Wust/Schönhausen/Klietz l Dem Wunsch der Eltern, dass die Wuster Kinder ab Sommer nach der Schließung der Wuster Schule statt in Schönhausen in Klietz lernen sollen, könnte der Rat – wenn die Mehrheit es auf der nächsten Zusammenkunft denn so beschließt – nur begrenzt nachkommen. Denn das machten Vertreter von Landkreis und Landesschulamt am Mittwochabend im Rat vor den vielen erschienenen Eltern deutlich: Die Änderung der Einzugsbereiche gilt generell nur für die neuen Schüler – also die Erstklässler. Die Zweit-, Dritt- und Viertklässler werden laut Schulentwicklungsplan in Schönhausen unterrichtet.

Zeit zum Überlegen, Gedanken sortieren oder Ideen schmieden bleibt nicht. Hals über Kopf muss am Montag eine Entscheidung getroffen werden. Zeit bliebe nur, wenn alles so kommt wie bisher in der Schulentwicklungsplanung festgelegt: Die Wuster Schüler wechseln nach der Schließung ihrer Außenstelle im Sommer an den Haupt- standort nach Schönhausen. Wie es dann generell weitergeht mit den drei Schulen im Elbe-Havel-Land, ist bei der Diskussion um die um ein Jahr verschobene und damit erst ab 2020 geltende Schulentwicklungsplanung im Herbst 2019 neu festzulegen.

Genug Platz in Schönhausen

Aber bei bisherigen Zusammenkünften der Eltern machten sie deutlich: Sie sehen in Klietz mit einem sehr großen Schulgebäude für ihre Kinder bessere Lernbedingungen. Zudem sorgen sie sich vor dem Baulärm, der entsteht, wenn nebenan ein neuer Kindergarten gebaut und dann der alte Kindergarten zum Hortgebäude umgebaut wird. Die Befürchtung, dass der Platz in Schönhausen nicht ausreicht, widerlegte die in der Fragestunde von einem Vater um Antwort gebetene Schulleiterin Katrin Majewski: Es gibt genug Klassenräume und auch weiteren Platz für Lerngruppen. An der Erweiterung des Platzes für die Schule durch die Modernisierung des Kindergartens zum Hortgebäude mit Nutzung am Vormittag für die Schule über das Stark-III-Programm sollte aber festgehalten werden.

Zwei Schulen wären solide

Denis Gruber, zweiter Beigeordneter des Landkreises, schilderte anhand der vorliegenden Zahlen die Situation: Sollte die Sandauer Schule die Kinder aus dem Havelwinkel nach Havelberg abgeben müssen, sinkt die Schülerzahl 2020/21 auf 55 und damit unter die geforderten 60 Schüler.

Für die Klietzer Schule ist die Zukunft am prekärsten: Lernen hier derzeit 82 Kinder, so sinkt die Zahl 2022/23 auf unter 50 – mittelfristig kein Bestand!

Schönhausen kann auch ohne Wust – wenn zeitweise auch knapp – die mindestens 60 halten. Mit Wust wäre es stabil stets um die 100 Schüler.

Denis Gruber zum Rat: „Zwei Schulstandorte im Elbe-Havel-Land wären solide, bei drei ist es ein ständiges Köpfezählen.“

Entscheidung am 7. Mai

Wenn der Verbandsgemeinderat nicht erst mit der neuen Schulentwicklungsplanung ab 2020 eine Veränderung herbeiführen will, sondern schon ab dem kommenden Schuljahr, dann muss jetzt alles schnell gehen! Denn bereits am 31. Mai tagt der Landkreis und könnte die Schulentwicklungsplanung ändern, vorher muss das Thema durch die Ausschüsse. Schon am 8. Mai, also kommenden Dienstag, deshalb muss der Beschluss in Stendal vorliegen. Heißt für die Verbandsgemeinde: Am Montag zusammentreten und entscheiden. Um 19 Uhr wird das sein. Zwei Stunden zuvor soll es ein Gespräch mit den Eltern geben, um deren Willen zu hören.

