Traditionsfeuer

Ein Haufen Ärger in Iden

Wie wird Brenngut für ein Brauchtumsfeuer vorm Anzünden umgeschichtet? In Iden ist die Anwort auf diese Frage ein kleines Politikum.

Von Karina Hoppe 08.01.2018, 15:32

Iden l Die Gemeinden sind nicht nur ordnungsrechtlich für Brauchtumsfeuer zuständig, „sondern regeln auch alles andere rund ums Feuer in eigener Zuständigkeit“, teilt Edgar Kraul als Sprecher des Landkreises Stendal auf Nachfrage mit. Genauso ist es auch im Falle der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, die eine eigene Gefahrenabwehrverordnung vorhält. Darin steht auch, was bei Brauchtumsfeuern à la Osterfeuern zu beachten ist. Unter anderem der Passus, dass das Brennmaterial am Tage der Veranstaltung „umzuschichten“ ist.

Vor allem an dieser Umschichtung scheiden sich in Iden derzeit einmal mehr die Geister. Rainer Pempel, Bürgermeister der Kommune von 2000 bis 2004, beklagt seit Jahren, die Feuerwehr würde nicht oder nicht richtig umschichten. Richtig wäre nach Pempel: Das Brenngut wird auf einer Stelle A gesammelt und dann auf einer Stelle B abgebrannt, vorher Schicht für Schicht dorthin übergesetzt, „sodass alle Vögel, Igel, Lurche und so weiter vorher fliehen können“. Dass sich im Haufen auf dem Sportplatz unmittelbar neben der Blanke sehr viele Tiere zurückziehen, steht für Pempel, der die Verbandsgemeinde im Dezember noch einmal auf die Problematik aufmerksam machte, außer Frage. Zumal der Haufen das ganze Jahr über zusammengetragen wird. „Ich betone, ich habe nichts gegen die Feuer, ganz im Gegenteil. Ich möchte nur nicht, dass sie auf Kosten der Umwelt über die Bühne gehen.“ Pempel, der die Brennhaufen und alles drumherum seit Jahren fotografisch festhält, fühle sich zu Unrecht „stark angegriffen“.

Auf der anderen Seite die Feuerwehr, die laut dem Fördervereinsvorsitzenden Eric Stanowski „alles Menschenmögliche macht, um den Auflagen nachzukommen“. Für den Fall, dass das Feuer nachts doch nochmal aufflammt, schirmt sie es nunmehr mit einem Bauzaun von der Gemeinde ab – die nächste Anzeige im Nacken.

Die Nase voll hat mittlerweile Bürgermeister Norbert Kuhlmann, der in den vergangenen Jahren dazu übergegangen ist, alles Umschichten fotografisch festzuhalten und nur noch unter Zeugen über die Bühne gehen zu lassen. „Wir schichten ja um“, betont er. Nicht von A nach B, aber quasi weg von A und wieder zurück zu A. Dort, wo die Gemeinde das Brenngut übers Jahr sammelt, auf der gepflasterten Fläche, wird es auch verbrannt. Mit Hilfe von schwerer Technik werde der komplette Haufen bis auf den Boden einmal weggenommen und wieder aufgestapelt. Dazu zünden die Kameraden den Haufen nicht im Kreis an, sondern nur von einer Seite. „Damit Tiere fliehen können, falls doch noch welche drin sind“, so der Bürgermeister. Aber die absolute Garantie gebe es einfach nicht. Wie Kuhlmann auch betont, dass Gemeindeleben zunichte gemacht wird, wenn jedes Gesetz zu 100 Prozent umgesetzt wird. Wohl wissend, dass das Brenngut gar nicht das ganze Jahr über gesammelt werden dürfte, „damit kommen wir unseren Bürgern entgegen“. Selbstverständlich werde der Baumschnitt vorher vom Gemeindearbeiter kontrolliert.

Anders, als das Sammeln und die Umschichtung jetzt gehandhabt werden, sei es laut Kuhlmann technisch gar nicht machbar. „Ich fürchte, wir werden da nicht zueinander kommen“, so der Idener Bürgermeister. Er verhehlt nicht, dass er es auch für möglich hält, dass die Traditionsfeuer gar nicht mehr stattfinden. „Ich möchte persönlich nicht dafür haften.“