Der Tuberkulose-Fall in Schönebeck sorgt unter den Klassenkameraden des erkrankten Berufsschülers für Unruhe. „Man macht sich schon Sorgen. Eine Freundin von mir hat noch immer extreme Angst davor, zur Schule zu gehen“, sagt eine 16-jährige Schülerin der Berufsbildenden Schule Schönebeck, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Besorgte Eltern der Schüler, die in dem Berufsvorbereitungsjahr sind, das auch der erkrankte Jugendliche besucht hat, tauschen sich derweil rege im sozialen Netzwerk Facebook aus.

Doch wie viele Schüler sind eigentlich gefährdet? Von den zirka 1140 Schülern, die derzeit die Berufsschule besuchen und nicht nur aus dem Salzlandkreis, sondern unter anderem auch aus Magdeburg und dem Jerichower Land kommen, seien laut Schulleiter Ronald Rumpf nur die drei Klassen des Berufsvorbereitungsjahres betroffen. Die anderen Schüler hätten kaum Kontakt gehabt. „Die Schüler aus den drei Klassen des Berufsvorbereitungsjahres benutzen separate Räume und haben sogar eigene WC und Duschen“, sagt er auf Anfrage der Volksstimme.

Erkrankter noch in Behandlung

Die Leiterin des Gesundheitsamtes des Salzlandkreises, Amtsärztin Heike Leonhardt, erklärt, was nach dem Bekanntwerden des Tuberkulose-Falls in Schönebeck gemacht wurde. Mitarbeiter des Sachgebietes Hygiene hätten sofort mit der Ermittlung von Kontaktpersonen begonnen. In Schönebeck sind das 63 Menschen – 37 Schüler und 26 weitere Kontaktpersonen aus dem Umfeld des Erkrankten, der sich seit Anfang September noch immer stationär in Behandlung befindet.

Wann man von einer Kontaktperson spricht, erläutert der Leiter des Magdeburger Gesundheitsamtes, Amtsarzt Eike Hennig. „Die Personen legt das zuständige Gesundheitsamt fest“, sagt er. Pauschal könne man sagen: Wenn man summiert länger als acht Stunden Kontakt mit dem Erkrankten hatte, zählt man als potenziell gefährdet. Er nennt ein Beispiel aus dem Fall Anfang des Monats, bei dem ein Hermes-Mitarbeiter in Haldensleben (Landkreis Börde) erkrankt war.

Hier wurden 500 Personen von den zuständigen Gesundheitsämtern in Magdeburg sowie im Landkreis Börde zu Bluttests aufgefordert. „Die Kollegen des erkrankten Mitarbeiters hielten sich regelmäßig in denselben Arbeits- und Pausenräumen sowie im Shuttle-Bus auf“, erklärt Hennig.

Eltern wurden informiert

In Magdeburg sei man recht großzügig bei der Festlegung von Kontaktpersonen vorgegangen. Schließlich, so Hennig, spielen auch die Gefühle der Betroffenen eine Rolle. Er veranschaulicht: „Wenn man von einer Person angehustet wurde, die eine Lungentuberkulose hat, möchte man sich höchstwahrscheinlich untersuchen lassen. Auch wenn man weniger als acht Stunden mit dem Erkrankten verbracht hat.“

In Schönebeck wurden Ende September überwiegend die Eltern der meist noch minderjährigen Schüler vom Gesundheitsamt des Salzlandkreises informiert und zu einer Röntgenuntersuchung der Lunge aufgerufen. „Wegen einer Wochen bis Monate dauernden Inkubationszeit ist eine Untersuchung frühestens sechs bis acht Wochen nach dem letztem Kontakt sinnvoll“, erklärt Heike Leonhardt.

Den direkten Verdacht, dass einer der Schüler ebenfalls an Tuberkulose erkrankt sei, gebe es in Schönebeck jedoch nicht, so Heike Leonhardt. Und auch Eike Hennig sagt, dass man zumindest bei dem Fall im Landkreis Börde von wenigen positiven Bluttests ausgehe. „Im Schnitt fallen meist etwa zehn Prozent dieser Tests positiv aus“, sagt er.

Alle Ergebnisse bisher negativ

In Magdeburg werden diese Woche die ersten Tests durchgeführt, im Landkreis Börde sind von 65 Ergebnissen bisher alle negativ. Und selbst wenn ein Test positiv sei, heiße das nicht gleich, dass die Person auch tatsächlich an Tuberkulose erkrankt. So sei eine sogenannte latente Tuberkulose (ohne Symptome oder Beschwerden) häufig, der tatsächliche Ausbruch der Krankheit sei hingegen vergleichsweise seltener.

Unbehandelt führt die Infektionskrankheit laut Robert-Koch-Institut in 50 Prozent der Fälle zum Tod. Eike Hennig betont jedoch: „In Deutschland ist die Lungentuberkulose sehr gut behandelbar.“

Die Angst schwingt unter den betroffenen Schülern der Berufsbildenden Schule in Schönebeck dennoch mit. Die 16-jährige Jugendliche sagt der Volksstimme: „Schließlich wäre im Falle einer Infektion nicht nur man selbst gefährdet, sondern auch die Familie und der Freundeskreis.“