Köln/Magdeburg l Am Freitagabend nach dem 1:1 des 1. FC Magdeburg bei Viktoria Köln kletterten zwei Fans über den Zaun des Gästebereichs. Es gab Redebedarf: Zwei Vorsänger der FCM-Fans gingen auf die Mannschaft zu, bildeten mit den Spielern einen Kreis.

Aber anders als in Düsseldorf nach dem enttäuschenden 0:0 Anfang Oktober gegen Uerdingen hagelte es diesmal keine Kritik. „Die Fans haben uns nach der Leistung in der zweiten Halbzeit Mut zugesprochen“, erklärte Sören Bertram, der gegen Köln den Ausgleich erzielt hatte.

Die Anhänger erkannten die starke Leistung des Teams trotz des wieder einmal verpassten Sieges an. Und so hingen die Köpfe bei den Spielern dann auch nicht mehr ganz so tief wie direkt nach dem Abpfiff. „Es war ein gutes Spiel von uns. Wir hatten in der zweiten Hälfte vier, fünf hundertprozentige Torchancen und hätten uns diesmal wirklich belohnen müssen“, sagte Jürgen Gjasula, der in Köln wieder auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld auflaufen durfte.

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Christian Beck sieht Leistungssteigerung

Christian Beck war es, der sich und die Mannschaft nach der Partie aufrichtete und das Wort ergriff. Der Kapitän hatte zuvor den Siegtreffer auf dem Fuß, schaffte es aber wie seine Teamkollegen nicht, den Ball über die Linie zu drücken. Trotzdem: „Es ist zwar ärgerlich, dass wir trotz vieler Chancen nicht gewonnen haben. Wir haben aber gesehen, dass wir gut sind, haben Köln nach der Pause geradezu überrannt.“

Und genau das war die positive Erkenntnis, die der FCM nach dem verpassten Sieg mitnehmen konnte: Die Mannschaft kämpfte sich nach dem schwachen Start zurück, beherrschte den Gegner nach dem Ausgleich dann spielerisch. „Wir haben eine Reaktion gezeigt“, betonte Gjasula.

Auch Sören Bertram war mit der spielerischen Leistung zufrieden: „Die Kölner hätten sich nicht beschweren dürfen, wenn wir vier oder fünf Tore gemacht hätten“, sagte er. Und: „Es spricht für uns, dass wir nach dem Rückstand nicht wie zuletzt gegen Rostock auseinandergebrochen sind. Wir waren sofort wieder da, hatten einen klaren Fokus.“

Bestes Auswärtsspiel der Saison

Gerade auswärts war genau das wochenlang nicht der Fall, da agierte der Club doch viel zu oft uninspiriert, erspielte sich wie gegen Uerdingen und in Kaiserslautern kaum Torchancen. In Köln hingegen machte der FCM sein bestes Auswärtsspiel in dieser Saison. „Wenn wir so weitermachen, werden wir uns bald belohnen“, sagte Bertram.

Das sah auch FCM-Trainer Stefan Krämer so: „Wir erarbeiten uns mittlerweile viele Chancen, da sind wir gerade auswärts schon weiter als noch vor ein paar Wochen.“

Der Trainer schien seiner Mannschaft in der Pause die richtigen Worte mit auf den Weg gegeben zu haben, der FCM hatte schließlich einen starken Gegner, der als Tabellensiebter sogar an den Aufstiegsrängen kratzt, fast schon am Boden.

Krämer lobt spielerischen Fortschritt

Der Club war über die Außenpositionen mit Dominik Ernst über rechts und Leon Bell Bell über links sehr präsent, wurde aber auch immer wieder angetrieben vom starken Thore Jacobsen, der im defensiven Mittelfeld immer wertvoller wird. Die zuletzt fehlende Ideenlosigkeit in der Offensive war wie weggewischt. „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben und wie wir uns Chancen herausgespielt haben, nehmen wir auf jeden Fall mit. Das werden wir den Jungs auch vor Augen führen“, sagte Krämer.

Zum Happy End fehlte zwar das zweite Tor, fehlten die drei Punkte. Der Trainer hatte aber aufgrund der klaren Leistungssteigerung trotzdem Argumente im Gepäck, die ihm in den kommenden Tagen helfen können. „Im Moment sehe ich viele Fortschritte, wir belohnen uns gerade nur für den ganzen Aufwand noch nicht.“

Für Krämer kommt Halle zur richtigen Zeit

Für Krämer war es ein Déjà-vu: Wie schon in vielen Saisonpartien zuvor hatte er auch bei Viktoria Köln das Gefühl, dass für den Club mehr drin war als ein Unentschieden. „Das nagt an mir und macht mich unzufrieden. Daran werden wir jetzt mit aller Konsequenz im Training arbeiten“, sagte er.

Dass der FCM am Sonnabend gegen Tabellenführer Halle spielt, findet der Trainer sogar gut: „Vielleicht ist Halle mit dieser Unzufriedenheit im Hinterkopf genau der richtige Gegner. Mit einem guten Ergebnis könnten wir viele Fans dann noch freundlicher stimmen – uns eingeschlossen.“

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