Alta Badia (dpa) - Vor seinem Abgang aus dem Zielstadion in Alta Badia blieb Stefan Luitz noch einmal stehen und blickte im dichten Schneetreiben hoch auf die große Videowand. Dort stand, gut zu sehen, sein großer Rückstand auf die Spitze.

Statt vor Weihnachten endlich das ersehnte Erfolgserlebnis zu feiern, kassierte der 27 Jahre alte Skirennfahrer auf der Gran Risa in den Dolomiten eine weitere herbe Klatsche in dieser schon wieder so unbefriedigenden Saison. "Ganz leicht von der Hand geht es nicht. Aber ich weiß, woran es liegt und versuche, das von Rennen zu Rennen einfach umzusetzen", sagte Luitz.

Die Details behielt er für sich. "Ich weiß, was ich zu tun habe und werde auch versuchen, das weiter umzusetzen", betonte er. "Früher oder später wird es dann schon wieder gelingen." Womöglich gelingt ihm beim Parallel-Riesenslalom am Montagabend (18.15 Uhr) schon ein Schritt in Richtung frisches Selbstvertrauen noch vor Weihnachten.

Grundsätzliche Zweifel scheint im Team niemand an dem Athleten zu haben, der seit Jahren zeigt, dass er eigentlich gut genug ist für Siege und Medaillen - aber immer wieder mit Pech, Unvermögen und Schlampigkeiten den zählbaren Lohn aus der Hand gibt.

"Der Stefan ist grundsätzlich gut drauf, er bringt super Trainingsleistungen. Aber es soll jetzt auch mal gelingen, dass er das ins Rennen umsetzt", sagte Cheftrainer Christian Schwaiger vor dem Wettkampf in Südtirol über Luitz, der lange im Schatten von Felix Neureuther stand. "Er erwartet zu viel von sich selber. Er weiß ja auch, dass er schnell ist. Er ist megaschnell mit den Top-Athleten. Er muss sich aber mal locker hinstellen und es runterbringen."

Das klappte schon beim Saisonstart in Sölden nicht. Nach dem verflixten vergangenen Winter mit Verletzungen und dem lange anhaltenden juristischen Hickhack um seinen ersten Weltcup-Sieg sollte 2019/2020 endlich wieder alles gut sein. Doch bislang ist jener 16. Platz aus dem Ötztal noch immer Luitz' bestes Resultat.

In Beaver Creek schied er früh aus, der Riesenslalom in Val d'Isère fiel dem Wetter zum Opfer und jetzt in Alta Badia schaffte er es als 31. des ersten Durchgangs wegen 0,08 Sekunden Rückstand nicht ins Finale der besten 30. "Von einer Krise muss man nicht reden, er war ja bei den Zwischenzeiten dabei", sagte Alpinchef Wolfgang Maier.

Überhaupt sei die Vorstellung auf der anspruchsvollen Gran Risa, auf der sich Luitz vor zwei Jahren einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, bis auf den folgenschweren Fehler nicht schlecht gewesen. "Er ist nicht mit hirnlosem Angriff gefahren wie in Beaver Creek, er hat das gut gemacht", betonte Maier. "Es ist ja nicht so, dass er gar kein Land gesehen hat."

Aber Luitz sei eben einer dieser sensiblen Athleten, die sich auch an Kleinigkeiten aufhängen können. Was auch immer es ist, das er als Ursache für die bisherigen Leistungen identifiziert hat, allzu groß machen sollte es Luitz laut Maier besser nicht: "Damit muss man jetzt einfach mal klar kommen. Man muss die Themen nicht schwerer machen, als sie sind."

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