Magdeburg l Philipp Harant ist trotz seiner erst 20 Jahre bereits ein gestandener Mann. Kein Wunder, schließlich überragt der Innenverteidiger des 1. FC Magdeburg mit seinen 1,94 Metern fast alle Mitspieler.

Wenn er aber über das spricht, was am kommenden Sonnabend auf ihn zukommen könnte, dann schimmert die Freude eines kleinen Junge in ihm hervor. Es ist der kleine Junge, der einen großen Traum hat – Fußballprofi werden. Und genau dieser Traum könnte für Philipp Harant am Sonnabend um 17.45 Uhr im FCM-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig wahr werden.

Personalnot in der Abwehr

Die Chancen, dass Harant sein Profidebüt im FCM-Trikot feiert, stehen nämlich nicht schlecht. In der Club-Innenverteidigung herrscht momentan Personalnot. Neben dem gesetzten Tobias Müller ist wegen der Verletzung von Dustin Bomheuer und der Sperre von Brian Koglin ein Platz frei geworden. „Mir tut es für Dus-tin leid, dass er verletzt ist. Für mich besteht aber grundlegend eine Chance, mich in dieser Saison zu zeigen, mich zu beweisen“, sagt Harant.

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Für den 20-Jährigen ist es die Chance seines Lebens. Den Moment, in die voll besetzte MDCC-Arena einzulaufen, hat er sogar schon häufig in seinen Gedanken durchgespielt. „Ich habe davon ein paarmal geträumt. Wenn es am Sonnabend beziehungsweise im Saisonverlauf mit Einsätzen klappt, würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen.“

Besondere Taktik gegen Aufregung

Um der Aufregung zu trotzen, hat er sich für die Tage vor dem Braunschweig-Spiel schon einen Plan zurechtgelegt. „Ich gehe am Donnerstag extra etwas später schlafen und stehe am Freitag früher auf. Dann habe ich am Freitagabend nicht so große Probleme einzuschlafen und bin am Spieltag richtig fit. Diese Taktik sollte mir helfen“, erklärt er.

Es wäre für Philipp Harrant der Höhepunkt einer erstaunlichen Entwicklung. In der vergangenen Saison zahlte das junge Talent, das beim FCM sämtliche Nachwuchsmannschaften durchlief, nämlich ordentlich Lehrgeld. Vor einem Jahr hatte er großen Anteil am Bundesliga-Aufstieg der U-19-Mannschaft, dann ging er fest zu den Profis. In der Sommervorbereitung auf die Zweitligasaison wurde allerdings schnell klar, dass es für ihn eng wird, dass er kaum Einsatzchancen haben wird.

Der FCM wollte Harant deshalb ausleihen, wollte ihm zu Spielpraxis verhelfen. Doch der gerade mit einem Profivertrag ausgestattete Nachwuchsspieler lehnte ab. „Es war für mich ein Lehrjahr. Ich war nicht professionell genug, wusste nicht, wie ich mich verhalten muss“, gesteht er.

Zu schnell zu zufrieden

Was Harant meint: Er gab sich zu schnell zufrieden. „Ich bin häufig erst kurz vor dem Training angekommen, manchmal war ich sogar ein paar Minuten zu spät“, sagt er. „Ich habe zu wenig neben dem Training gearbeitet, habe gedacht, dass alles von alleine kommt. Das mache ich jetzt ganz anders.“

Der Wendepunkt ist eng mit einem Wechsel verbunden. Denn die im Sommer noch abgelehnte Leihe holte er im Winter nach. Beim Regionalligisten Germania Halberstadt machte Harant dann wertvolle Erfahrungen – auf und neben dem Rasen. „Ich habe die dringend notwendige Spielpraxis bekommen und begriffen, wie wichtig es ist, an den eigenen Schwächen zu arbeiten. Es geht darum, auch die Dinge zu machen, die nicht so viel Spaß machen.“

Spielpraxis in Halberstadt

Geholfen hat ihm in Halberstadt auch Dennis Blaser, mit dem er sich von Beginn an gut verstand und mittlerweile eng befreundet ist. „Wir haben uns sehr oft unterhalten, er hatte ähnliche Probleme wie ich. Das war wichtig für uns beide“, sagt Harant.

Auch auf dem Rasen war eine Entwicklung zu sehen: In der Rückrunde kam er im Halberstädter Trikot auf 13 Einsätze in der Regionalliga Nordost, stand im Landespokal-Finale gegen den Halleschen FC (0:2) auf dem Platz.

Krämer traut Harant viel zu

Diese Erfahrungen brachte er in diesem Sommer nach seiner Rückkehr zum FCM ein. Trainer Stefan Krämer steht jetzt vor der Wahl, auf wen er in der Innenverteidigung neben Tobias Müller setzt. Neben Harant könnte die Wahl auch auf den eigentlichen Mittelfeldspieler Björn Rother fallen, der gegen den BFC Dynamo (1:0) und Rotherham (2:1) in der Verteidigung getestet wurde.

„Ich traue es Philipp zu. Wichtig ist, dass er zupackt, wenn er die Chance bekommt“, sagt Krämer. „Ich habe deshalb noch mal mit ihm gesprochen, dass er sich professionell vorbereitet.“

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