Magdeburg l Im Rahmen der von der Hochschule Magdeburg-Stendal veranstalteten Vortragsreihe „Fußball zwischen Kommerz und Fankultur“ war am Donnerstagabend Mario Kallnik, Geschäftsführer des Zweitliga-Aufsteigers 1. FC Magdeburg, zu Gast. Im Gespräch mit MDR-Moderator Jens Keller und den Zuhörern stand der 43-Jährige 90 Minuten Rede und Antwort.

Wie sind Ihre Erwartungen für die WM 2018?

„Ich befürchte, dass der Fußball ein Stück weit politisiert wird. Es wäre schade, hat aber ja eigentlich schon begonnen.“

Wer gehört in Russland zu den Favoriten?

„Frankreich dürfte neben Deutschland eine gute Rolle spielen. Und es gibt vielleicht wieder eine Nation, mit der man im Vorfeld nicht gerechnet hat. Vor vier Jahren hat mich beispielsweise Uruguay positiv überrascht.“

Wird es neue Erkenntnisse geben?

"Das glaube ich eher nicht. Ich hoffe vor allem, dass nicht so viel taktiert wird, sondern es heißt: Feuer frei!“

Wird auch eine Abordnung des FCM bei der WM dabei sein?

„Es wäre zwar toll, hinzufahren, aber nein, wir müssen effektiv bleiben und hier die neue Saison vorbereiten.“

War es richtig, den Wernigeröder Nils Petersen nicht mitzunehmen?

„Da kann ich mir kein Urteil erlauben. Unabhängig davon glaube ich, dass er seinen Weg ins Leben gefunden hat.“

Wie geht es mit der „50+1“-Regel weiter?

„Irgendwann, denke ich, dreht sich die Entwicklung dorthin. Siehe England, wo die Wahrnehmung eine andere ist und beispielsweise in Manchester enorm viel investiert wird, auch in Arbeitsplätze und Infrastruktur. Am Ende kommt es auf das Modell an. Beim FCM ist es ja nach der Ausgliederung so geregelt, dass ein möglicher Investor mindestens 75 Prozent der Mitgliederstimmen braucht.“

FCM ist das Stichwort – wie ist die Wahrnehmung des Clubs in Deutschland insgesamt?

„Dass wir unheimlich sympathisch rüberkommen. Viele Vereine aus der 2. Liga haben mich nach dem Aufstieg angerufen und sich gefreut, dass wir dabei sind. Tenor: Es ist einmalig bei euch und ein Erlebnis, in Magdeburg zum Fußball zu gehen. Gerade dieses Einmaligkeitsgefühl müssen wir uns bewahren. Bei uns ist es egal, ob einer Hartz-IV-Empfänger oder Geschäftsführer ist. Es gibt nur Fans.“

Gab es eigentlich einen Plan B für den Fall, dass es der FCM nicht geschafft hätte?

„Den gab es. Und es wäre ein Knackpunkt gewesen, weil sich auch ein gewisser Unmut breitgemacht hätte. Ich glaube sogar, dass wir Abstiegskandidat Nummer 1 gewesen wären.“

Macht der Kommerz den Fußball kaputt?

„Investoren, die 222 Millionen Euro für einen Neymar hinblättern, sind die Ausnahme und haben nichts mit der Realität zu tun. Ich ärgere mich über etwas ganz anderes. Und das ist die Basis, wo bereits Ablösesummen von 250.000 Euro und mehr für B- oder C-Junioren gezahlt werden. Ist das die richtige Entwicklung? Ich sage nein! Das Risiko, dass ein solcher Spieler wirklich oben ankommt, ist doch viel zu groß.“

Die Nachwuchsförderung ist auch beim FCM ein wichtiges Thema ...

„Ja, natürlich. Und deswegen sind wir froh, dass die A-Jugend in die Bundesliga aufgestiegen ist. Künftig sollte jedes Jahr mindestens ein Spieler den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.“

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