Gardelegen l Sie strahlten alle, als Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig im kleinen Besprechungsraum im Rathaus den Stift zückte und den symbolischen Scheck über 2500 Euro unterschrieb. Denn es ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme, dass die Stadt Gardelegen eine einzelne Organisation finanziell unterstützt .Dass es für den ambulanten Kinderhospizdienst Altmark und den ambulanten Hospizdienst Gardelegen 2500 Euro aus dem Stadtsäckel gibt, zeigt, wie wichtig die Arbeit der beiden Dienste in der Stadt eingeschätzt wird, erklärte die Bürgermeisterin bei dieser besonderen Pressekonferenz.

Dazu gab es im Sozialausschuss, wo das Thema Unterstützung besprochen wurde, auch keine Diskussion. Zudem, führte Zepig weiter aus, hat sich der Träger der Dienste, die Stiftung Adelbert-Diakonissen-Mutterhaus, die seit mehr als 20 Jahren die Hospizarbeit in der Region trägt, sich entschieden, sich mit einem eigenen Haus in der Stadt anzusiedeln – und hat auch ein geeignetes Objekt gefunden. Anfang Mai wurde der Kaufvertrag für das Eckhaus Ernst-Thälmann-Straße/Am Aschberg (ehemals Pulsack)unterschrieben, in dem der ambulante Hospizdienst, der ambulante Kinderhospizdienst Altmark und das Trauercafé ein gemeinsames Domizil bekommen.

Hälfte der Spendensumme beisammen

Bevor es soweit ist, steht noch der Umbau der Räumlichkeiten an, die am Jahresende, so der Plan, abgeschlossen sein sollen. 160.000 Euro fallen laut Planer dafür an, hatte damals Pfarrer Ulrich Paulsen, Vorstand der Stiftung, erklärt. Während der Kauf durch Eigenmittel und Kredit finanziert wurde, sollen für den Umbau zu den Eigenmitteln auch Spenden entgegengenommen werden. „30.000 Euro Spenden mögen aus Gardelegen kommen“, so die Hoffnung von Paulsen im Mai. Und es sieht jetzt schon danach aus, dass diese Summe bis zum Jahresende zusammengetragen werden kann – auch mit Hilfe der Stadt.

Wie Thomas Rehbein, Koordinator des ambulanten Hospizdienstes, erklärte, konnte in der kurzen Zeit fast die Hälfte der Summe durch verschiedene Spendenaktionen eingenommen werden. „Es ist ein Zeichen dafür, dass sich was tut und die Aufgabe im Bewusstsein der Menschen angekommen ist.“Das Benefizkonzert am 16. Juni in Gardelegen mit dem Kammerchor der Neuapostolischen Kirche Magdeburg und die Aktion der radelnden Schornsteinfeger in Salzwedel brachten zusammen rund 5000 Euro ein, listete Pfarrer Paulsen in einer Mitteilung auf. Diverse Kleinspenden aus der Altmark trugen bisher 1200 Euro zusammen. Die Stadt Gardelegen, ein örtlicher Betrieb und die Sparkasse Altmark West steuerten insgesamt 6500 Euro bei.

Seit etwa vier Jahren gibt es in Gardelegen den ambulanten Hospizdienst unter der Leitung von Thomas Rehbein. Sein Büro befindet sich noch im Pfarrer-Franz-Haus. Das ambulante Kinderhospiz kam im April dieses Jahres hinzu. Dessen Koordination übernahm Kathleen Tanger. Die 33-Jährige aus Apenburg ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie hat sich in ihrem beruflichen Werdegang immer stärker auf palliative Arbeit konzentriert und ist auch Palliative Care-Kraft, so der Name der Zusatz-Qualifikation.

Derzeit absolvieren 14 Ehrenamtliche ein Kurs zur Befähigung im Kinderhospizdienst, der bis September dauern wird. Im Herbst beginnt wieder ein Grundkurs für die Erwachsenenarbeit. Wie Tanger sagte, habe die Begleitung von Familien bereits begonnen. Oft sei es nicht explizit das erkrankte Kind, das begleitet wird, sondern mehr die Geschwister, die zurückstecken müssen, und Oma und Opa, deren Traurigkeit groß ist. Derzeit sei sie dabei, das Angebot bei den ansässigen Ärzten vorzustellen. Dabei hilft auch der neue Flyer, der druckfrisch zur Pressekonferenz vorlag.