Magdeburg l Sirlord Conteh ist als hängende Spitze der Blau-Weißen in diese Partie gegangen, aber der 24-Jährige erinnerte sich in der 54. Minute an eine alte Fußballweisheit, die besagt: „Abwehrarbeit beginnt im Angriff.“ Also machte sich Conteh in jener Minute auf den Weg in die eigene Hälfte, an der Seite des ballführenden Gino Fechner, seines Zeichens rechter Verteidiger des KFC Uerdingen. Doch über den Status des freundlichen Begleiters kam Conteh nicht hinaus. Sondern leitete mit allzu zaghaftem Zweikampfverhalten das Unglück des Tobias Müller ein, der nach Fechners Eingabe den Ball zum 1:1-Endstand ins eigene Netz spitzelte.

„Wir haben um das Tor gebettelt“, urteilte Thomas Hoßmang nicht nur ob dieser Szene, sondern über das allgemeine Auftreten seiner Mannschaft zu Beginn der zweiten Hälfte in der Drittliga-Partie am Sonnabend in der MDCC-Arena. Zumal der Trainer seine Spieler auf den psychologischen Vorteil eingeschworen hatte. Den hatte sich der FCM nicht aus dem Spiel heraus erarbeitet, denn da blieb er wieder alles schuldig, sondern aus dem Freistoßtreffer von Sören Ber-tram aus 18 Metern und nach 42 Minuten gezogen. „Den hat Sören gut geschossen“, meinte KFC-Trainer Stefan Krämer, tadelte allerdings zugleich Hidde Jurjus, seinen Keeper, für eine schlecht gestellte Mauer.

Zwei Distanzschüsse von Bittroff

Alexander Bittroff hatte die Szene aus der Distanz verfolgt. Mit Distanz kennt sich der 32-Jährige aus. Nicht nur, dass der Linksverteidiger seinen Gegenspieler auf Distanz zum eigenen Tor halten muss, er war auch der einzige Magdeburger in dieser Begegnung, der zwei Schüsse aus der Ferne auf das Uerdinger Gehäuse abgab. Bittroff durfte also eine sehr gute Leistung bescheinigt werden. „Man ist natürlich froh, dass man dem ehemaligen Arbeitgeber zeigen kann, dass man kein Schlechter war“, sagte er nach dem Abpfiff. In Uerdingen hatte er vor seinem Wechsel zum FCM drei Jahre gespielt. Deshalb war das Duell mit den ehemaligen Kollegen allerdings kein besonderes: „Ich gehe in jedes Spiel hochmotiviert.“

Bilder

Bittroff ist erfahren genug, um die neuerlichen Fehler auf den Punkt zu bringen: „Wir hatten auch Phasen mit mehr Ballbesitz, haben uns aber keine zwingenden Chancen erarbeitet, im letzten Drittel hat uns das Durchsetzungsvermögen gefehlt.“ Und zur Szene, die zum Ausgleich führte, konstatierte er: „Da muss man mal ein dreckiges Foul ziehen.“

Am Dienstag gegen Saarbrücken

Coach Hoßmang wurde noch deutlicher: Seine Mannschaft sollte „Bälle festmachen, tiefer attackieren, Lösungen schaffen, sich im Eins gegen Eins durchsetzen“. Seine Mannschaft habe aber „große Defizite gezeigt“.

Hoßmang muss sich inzwischen selbst langweilen, wenn er immer wieder diese Defizite resümiert. Zumal mit intensiver Trainingsarbeit zuletzt alles besser werden sollte. Sicher ist: Der FCM wird an diesem Dienstag zum Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken (19 Uhr) in der jüngsten Formation nicht mehr auflaufen. Hoßmang hat Konsequenzen angedeutet.

Atik eine "klare Option"

So lobte der 54-Jährige Winterzugang Saliou Sané, der in seinem ersten Einsatz ab der 69. Minute „die Bälle festgemacht hat“, sagte Hoßmang und meinte: besser festgemacht als Christian Beck, für den der 28-Jährige gekommen war. Und Hoßmang kündigte an, dass Baris Atik, der mit vielen Vorschusslorbeeren zum FCM gekommen ist, „eine klare Option“ für Saarbrücken ist. Die Partie gegen Uerdingen sei für den 26-Jährigen nach einem halben Jahr ohne Mannschaftstraining und Spielpraxis zu früh gekommen.

Gestern herrschte jedenfalls Redebedarf im Team. Denn mit einem Zähler musste der FCM am Sonnabend nicht nur leben, wie es Hoßmang formulierte. Er war mit einem sehr blauen Auge davongekommen. Krämer betonte: „Wir mussten nach der völlig unnötigen Gelb-Roten Karte hinten heraus hart arbeiten, um den Punkt zu sichern. Aber wenn man einen dicken Strich unter das Spiel zieht, hätten wir es auch gewinnen können.“ Dazu ist es nicht gekommen, weil Heinz Mörschel an Keeper Morten Behrens scheiterte, weil Tim Albutat, Gustav Marcusson und Edvinas Girdvainas, der wegen Ballwegschlagens vorzeitig zum Duschen musste (78.), aussichtsreich vergaben.

Kader mit 32 Spielern

„Wir haben nicht viel Zeit“, erklärte Hoßmang zu insgesamt sieben Spielen im Januar. „Das ist das Gute.“ Dass dieses Programm sich als zusätzliche mentale Belastung herausstellen kann, glaubt Alexander Bittroff indes nicht: „Klar ist es eine mentale Herausforderung, aber wir haben auch einen großen Kader, weshalb wir rotieren können.“

Der Kader ist mit dem Engagement von Nico Granatowski von Zweitligist VfL Osnabrück auf 32 Spieler gewachsen. Mehr sollen es nun nicht werden, meinte FCM-Sportchef Otmar Schork und ergänzte: „Wenn nicht etwas Unvorhergesehenes passieren sollte.“

Mehr Infos gibt es im Liveblog