Bischofshofen (dpa) - Eigentlich gibt es in einem Finale nur noch einen Gegner. 

Wenn Skispringer Karl Geiger am Montag (17.15 Uhr/ARD und Eurosport) in Bischofshofen allerdings doch noch überraschend die Vierschanzentournee gewinnen will, muss der Oberstdorfer gleich drei Rivalen hinter sich lassen: den führenden Polen Dawid Kubacki, der gerne an Modellflugzeugen und Hubschraubern bastelt. Den unaufgeregten Zweiten Marius Lindvik aus Norwegen, der gerne für sich ist und sich hobbymäßig als DJ versucht. Sowie Japans Vorjahreschamp Ryoyu Kobayashi, der sich selbst als Neo-Japaner bezeichnet, dann aber nicht genau erklären kann, was einen solchen charakterisiert.

Die Vierschanzentournee ist so umkämpft wie nie in den vergangenen zwei Jahrzehnten, was vor allem am Quartett Kubacki, Lindvik, Geiger und Kobayashi liegt, die vor dem letzten der vier Akte gerade einmal 13,7 Punkte auseinander liegen. Das sind für das große Finale auf der riesigen Anlage im Pongau weniger als acht Meter Differenz zwischen Platz eins und Platz vier. Die Regentschaft der dominanten Vierfachsieger, wie Kamil Stoch vor zwei Jahren oder Kobayashi im Vorjahr, ist in jedem Fall gebrochen.

Der konstante Kubacki ist nach zwei dritten Plätzen und einem zweiten Rang plötzlich der Favorit und könnte der erste Gesamtsieger ohne einen Einzelerfolg seit 21 Jahren werden. "Der Dawid hat noch keinen Fehler gemacht. Eigentlich wäre der Kubacki jetzt dran mit einem Fehler, aber das wissen wir nicht genau", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher.

Er weiß aus jahrelanger gemeinsamer Trainingsarbeit um die Stärken des 29 Jahre alten Blondschopfs, machte aus dem Publikumsliebling einen Weltmeister. Kubacki selbst kennt sich mit Aufholjagden aus, schaffte es im Vorjahr bei der WM in Seefeld von Rang 27 zu Gold. Zu seinen Hobbys sagt er: "Das meiste, was ich mache, hat mit der Luft oder mit dem Fliegen zu tun."

Eine echte Überraschung wäre der goldene Adler für Debütant Lindvik, der nach zwei Siegen in Garmisch und Innsbruck der Mann der Stunde ist. "Dass er so durchstartet, war nicht zu erwarten. Seine Stärke ist, alles auszublenden. Den ganzen Druck und Trubel, die Medien: Der fährt ins Hotel und legt sich ins Bett und morgen wird er wieder skispringen", sagte sein Trainer Alexander Stöckl. Der 21-Jährige, der gerne ausschläft und "viel am Bildschirm ist" (Stöckl), wird beim Finale erstmals überhaupt in Bischofshofen springen und könnte dann gleich den größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn feiern.

Vorjahres-Vierfachsieger Kobayashi ist nach einem missglückten  Wettkampf am Bergisel zwar nur noch Gesamtvierter, hat mit seinem riesigen Sprungpotenzial aber noch immer alle Chancen. Der demütige Japaner gibt sich immer bescheiden und antwortet meist nur sehr dünn auf die vielen Fragen, die ihm gestellt werden. Reicht es beim  Gelb-Träger für den zweiten goldenen Adler? Im Vorjahr gewann der 23-Jährige in Bischofshofen mit 13,8 Punkten vor Kubacki - ein Zehntelpunkt mehr, als ihn nun vom Polen trennt.

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