Madrid (dpa) - Die spanischsprachige Literaturwelt trauert um Carmen Balcells. Die Spanierin, die als Agentin verschiedener Schriftsteller den lateinamerikanischen Boom der 1960er und 1970er Jahre entscheidend mitgeprägt hatte, starb am Montag in Barcelona im Alter von 85 Jahren.

Eine wesentliche Figur der zeitgenössischen spanischsprachigen Literatur ist von uns gegangen, bedauerte in Madrid Kulturminister Íñigo Méndez de Vigo. Er würdigte Balcells als wichtigste Literaturagentin Spaniens und eine der wichtigsten weltweit.

Die 1930 im katalanischen Santa Fe de Segarra geborene Frau war bis zuletzt aktiv. In ihrer langen Karriere betreute sie legendäre Autoren wie Gabriel García Márquez (Hundert Jahre Einsamkeit), Mario Vargas Llosa (Die Stadt und die Hunde) oder Carlos Fuentes (Nichts als das Leben).

Für uns Autoren, die das Privileg hatten, mit ihr zu sein, war sie viel mehr als nur eine Agentin oder Vertreterin, schrieb Vargas Llosa in einer ersten Reaktion in der Online-Ausgabe der spanischen Zeitung El País. Der Nobelpreisträger aus Peru erzählte: Sie hat auf uns aufgepasst, uns verhätschelt und gescholten, uns an den Ohren gezogen und bei allem was wir taten, nicht nur literarisch, uns mit Verständnis und Zuneigung überhäuft.