Washington/Frankfurt (dpa) - Die Weltwirtschaft dürfte den Corona-Schock nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) etwas besser verkraften als zunächst befürchtet.

In diesem Jahr sei mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um rund 4,4 Prozent zu rechnen, hieß es am Dienstag in einer neuen IWF-Prognose. Damit hob der Währungsfonds seine Vorhersage vom Juni um 0,8 Prozentpunkte an. "Wir gehen von einer etwas weniger heftigen, aber immer noch tiefen Rezession aus", erklärte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath.

In Deutschland appellierte derweil die Bundesbank an die Kreditinstitute, den Geldhahn in der Corona-Krise auch bei steigenden Firmenpleiten offen zu lassen. "Banken sollten ihre vorhandenen Kapitalpuffer nutzen, um weiterhin angemessen Kredite zu vergeben", sagte Claudia Buch, Vizepräsidentin der Bundesbank, bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2020 in Frankfurt. Momentan hätten die Banken Kapitalpuffer, um höhere Verluste aufzufangen.

Preisauftrieb verursacht die Geldflut der Notenbanken und Konjunkturpakete bislang nicht - im Gegenteil: Die Inflation in Deutschland ist zum zweiten Mal in diesem Jahr unter die Nullmarke gerutscht. Gedämpft von der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung lagen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Behörde bestätigte damit vorläufige Daten. Eine niedrigere Rate hatte es zuletzt im Januar 2015 mit minus 0,3 Prozent gegeben.

IWF-Ökonomin Gopinath sagte in Washington, weltweit hätten die großen Volkswirtschaften die Folgen der Krise im zweiten Quartal dank beispielloser Konjunkturhilfen und geldpolitischer Unterstützung besser bewältigt als angenommen. Eine Wiederholung einer "Finanzkatastrophe" wie während der letzten großen Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 habe dadurch bislang verhindert werden können. Allerdings bleibt der Ausblick ungewiss. Die Erholung ab kommendem Jahr werde "langsam, ungleich, unsicher und anfällig für Rückfälle" sein, betonte der Währungsfonds.

Die Wachstumsprognose für 2021 senkte der IWF vor allem wegen anhaltender Belastungen durch die Corona-Krise um 0,2 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent. Eine Erholung der Weltkonjunktur sei zudem nicht sicher, solange die Pandemie sich weiter ausbreite und eine Rückkehr zum normalen wirtschaftlichen Alltag verhindere. Um weiteren Rückschlägen vorzubeugen, dürften Regierungen ihre Konjunkturhilfen keinesfalls zu schnell wieder zurücknehmen. Es gebe jedoch Anlass zur Hoffnung, so würden bei den Corona-Tests sowie bei der Behandlung der Krankheit und bei der Impfstoff-Entwicklung Fortschritte gemacht.

Insgesamt zeichnet der IWF dennoch ein finsteres Bild: Die Pandemie werde vielen Ländern langfristige wirtschaftliche Schäden zufügen, sämtliche Fortschritte bei der Armutsbekämpfung seit den 1990er Jahren rückgängig machen und die soziale Ungleichheit erhöhen. Für die Eurozone sagt der IWF im laufenden Jahr einen Wirtschaftseinbruch um 8,3 Prozent voraus, im kommenden Jahr dürfte es dann um 5,2 Prozent nach oben gehen. Für Deutschland wird zunächst ein Rückgang um 6,0 Prozent und dann ein Anstieg um 4,2 Prozent erwartet. Damit wurde die Juni-Prognose für 2020 um starke 1,8 Prozentpunkte erhöht, für das kommende Jahr jedoch um 1,2 Punkte abgesenkt.

Vor allem für die USA zeigt sich der IWF inzwischen deutlich optimistischer. Hier soll die Wirtschaft 2020 laut aktualisierter Prognose um 4,3 Prozent schrumpfen, im Juni war noch ein Einbruch um 8 Prozent angenommen worden. Für 2021 rechnet der IWF nun mit 3,1 Prozent Wachstum. Deutlich schneller geht die Erholung in China voran, der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA. Hier sei die Rückkehr zum Wachstum bereits vollzogen und stärker als erwartet ausgefallen. Bereits im aktuellen Jahr prognostiziert der IWF einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent, das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als noch im Juni. Für 2021 rechnet der Währungsfonds unverändert mit einem Wachstum von 8,2 Prozent.

Chinas Außenhandel erholt sich weiter von der Corona-Krise. Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft stiegen im September im Vorjahresvergleich um 9,9 Prozent, wie die Pekinger Zollverwaltung am Dienstag mitteilte. Die Importe legten demnach im gleichen Zeitraum um 13,2 Prozent zu. Insgesamt belief sich der chinesische Außenhandel im abgelaufenen Monat auf ein Volumen rund von 443 Milliarden US-Dollar (rund 375 Mrd Euro). Der durch das Coronavirus ausgelöste Einbruch im Frühjahr konnte laut der offiziellen Angaben bis zum Ende des dritten Quartals schon fast wieder aufgeholt werden.

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