Keine Ausnahmeregelung

Thomas Thunemann vom Landesschulamt zeigte dem Rat und den Gästen auf, wie sich die Lehrersituation in Schönhausen entwickelt: Entsprechend eines Berechnungsschlüssels werden für die Schule inklusive Außenstelle Wust statt der bisher sechs Lehrer nur noch fünf zur Verfügung stehen – sechs und dazu eine weitere pädagogische Mitarbeiterin sei eine absolute Sonderregelung gewesen, die das Landesschulamt nicht fortsetzen wird. Und es sei auch eine Ausnahme in Sachsen-Anhalt, dass es überhaupt eine Schule mit Außenstelle gegeben hat.

Diese Genehmigung habe es nur gegeben, weil in Schönhausen kein Platz für Wust war. Das können Eltern und Rat nicht nachvollziehen. Denn auf einmal, ohne jegliche Veränderungen, gibt es genug Platz in Schönhausen und keine Verlängerung der Ausnahmeregelung – wie kann das sein? Doch daran ist nicht mehr zu rütteln, machte Thomas Thunemann deutlich.

Sicherheit für Klietz

Deshalb gilt es nun, in die Zukunft zu blicken. Richtet sich der Rat nach dem Wunsch der Eltern und will er auch die Zukunft von Klietz auf Dauer sichern, muss der Einzugsbereich für Klietz geändert werden. Doch das gilt nur für die neuen Schüler. Die Zweit-, Dritt- und Viertklässler setzen die Schule in Schönhausen fort. Ob denn Ausnahmeregelungen beantragt werden können? Thomas Thunemann wiederholte sich mehrfach: Nein! Solche Ausnahmen werden nur genehmigt, wenn eine Beschulung in Schönhausen nicht möglich wäre und es einen triftigen Grund für die andere Schule gäbe. Das sei hier nicht der Fall. Damit nahm er den Eltern die Hoffnung, mit entsprechender Ausnahmeregelung auch die älteren Kinder in Klietz zur Schule zu schicken.

Verstoß gegen Gesetz

Auf einen wichtigen Fakt machte Denis Gruber aufmerksam: Sollte der Verbandsrat den Einzugsbereich ändern und die Wuster nach Klietz schicken, verstößt er gegen das Beförderungsgesetz. Denn die Beförderungsdauer muss für Grundschüler unter 30 Minuten liegen – so hat es der Landkreis Stendal in seiner Verordnung festgelegt. Das ist hier aber nicht der Fall. Vom am dichtesten gelegenen Wust sind es inklusive der mitzurechnenden Gehzeiten bis zur Bushaltestelle 31 Minuten, von Sydow sogar 42.

Zur Befürchtung des Rates, dass der Kreistag dem Beschluss des Elbe-Havel-Landes deshalb ja gar nicht zustimmen kann, erklärte Denis Gruber: „Der Kreistag ist bisher allen ihren Beschlüssen gefolgt!“ Derzeit werde bereits in rund 60 Fällen gegen die Verordnung verstoßen.

Die abschließende Frage von Arno Brandt, ob man bei dieser besonderen Situation beim Landesschulamt doch eine Ausnahme für die Zweit- bis Viertklässler erwirken könnte, verneinte Thomas Thunemann nochmals: Es gibt keine Chance auf Ausnahme. Die Schulentwicklungsplanung, die auch Grundlage für die Planung der Lehrerstellen ist, dürfe nicht ausgehebelt werden.

Es obliegt dem Rat am 7. Mai, eine Entscheidung zu treffen. Lässt man alles, wie es ist, oder folgt man dem Wunsch der Wuster und sichert damit auch den Standort Klietz?

In Klietz gibt es im August 28 Einschüler. Mit den acht aus dem Wuster Bereich wären es 36 und es müssten zwei Klassen gebildet werden. Ob dann auch ein Lehrer mehr zugewiesen wird, wurde am Mittwoch nicht thematisiert.