Berlin (dpa) - Der Energiekonzern Vattenfall will den jahrelangen Rechtsstreit um die Berliner Stromversorgung beenden und das Stromnetz der Hauptstadt an den Senat verkaufen.

Der Konzern habe dem Land sämtliche Anteile an der eigenen Tochter Stromnetz Berlin GmbH inklusive Infrastruktur, IT-Systeme und Personal angeboten, teilte Vattenfall mit. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir einen Ausweg aus der verfahrenen Situation finden müssen", sagte der scheidende Vattenfall-Chef Magnus Hall der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist nicht gut, diese Unsicherheit weiterhin bei all unseren Geschäftsaktivitäten, anstehenden Entscheidungen und Investitionen mit uns rumzuschleppen."

Der Berliner Senat will bis zum Beginn des kommenden Jahres über das Angebot entscheiden. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass die grundsätzlichen Weichenstellungen hierfür so früh wie möglich, das heißt Anfang 2021, vorgenommen werden, um den Kaufprozess zum 1.1.2021 wirksam werden zu lassen und möglichst rasch Investitionssicherheit zu schaffen", sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD).

Zu den Bedingungen und dem vorgesehenen Kaufpreis machte Hall zunächst keine Angaben. Sollte der Senat zuschlagen, könnte der Kauf aus Sicht des Energiekonzerns bereits im Laufe des ersten Halbjahres 2021 vollzogen werden. Der Berliner Senat wäre damit seinem Ziel ein großes Stück näher: Das Land arbeitet seit Jahren daran, Privatisierungen der vergangenen Jahrzehnte rückgängig zu machen. Auch das Stromnetz sollte wieder in staatliche Hand wechseln.

Hall betonte, es handle sich nicht um "ein Signal, dass wir unsere Geschäfte in Deutschland überdenken". Die Bundesrepublik bleibe der wichtigste Markt für Vattenfall - "und wir werden dort weiter investieren und unser Engagement ausbauen".

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