Beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg hält der Abwärtstrend an. Nach einer erneut enttäuschenden Vorstellung bei Eintracht Braunschweig II – das Gegentor zum 0:1 kam unglücklich, die Niederlage insgesamt aber nicht unverdient zustande – beträgt der Vorsprung gegenüber den Abstiegsrängen nur noch zwei Punkte. Doch das war längst nicht alles am Sonnabend ...

Braunschweig. Allein schon die Spielpaarung vom Sonn-abend dokumentierte, wie tief die Elbestädter in den letzten drei Jahren gesunken sind. Noch im Oktober 2007 erreichte der FCM in Braunschweig vor 21 300 Zuschauern ein leistungsgerechtes 1:1, verschoss sogar noch einen Elfmeter (Andy Müller). Nun verlor man bei Eintrachts Reserve vor 1400 Besuchern 0:1.

Zum Spiel: Die Niedersachsen, als Vorletzter noch am Mittwoch in Kiel mit 0:5 unter die Räder gekommen, begannen enorm aggressiv, wirkten zielstrebiger und gedankenschneller. Nach nur drei Minuten verhinderte Tischer gegen Vucinovic einen möglichen Rückstand. Die Gäste besaßen in Abschnitt eins nur eine zwingende Chance, als Verkic nach Zuspiel von Instenberg in aussichtsreicher Position die Lattenoberkante traf (21.).

Nur 120 Sekunden später fiel das Tor des Tages – ein Albtraum für jeden Keeper. Bei einer harmlosen Rückgabe von Neumann trat Tischer auf dem holprigen Rasen über den Ball, und das Leder kullerte in die Maschen. Der 25-Jährige hinterher: "Ich habe gedacht, das darf doch nicht wahr sein und gehofft, dass er nicht reingeht. Aber das ist irgendwie typisch für unsere besch... Situation. Die Jungs haben mir in der Pause Mut zugesprochen, wollten das Ding umbiegen. Wir hatten ja auch unsere Chancen, müssen aber natürlich auch mal eine davon nutzen", sagte hinterher Tischer, der, obwohl er noch einige tolle Paraden zeigte und damit einen höheren Rückstand verhinderte, untröstlich war.

Beim FCM übernahm wie schon gegen Türkiyemspor kaum einmal jemand Verantwortung (nur Kapitän Bauer bildete die Ausnahme, doch der fehlte am Sonnabend wegen seiner fünften Gelben Karte), man reagierte meistens nur statt zu agieren.

Nach der Pause übernahm der Club zwar mehr und mehr die Initiative, doch trotz einiger vielversprechender Angriffe blieb es beim 0:1. Hinzu kam, dass die Elbestädter bei Kontern stets auf der Hut sein mussten. Trainer Kaiser: "Es war klar, dass Braunschweig dieses Tempo nicht durchhalten würde. Allerdings hat uns in der zweiten Halbzeit die Kreativität gefehlt. Das Tor war natürlich unfassbar, irgendwie schon Slapstick. Wenn man all unsere Gegentreffer analysiert, wird man feststellen, dass jedes Mal ein anderer einen Fehler macht." Kaiser zur derzeit prekären Lage: "Zwei Punkte aus den letzten drei Spielen sind natürlich viel zu wenig. Wir stecken jetzt komplett im Abstiegskampf. Das habe ich nicht erwartet."

Die FCM-Krise hat sich seit Sonnabend also weiter verschärft. Und ausgerechnet in dieser Verfassung geht‘s am Mittwoch nach Leipzig zum Derby gegen den HFC. "Eine schwierige Situation. Man sieht der Mannschaft die Verunsicherung an", befand Wilhelmshavens Trainer und FCM-Legende Wolfgang "Maxe" Steinbach, der am Sonnabend im Eintracht-Stadion auf der Tribüne saß.

Wie tief der Stachel der Enttäuschung sitzt, wurde auch an anderen Stellen deutlich. So saß Bauer noch lange nach dem Abpfiff gedankenversunken auf der Ersatzbank und schwieg anschließend: "Es wäre nicht gut, wenn ich heute etwas sagen würde ..." Stürmer Verkic ließ seinem Frust freien Lauf und trat auf dem Weg in die Kabine mit voller Wucht eine Glasscheibe des Spielertunnels ein. Manager Bartsch wiederum beklagte schon vorm Anstoß die Vereinspolitik: "Ich habe einen laufenden Vertrag und erfahre aus der Presse, dass ich entlassen werden soll. Mit mir hat bislang niemand gesprochen."

Jede Menge Zündstoff also beim FCM – und schon heute Abend könnte es auf der Mitgliederversammlung weitergehen.

Braunschweig II: Later - Thomsen, Meier, Kluk, Neumann, Lemke (85. Kodes), Gos, Tozlu (89. Skoda), Kragl, Vucinovic (82. Latowski), Göwecke

FCM: Tischer - Sumelka, Friebertshäuser (61. Wolf), Halke, Neumann (82. Vorm), Saalbach (46. Köhne), Wijks, Instenberg, Becker, Georgi, Verkic

Schiedsrichter: Schmitz (Xanten). Zuschauer: 1400. Tor: 1:0 Neumann (23./Selbsttor). Gelb: Gos, Kragl / Sumelka, Saalbach, Neumann, Vorm

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